Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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„Worin wir heute verstrickt sind, das sehen wir immer erst morgen“

(Lukas 10, 25-37; Römer 7,12 – 8,1)

Predigt am 27. Januar 2008 anlässlich des Jahrestages

der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945

I.

Die Moderne hat uns gelehrt: der einzelne ist ein Meister seiner selbst ist. Ich habe die Kraft der Erkenntnis. Ich habe die Kraft zum Guten. Ich habe im Herzen die Fähigkeit des Gewissens – aus mir selbst heraus und in mir selber. Um es ehrlich zu sagen: ich halte das für eine zu optimistische Sicht. Die Selbstbestimmung des Menschen halte ich für eine Täuschung. Wir sitzen ihr gerne auf, aber das macht es nicht wahrer. Der einfältige Glaube an den Menschen, der sich für das Gute entscheidet und das Böse verhindert, ist nicht erst nach Auschwitz von Grund auf und nachhaltig erschüttert.

Denn verkannt wird die Schuld der Verblendung. Es gibt, liebe Gemeinde, zwei Arten von Schuld. Die eine: gegen sein eigenes Gewissen zu handeln. Die zweite: gar kein Gewissen zu haben. Im normalen Sprachgebrauch meinen wir die erste, wenn wir von Schuld und Sünde reden: gegen sein eigenes Gewissen zu handeln. Wir setzen ein freies Individuum voraus, das souverän und fähig ist zu prüfen, zu unterscheiden, Recht und Unrecht zu erkennen und nach der eigenen Erkenntnis zu handeln. Schuldig werden heißt in diesem Zusammenhang: gegen die Erkenntnis und das Gewissen zu handeln.

Ich bin überzeugt: wir haben lange zu optimistisch gedacht über die Erkenntniskräfte und das Gewissen des einzelnen. Diese Souveränität des Gewissens und des Handelns haben wir vorausgesetzt, wenn wir unsere Väter und Mütter gefragt haben: „Wo ward ihr während der Nazizeit? Warum seid ihr mitgelaufen und habt keinen Widerstand geleistet?

Im selben Begriff von Schuld haben sie geantwortet: „Wir haben es nicht gewusst“. In einem gewissen Sinn hatten sie Recht. Aber die Frage ist damit nicht erledigt. Warum haben sie nichts gewusst? Wie funktionierte die Selbstblendung? Wie kam es zur moralischen Bewusstlosigkeit und Gewissenlosigkeit?

Zu jenem schuldhaften Nichtwissen kam es zunächst durch falsches Wissen – falsches Wissen, das zum Allgemeingut geworden war. In dem Film „Shoa“ von Claude Lanzmann finden wir folgende Szene: Die Bewohner von Chelmno, einem Dorf in der Nähe von Auschwitz, erzählen in einer Szene, wie die Juden von den Nazis in eine Kirche getrieben und von dort zur Ermordung abtransportiert wurden. Lanzmann fragt die Menschen, die gerade aus einem Gottesdienst in jener Kirche kommen: „Wie konnte ihrer Meinung nach den Juden diese Geschichte passieren?“ Die Leute im Dorf sind sich einig: „Es war der Wille Gottes, das ist alles“. Eine Frau fügt hinzu: „Als Pontius Pilatus sich die Hände gewaschen hat, sagt er: Dieser Mann ist unschuldig, ich will mit dieser Geschichte nichts zu tun haben. Und er hat Barabbas geschickt. Aber die Juden haben gerufen: Sein Blut komme über uns! Das ist das Ende. Jetzt wissen Sie alles“.

Diese Menschen hörten die Schreie der zusammengetriebenen Juden und sie hörten sie nicht. Sie sahen die Gesichter und sie sahen sie nicht. Denn ihr gefährlich falsches Wissen, ihre Weltinterpretation, aus der sie diese Vorgänge gelesen haben, hat ein falsches Wissen produziert. Der seit Jahrhunderten auch von der Kirche gepflegte Antijudaismus und Antisemitismus lag wie Blei auf ihrem Gewissen. Die Gesichter der zur Vernichtung bestimmten Menschen verschwammen vor dieser bösartigen Weltlogik, in der auch das Absurdeste wieder Sinn bekam. „So musste es kommen“, dachten sie – und damit war der Schmerz der Einzelnen nicht mehr wichtig.

Ein Großteil der Deutschen hat die Nazis freudig begrüßt. Denn sie haben doch den Kommunisten, den Schriftstellern und den Juden den Kampf angesagt – also vorwiegend Menschen, denen die meisten distanziert und ablehnend gegenüberstanden. Parolen gegen „Sittenzerfall“ fanden offene Ohren. Solches Gerede können wir ja leider auch heute noch vernehmen.

„Es musste so kommen“, hieß es. Es gibt Weltdeutungen und einen gefährlichen Sinnhunger, der die Vernichtung von Menschen erklärlich machen will. „Die Juden waren doch selbst Schuld am Antisemitismus. Wie die sind, müssen die sich ja nicht wunden“. So lassen wir die Untat zu oder betreiben sie gar selbst. Die Sprache wird tränenfrei gemacht und raubt so das Gewissen. Bei der Durchsicht zehntausender Nazidokumente stößt man nicht einmal auf das Wort „töten“. Es ist vom „Ladegut“ die Rede – gemeint sind Kinder, Frauen und Männer in Todesangst. Es wird von „Stückzahl“ pro Waggon gesprochen und „vom Streben nach der hinteren Tür“, wenn die Dokumente den verzweifelten Versuch der Menschen beschreiben, ins Freie zu kommen. Solche tränenfreie Sprache verbirgt die Gesichter der Opfer. Die Sprache verbirgt die Tat auch vor den Tätern und raubt so das Gewissen.

 

II.

Das war damals so und ist heute nicht anders. Wir reden dann von „Kollateralschaden“, wenn eine große Bombe ein irakisches Krankenhaus trifft und hunderte Menschen tötet. Wir sagen: „Das Embryo ist nur ein Ding“ und reden vom „unwerten Leben“ und rechtfertigen die Tötung von Behinderten am besten schon im Mutterleib.

So leben wir in geschminkten Realitäten, die selbst die Gewissenlosigkeit mit dem Scheinargument der angeblichen Notwendigkeit produzieren. So leben wir in geschminkten Realitäten, in Täuschungen und Verschleierungen; in Verblendung, die nicht nur den einzelnen betrifft, sondern eine ganze Gesellschaft.

In solchen amoralischen Gesellschaften wird dann das Unrecht geläufig, es wird selbstverständlich. Und so wussten die Menschen nichts vom Verbrechen, weil es geläufig, allgegenwärtig und selbstverständlich von vielen getragen war. „Unsichtbar macht sich die Dummheit, indem sie große Ausmaße annimmt“, sagt Bertold Brecht. Die Korruption, die ihre tägliche Selbstverständlichkeit hat, sehen wir nicht mehr. Was lange so war, was täglich geschieht, was alle tun, legitimiert sich dadurch, dass es immer so war und dass alle es tun.

Die Morallosigkeit kommt nie ohne Schleier. Sie tarnt sich in der Sprache, verschleiert sich in Inszenierungen der Unschuld: „Man wird doch wohl noch darüber reden dürfen“.

Wie lange haben wir uns schon daran gewöhnt, Ausländer und besonders Muslime unter Generalverdacht zu stellen? Wer erschrickt noch vor einem Titel der Bild-Zeitung, dass „in Migrantenfamilien Kriminelle gezüchtet werden“? Und meint nicht: „na, da ist doch was dran“? Auch heute trifft der schrille Appell an Strenge und Härte, wie er sich im Ruf nach „mehr Erziehungscamps für Jugendliche“ ausdrückt, auf einen Resonanzboden in unserer Gesellschaft. Das gipfelte in der letzten Zeit in einem Traktat in der Bild-Zeitung von „Deutschlands strengstem Lehrer“. Seine wahrhaft reaktionäre Forderung nach bedingungsloser Anerkennung jedweder Autorität und nach bedingungslosem Gehorsam stieß auf breite Zustimmung.

Da ist es dann nicht mehr weit zu dem Kommentar, den ich die letzte Woche bei einem Geburtstagsbesuch zu hören bekam: „Es gibt bei uns einfach keine Ordnung mehr. Bei Hitler wäre das nicht passiert“.

Es ist kein Zufall, dass die rassistischen Klischees sich in anderer Form weiterbilden. Erst waren es bei uns die Gastarbeiter, dann die Asylanten, die Flüchtlinge und Türken, heute ist es der Islam. Künstliche Erzeugung von Angst als Mittel der Politik war schon immer äußerst Erfolg versprechend. Durch Begriffe wie „hartes Durchgreifen“ und „Warnschuss“ werden Feindbilder erzeugt, die von den Ursachen von Hass und Gewaltbereitschaft ablenken.

Man blickt auf gewalttätige Jugendliche, ruft nach strengeren Gesetzen und Erziehungslagern gegen alle Erkenntnis von Kriminologen, Erziehungsberatern und der Polizei. Wer vermittelt das Wissen, dass gerade in Hessen in den letzten Jahren sämtliche Präventionsmaßnahmen massiv bis fast zur Bedeutungslosigkeit gekürzt worden sind? Familienberatung, Erziehungshilfe, Projekte für Flüchtlinge, Migranten und Arbeitslose hatten besonders jungen Menschen geholfen, nicht auf die schiefe Bahn zu kommen oder sie davon wegzubringen. Doch das alles ist total zusammengekürzt worden. Ausgeblendet bleibt die verfehlte Steuerpolitik, durch die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Ausgeblendet bleibt die wachsende Kinderarmut (mehr als 2 Millionen Kinder in Deutschland gelten als arm). Ausgeblendet bleiben die schlechten Bildungschancen von Kindern aus armen Familien, weil die Schulen nicht so ausgestattet sind, um jedes Kind so zu fördern, dass kein Kind ohne Abschluss bleibt.

Statt Prävention gibt es nun mehr Überwachungskameras und den Ruf nach „härteren Strafen“. Dieses Ablenkungsmanöver und diese Täuschung und Verschleierung der Realität können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Diakonischen Werkes“ nur wundern, erleben sie doch tagtäglich die Auswirkungen solcher zu kurz gedachter Politik.

In dieses Bild passt, dass man sich nicht zu schade ist, auf Wahlkampfveranstaltungen zu erklären: „Wer ‚scheiß Deutscher’ sagt, gehört schnellstens abgeschoben“ (so der CDU – Fraktionsvorsitzende Christian Wagener auf einer Veranstaltung letzte Woche, mit verdeckter Kamera aufgenommen von der ARD-Sendung „Panorama“). Mit solcher Art Weltinterpretation wird ein falsches Wissen produziert, dessen Verkehrtheit man in eigener Verblendung gar nicht mehr erkennt. Wen wundert es da, dass auf derselben Wahlkampfveranstaltung eine ältere Dame äußert: „Bei uns im Wald gibt´ s genug Arbeit für die. Die gehören alle ins Arbeitslager“.

Die Gewöhnung raubt Wissen und Gewissen. Die biblische Tradition nennt das Verblendung oder Verstrickung – das Unrecht denken und tun und nicht wissen, dass es Unrecht ist – in der Korruption gefangen zu sein und sie für natürlich zu halten. So entsteht eine merkwürdige Situation einer Sünde, die fast keine Subjekte hat; einer Schuld, ohne dass sich jemand schuldig fühlt und einer Tat ohne Täter. Ich beschwöre hier keine Tragik, sondern frage nach der Schuld, die darin besteht, kein Gewissen zu haben. Denn man ist nicht nur vor seinem Gewissen verantwortlich. Verantwortlich ist man auch für sein Gewissen.

 

III.

Worin wir heute verstrickt sind, das sehen wir leider immer erst morgen, wenn die Katastrophe uns die Augen geöffnet hat. So plädiere ich für eine doppelte Ausrichtung unseres Lebens in der Gegenwart:

1. Zum einen plädiere ich für die alte christliche Tugend der Skepsis und des Zweifels. Wir leben in geschminkten Gegenwarten, die ununterbrochen dazu auffordern, an ihre einzigartige Schönheit und Notwendigkeit, an ihre Wahrheit und ihre Alternativlosigkeit zu glauben. Die Kirche, wir als Christinnen und Christen haben die Freiheit und die Aufforderung, nichts für heilig zu halten – außer Gott. Nicht den gegenwärtigen Staat, nicht den gegenwärtigen allgemeinen Glauben, nicht einmal sich selbst.

Eine der Grundaufgaben ist es, die Verblendung aufzudecken, den Schleier lüften zu helfen, die Gewissen zu schärfen. Das ist nicht so leicht. Denn die Menschen lassen sich lieber täuschen als dass die zweifeln und sich in misstrauische Distanz bringen.

Jeder Glaube braucht aber seine hinkende Schwester, die Skepsis, die schöne kühle Gefährtin. Sie bewahrt den Glauben und alle Weltanschauungen vor den größten Fehltritten. Sie bringt jede Bedenkenlosigkeit zu Fall. Wir glauben schwerer, aber auch würdiger, wenn wir den eigenen Glauben aus der falschen Trunkenheit und Benommenheit reißen. Die Fähigkeit, sich stören zu lassen, sich in Frage stellen zu lassen, ist dabei eine Voraussetzung, den Willen Gottes zu erkennen.

 

Der Priester und der Levit in der Bibelgeschichte hatten sich nicht stören lassen. Sie sahen den armen Hund, und sie sahen ihn doch nicht. Ihr gefährlich falsches Wissen, ihre Art, die Welt zu sehen, hat sie blind gemacht: „Mich betrifft es ja nicht“, sagen wir. Man muss wissen, was Gott wichtig ist, um richtig zu sehen, um wache Augen zu haben.

 

2. Damit komme ich zum anderen: Ich plädiere für den Mut zu glauben und sich zu Gott zu bekennen. Unsere Skepsis braucht als Gefährten einen lebendigen Glauben. Denn innerlich spüre ich oft, wie es Paulus im 7. Kapitel des Römerbriefes formuliert, meine Zerrissenheit zwischen Einsicht und Tun. „Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute, finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Ich elender Mensch – wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“ (Röm.7,18b.19.24).

Paulus stellt dagegen: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm.7, 25+8,1). Ich selbst für mich allein bin hoffnungslos zerrissen und produziere unentwegt Sünde; habe kein Gewissen oder habe nicht die Kraft, nach meinem Gewissen zu handeln. Doch „in Christus“ gibt es keine Verdammnis. Du bist befreit, Mensch! Das ist Gottes Wirken durch Jesus Christus. Und die Aussichtslosigkeit schlägt in Dank um, das Licht ist stärker als der Schatten der Vergangenheit. Darin erinnern wir uns jeden Sonntag hier im Gottesdienst, dass Gottes Liebe uns größer ist als alle Bedrängnis.

 

Ich brauche vor allem die Skepsis mir selbst gegenüber. Dass ich nicht ständig versuche, mir einzureden: Ich habe die Kraft der Erkenntnis. Ich habe die Kraft zum Guten. Ich habe im Herzen die Fähigkeit des Gewissens – aus mir selbst heraus und in mir selber. Wie gesagt: ich halte das für eine zu optimistische Sicht. Die Selbstbestimmung des Menschen halte ich für eine Täuschung. Wir sitzen ihr gerne auf, aber das macht sie nicht wahrer. Unser Glaube ist hierin eine heilsame Ent- Täuschung und auf diese Weise eine wunderbare Befreiung. Wir müssen uns nicht selber rechtfertigen, nicht selbst darstellen. Wir können es auch nicht wirklich. Gott hat die entscheidende Tat unwiderruflich zu unseren Gunsten gewirkt. Der Zwang, sich selbst in der eigenen Hand zu bergen, führt in die Verzweiflung und in den Kältetod. Das, wovon wir leben, können wir nicht herstellen, nicht die Liebe, nicht die Freundschaft, nicht die Vergebung.

Will ich es doch, macht es mich hart – gegen mich selbst und gegen andere. Macht mich auch stumpf gegen Gottes Willen und seine Gerechtigkeit, seinen liebevollen Blick für die, die keine Stimme und Lobby haben; für die, die ausgegrenzt werden.

In Gott geborgen sein, heißt, die Güte spüren, die auf meinem Leben liegt. Das Staunen über diese Güte Gottes macht uns gütig. Es gibt eine Güte, die nicht hintersinnig ist, die nur eines kann: die Stimme der Gequälten und Unterdrückten hören und mit seinen Augen sehen. Es gibt diese grundlose Güte. Gott hat sie uns mit Beginn seiner Schöpfung erfahren lassen. Vielleicht finden wir diese Güte vor allem in extremen Situationen des Lebens, bei Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer oder bei Maximilian Kolbe, der im KZ anstelle des polnischen Familienvaters in den Tod geht.

 

IV.

Wir Menschen sind von Natur aus wohl nicht gütig. So möchte ich am Schluss die Frage stellen, die 400 Personen gestellt worden ist, die in der Nazi-Zeit unter beträchtlichen Risiken Juden gerettet haben: Wie sind sie erzogen worden und welche Bilder haben in ihnen Mut und Güte geweckt?

Die Ergebnisse lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:

  1. Gewaltfreie Erziehung fördert den aufrechten Gang. Menschen, die anderen in bedrängenden Situationen geholfen haben, hatten überwiegend Eltern, die sie in Konflikten nicht autoritär behandelt haben, sondern partnerschaftlich mit ihnen umgegangen sind.
  2. Ihre liebevolle Erziehung hat Empathie und Mitleid gefördert.
  3. Das Wissen, geliebt zu sein, war die Vertrauensbasis und hat zu einer stabilen Wertorientierung geführt.
  4. Eine Kultur der Anerkennung fördert den Mut zu couragiertem Handeln. Alle diese Lebensretter standen nicht allein. Sie waren eingebunden in eine Gemeinschaft, in der die Anerkennung des Rechts selbstverständlich war und das Gewissen gebildet wurde.

Die Güte eines Menschen hat also eine Herkunft. Es ist die Gewaltfreiheit und die liebevolle Zuwendung, die ein Mensch im eigenen Leben erfahren hat; in einem Lebensraum, in dem Güte und Hochachtung vor jedem Menschenleben selbstverständlich sind. Und es ist die Gewissheit, dass das Leben ein gutes, gütiges Ziel hat.

Diese Güte setzt voraus, dass das Leben nicht eisigen Zufällen entsprungen ist, sondern dass auch sein Ursprung gut, göttlich ist. Der Ausdruck „Das Leben gut finden“ ist genau. Es gehört die Kraft des geduldigen Suchens dazu, das Leben gut zu finden. Wer gelernt hat, das Leben gut zu finden, der wird es auch gut behandeln, der will es bewahren und schützen. Wer lobt, kann nicht töten. Wer staunt, schlägt nicht. So mag ein Mensch mit den Geschwistern Glaube und Skepsis die Voraussetzung zur Güte erwerben.

Andreas Goetze
(eingearbeitet sind Gedanken von Fulbert Steffensky
aus „Schöne Aussichten“, „Wo der Glaube wohnen kann“ und „Der Mut zum Guten
“)

 

 

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