Ps.1 Wachsen wie ein Baum Familiengottesdienst
(Zwei längliche Blumen) Gespräch mit den Kindern:
Waren diese Blumen von Anfang an so groß? - Gewachsen!
Wachsen nur Blumen? - Aufzählen!
Wächst ein Stein?
Ein Fahrrad?
Ein Stuhl? Ein Schuh?
Alles, was lebt, wächst.
Kann man das befehlen: "Los, ihr Blumen, fangt mal an zu wachsen!" ?
Es braucht Pflege! Liebevolle Pflege
Es braucht Wasser, ausreichend Wasser, um wachsen zu können.
Dann kann es auch von sich aus wachsen.
Schaut euch mal die Holzscheibe an, die ihr alle bekommen habt. Laßt sie durch eure Hände gleiten.-- Spürt, wie sich das Holz in euren Händen anfühlt; wie es sich anfaßt. --
Seht euch die Holzscheibe in euren Händen an.
In der Mitte, deutlich zu sehen, da hat das Leben dieses Baumes begonnen. Am Anfang war da nur ein dünner Stengel, der aus einem kleinen Samenkorn wuchs.
Jahr um Jahr legte sich ein Ring um diesen Kern. Am Ring läßt sich ablesen, wie die zurückliegende Zeit gewesen ist. In dürren Monaten und bei schlechtem Boden werden die Jahresringe schmal. Unter guten Bedingungen sind sie kräftig und groß.
Auch anderes hinterläßt seine Spuren. Haben Nachbarbäume unserem Baum Licht und Luft geraubt, dehnt sich der Jahresring nur nach einer Seite hin aus. Ging alles gut, dann sind die Ringe alle voll und rund.
Ganz ähnlich ist es nun auch mit unserem Leben. Es verläuft nicht ohne Einflüsse von außen. Unsere Lebensbedingungen prägen uns - unsere Freunde, Erziehung, Beruf und natürlich auch die Meinung der anderen.
Was von außen auf uns zukommt, kann uns zwar formen und verändern; wachsen lassen kann es uns aber nicht. Das geht nur von innen her. Das hört sich einfach an. Für uns Menschen beginnen aber damit die Probleme.
Wer sich selbst zum Zentrum macht, engt sein Leben ein. Sein Horizont schrumpft auf das eigene kleine Maß zusammen.
Auch Träume können zum Mittelpunkt des Lebens werden. Solche, die man erreichen will und solche, die sich nicht erfüllen. Mit Sehnsucht und Ehrgeiz allein ist uns auch nicht geholfen. Denn das kann uferlos werden. Eben gestillte Wünsche produzieren schon wieder neue. Und so weiter.
Wer dagegen aus dem lebt, was sich nicht verwirklicht hat; wer Versagen und Bitterkeit zum Kern seines Lebens macht, der droht zu erstarren. Verzweiflung lähmt. Unverarbeitete Schuld ebenso.
In diesem Zusammenhang ist es nun interessant, daß sich in mittelalterlichen Kirchen Fenster finden, die wie ein Rad gestaltet sind. Sie sind unseren Holzscheiben nicht unähnlich. In der Mitte, als Nabe sozusagen, stehz oft ein Bild Jesu Christi.
Damit wollte man ausdrücken: Er, Jesus Christus, ist die Mitte der Gemeinde, die sich in diesem Haus versammelt. Man wollte darauf hinweisen, daß wir dort, wo er das Zentrum des Lebens ist, einen festen Bezugspunkt haben. Wir brauchen etwas, von dem wir herkommen, und etwas, auf das wir zugehen.
Jesus Christus hat nicht nur versprochen: "Ich bin bei euch zu aller Zeit". Er hat ebenfalls gesagt: "Mir ist gegeben alle macht im Himmel und auf der Erde." Das heißt: Der Bogen, den er schlägt, ist weit und groß. Er umfaßt unser eigenes Leben und die ganze Welt.
Zum Wachsen ist nun aber nicht nur eine Mitte nötig, um die sich eure Jahre wie Ringe legen. Wenn ein Baum wachsen will; wenn er nicht gleich vom ersten besten Sturm umgeworfen werden soll, muß er tief in der Erde verankert sein. Was meine ich: Was braucht so ein Baum wohl?
Wurzeln! Er braucht starke Wurzeln. Und je weiter er in die Höhe steigt, desto tiefer müssen seine Wurzeln reichen.
Ich stelle mir vor: Einem kleinen Baum ist es eines Tages zu eintönig geworden, ständig am gleichen Platz zu bleiben und Wurzeln zu treiben. Tag für Tag immer dasselbe. So dachte er sich: warum soll ich immer hier stehen bleiben und Wurzeln treiben? Er löste sich von der Erde, in der er stand, und ließ sich vom Wind bald hierhin, bald dorthin treiben.
Zunächst fand er das lustig. Es schien ihm weniger mühsam zu sein, immer an der Oberfläche zu rutschen als seine Wurzeln tief und breit ins Erdreich zu senken.
Als er jedoch eines Tages wieder an seinen alten Platz geriet, entdeckte er, daß ihn die Bäume, die mit ihm aufgewachsen waren, inzwischen weit überragten. Sie waren stark und breit und groß geworden. Ihre Kronen streckten sich der Sonne entgegen.
Im Vergleich dazu war er schmächtig und schwach geblieben.
Während er noch so dastand und nachdachte, kam ein Sturm auf und fegte durch den Wald. Der ergriff ihn und wirbelte ihn über die Felder, daß im Hören und Sehen vergingen.
Als der kleine Baum wieder zu sich kam, fing er an, seine Wurzeln in das Erdreich zu krallen. Er hatte begriffen: Nur wer tief verankert ist, kann in die Höhe wachsen. Und nur, wer sich fest eingewurzelt hat, dessen Äste können weit ausgreifen.
So ähnlich geht es mit der Liebe, mit dem Vertrauen und jeder echten Freundschaft. was das wirklich ist, wird nicht der erfahren, der sich nur mal so eben damit befaßt, sondern der, der sich wirklich darauf einläßt.
Wenn ein Baum seine Wurzeln in die Erde senkt, um daraus Nahrung zu holen; wenn er seine Blätter der Sonne entgegenstreckt, um Licht und Wärme zu erhalten, geschieht etwas mit ihm.
Das wird nicht immer gleich sichtbar. Auch die Jahresringe bekommt man ja normalerweise nicht zu Gesicht. Sie wachsen verborgen hinter der Rinde. Genauso entstehen auch in uns Gedanken und Kräfte, ohne daß wir dies immer wahrnehmen.
Das ist beim Glauben gar nicht anders. Auch hier ist es wichtig, daß wir unserem Glauben die Nahrung gönnen, die er braucht.
Davon redet das Bibelwort, das wir zu Beginn unseres Gottesdienstes gemeinsam gesprochen haben: Der Psalm 1: "Wohl dem Menschen - also: gut ist dran, wer nachdenkt über das, was uns helfen kann: Gott und sein Wort, seine Verheißung und sein Gebot. Der ist wie ein Baum mit tiefen Wurzeln, der Kräfte hat, dem Wetter standzuhalten und Frucht zu tragen, wenn es an der Zeit ist":
Und damit komme ich zu der Frage, was es eigentlich heißt: "Wachsen im Glauben". Das NT gibt eine interessante und richtungsweisende Antwort: Die meisten Stellen, die dort vom Wachstum reden, sprechen nicht von einem "Ansteigen der Frömmigkeit". Sie reden von einem Wachsen in der Liebe. Das wichtigste Wachstum des Christen ist nach dem NT seine Zunahme an Liebe; an Offenheit für andere; an Bereitschaft, sie zu verstehen und ihnen zu helfen.
Wenn das in Glaubensstreitigkeiten begriffen würde. Das entscheidende Kriterium ist nicht das Steigern der Korrektheit, sondern die Liebe.
Erst danach redet die Bibel vom Wachsen in der Erkenntnis. Auch das ist wichtig, denn es kommt vor, daß einer älter geworden ist, aber sein Glauben ist nicht mitgewachsen. Darum trägt er immer noch Kindergrößen. Darum ist er aber auch oft so unsicher und so schwach.
Wer sich jedoch den Zeugnissen des Glaubens aussetzt; wer versucht, seinen Glauben und die Erfahrung, das Leben zusammenzubringen, der kann entdecken, wie tief die Botschaft der Bibel ist. Es ist eine beglückende Erfahrung, wenn ich mich geborgen und aufgehoben weiß, wenn ich auf festem Grund stehe und gelassen und getrost mein Leben leben kann.
Damit bin ich wieder beim Anfang: beim Bild vom Baum und von der Mitte.
Ich wünsche uns, daß unser Leben eine tragende Mitte besitzt, aus der wir wachsen können.
Ich wünsche unserem Glauben Nahrung und unserem Vertrauen Festigkeit und Kraft.
Ich wünsche unserem Glauben, daß er tief wurzelt in Jesus Christus, der uns liebt und uns in die Gemeinschaft mit Gott und Menschen stellt.
Die kleine Holzscheibe, die ihr alle in euren Händen haltet, möchte euch an diese Mitte des Lebens erinnern. Es läßt sich darauf gut ein Teelicht stellen - zum Zeichen, daß Jesus, das Licht der Welt, unser Leben immer wieder hell und froh machen möchte. Hier im Urlaub, aber auch im alltäglichen Leben. So mögen wir wachsen in der Liebe zueinander, zu Gott und zu uns selbst.
Damit wir, was immer geschieht, standhalten können - nicht ängstlich und verbissen, sondern offen für die Menschen, die uns brauchen, und für die Einsichten, die Gott uns schenken will.
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