Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
• impressum
• kontakt
• vertraulich
 
• wir über uns
• gottesdienste
• predigten
• kindertagesstätte
• kinder und jugend
• konfirmanden
• musik
• gruppen und kreise
• gemeindeaufbauverein
• stiftung weitblick
• rat und hilfe
• partnerschaften
• theologie und mehr
hintergründe nah-ost
• wegbeschreibung
• gästebuch
• links
• archiv
 
hintergründe nah-ost
 

Talitha Kumi Anfang Dezember 2006

 

Liebe Freunde und Förderer von Talitha Kumi,

 

während sich der Herbst auch hier langsam dem Ende entgegen neigt und der erste Regen fällt, wandern die Gedanken erstmals in die Weihnachtszeit.

 

Wir sind sehr dankbar, dass unsere Schule soweit ruhig läuft und dass wir trotz aller widrigen Umstände relativ kontinuierlich, von 2 Streiktagen abgesehen, unterrichten konnten.

 

Unsere Schüler haben im letzten Abitur erneut hart gearbeitet und gut abgeschnitten. Wir haben mit Stolz und Würde die fünfzigste „Graduation Ceremony“ gefeiert und dabei auch jene Menschen besonders gewürdigt, die diese Schule getragen haben und immer noch tragen, die Kaiserswerther Diakonissen und das Berliner Missionswerk. Es ist immer wieder sehr beeindruckend, die Vision der Diakonissen anzuschauen, die diese Frauen im 19. Jahrhundert entwickelt und umgesetzt haben. Wir haben dabei aber auch jener Menschen gedacht, die durch ihre Begleitung und finanzielle Unterstützung bis zum heutigen Tag die Schule Talitha Kumi ermöglichen.

 

Letztes Jahr an Weihnachten haben wir ein wenig optimistisch nach vorne geschaut und uns von den Wahlen viel erhofft. Unser Gästehaus schien für das Jahr 2006 eine gute Auslastung zu bekommen, was den finanziellen Druck etwas reduzieren sollte. Leider haben der Libanonkrieg und die politische Entwicklung in der Westbank diese Aussichten zunichte gemacht.

 

Nach der Wahl und besonders jetzt nach dem Libanonkrieg erfasst viele Menschen die Angst vor dem, was kommen wird. Die staatlichen Angestellten bekommen immer noch keine Gehälter, Israel hält die an die Autonomiebhörde zu zahlenden Steuern zurück und die israelischen Banken erschweren den Transfer von Geldern in die Westbank.

 

Die Lage der Palästinenser hat sich leider in den letzten Monaten nicht verbessert. Die innerpalästinensischen Probleme sind im Gegenteil noch unübersichtlicher geworden und der Weg zu einem fairen Miteinander von Palästinensern und Israelis in noch weitere Ferne gerückt.

Die Arbeitslosigkeit steigt, ebenso der Anteil der Bevölkerung, der unter die Armutsgrenze gerutscht ist. Immer mehr Eltern, die bisher noch in der Lage waren, das Schulgeld zu bezahlen, müssen um den Aufschub ihrer finanziellen Verpflichtungen unserer Schule gegenüber bitten.

 

Nach zwei unerfreulichen Interventionen des israelischen Militärs auf unserem Gelände ist ein kleines Wunder geschehen. Völlig unerwartet haben wir nach nahezu 10 Jahren erstmals wieder ein Permit bekommen, die von den alten Kaiserswerthern Diakonissen gepflanzten Olivenbäume am Ölberg in Jerusalem zu ernten. In all den Jahren galt dies als zu gefährlich, die Sicherheitslage erlaube es nicht. Diesmal also ließ es die Lage zu, das Wetter spielte mit , und so konnten wir, d.h. ganz Talitha, in einer wunderbaren Gemeinschaftsaktion Oliven ernten: Bei herrlichem, warmem Herbstlicht, mit Blick auf die judäische Wüste und die jordanischen Berge, über den Dächern und Toren Jerusalems. Allein das Ambiente war unwahrscheinlich schön, die Oliven waren reif und saftig, und so sammelten sich alle um die alten Bäume: Die Schüler und Internatskinder kletterten in die Bäume und pflückten oben, die Gartenarbeiter Talithas nahmen Leitern, dazu wurden die Bäume geschüttelt, die Früchte fielen auf vorher ausgelegte Tücher unter den Baum , wo sie von Internatskindern, Küchen- und Reinigungspersonal und allen Hilfswilligen aufgelesen und von Blättern befreit wurden. Ein buntes, aktives Treiben voller Leben! Und: Alle waren dabei: Wachpersonal, Lehrer, Schüler, Internatsmädchen, deren Erzieherinnen, die Volontäre und das gesamte sonstige Personal Talithas. Zum Teil sind sie seit zehn Jahren nicht mehr in Jerusalem gewesen, weil sie keine Permits bekommen haben. Es wurde gesungen, gelacht, geredet- die Olivenernte ist wie ein Fest, der Ölbaum das uralte Symbol für Fruchtbarkeit in diesem Land.

Es war so unendlich erquickend, unsere Schüler, im besonderen auch unsere Internatsmädchen zusammen mit den Lehrern und unseren Arbeitern so froh gemut zu sehen. Diese Ernte erbrachte uns über 2,5 Tonnen Oliven, was uns ein zusätzliches Einkommen für unser Internat beschert.

 

 

Ebenso erfreulich ist auch die Entwicklung im Bereich der Instrumentalmusik. Durch die von deutschen Eltern gespendeten Geigen, die ihren langen Weg über Deutschland zu uns gefunden haben, spielen über 35 Kinder Geigen, einige Fagott, einige Oboe und Tabla. Wir haben Lehrer von der Barenboimstiftung, vom Konservatorium in Jerusalem und auch private Lehrer, die wir nur teilweise bezahlen müssen. Es ist für mich eine besondere Freude, wenn einige Schüler morgens mit ihrem Geigenkasten zur Schule kommen, um im Anschluss an den Unterricht noch ihren Instrumentalunterricht zu nehmen. Gerade in der jetzigen Situation, in der sich die Mauer um uns schließt, wird diese musikalische Dimension immer wichtiger.

Unsere Internatsmädchen haben sich in den letzten Wochen zusammen mit unseren Volontären auf den Weihnachtsbasar, der immer am Samstag vor dem ersten Advent in der Erlösergemeinde stattfindet, vorbereitet und mit großem Engagement gebacken und gestickt. Wir waren nach der Olivenernte so optimistisch, dass wir dieses Jahr mit dem ganzen Internat hinfahren könnten. Allein die Permits wurden uns verweigert, so dass wir erneut ohne Erzieherinnen und mit nur einigen wenigen Mädchen nach Jerusalem fahren durften. Doch diese 4 Mädchen haben zusammen mit den Volontären immerhin für 2000 Schekel ihre Sachen verkaufen können. Welch eine Freude!

 

Und nun laufen wieder die Vorbereitungen für einen Auftritt auf dem evanglischen Kirchentag im Juni 2007 in Köln auf Hochtouren. Wir werden dort erneut mit einem von unserer Musiklehrerin selbst geschriebenen Musical und mit einer Dabkehgruppe auftreten.

 

Mich begeistern immer wieder meine Schüler, meine Eltern und Kollegen, die trotz sehr vieler täglicher Entwürdigungen zu neuen Hoffnungen bereit sind, sich motivieren lassen und in ihren Anstrengungen für eine bessere Zukunft unserer Schüler nicht nachlassen.

 

Sie, liebe Freunde und Förderer unserer Schule, sind uns in diesem Sinne ein Vorbild, deshalb möchte ich Ihnen für Ihre Begleitung und Unterstützung ganz herzlich im Namen unserer ganzen Schulgemeinde danken und Sie gleichzeitig auch um Ihren Beistand im nächsten Jahr bitten.

 

Wir wünschen Ihnen und uns allen, dass uns das Friedenslicht aus Bethlehem auch im Herzen und in den Köpfen erreichen möge, dass es unser Denken und Fühlen beeinflusst und dass wir eine Zukunft haben.

 

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten, Gottes Segen und ein gesundes Wiedersehen im Jahr 2007, Ihr

 

Dr. Georg Dürr

Schulleiter Talitha Kumi

 

 

  Wochenplan aktuell
  Veranstaltungshinweise
  Jahresplan 2012
  Bibelleseplan
  Spiritualität im Alltag
  Angebote der Gemeinde
  Jugendleiterstelle
  gefährdet
  israel/palästina
  taufe, kircheneintritt
  hochzeit, beerdigung
  Das Gemeindejournal
   Die aktuelle Ausgabe
  75 Ausgaben
  „Gemeindejournal“
  rückmeldungen
  Konten der Gemeinde
  Ökumene vor Ort