„Arbeit statt Almosen“

Pastor Friedrich von Bodelschwingh (Mitte) mit seinem Sohn Wilhelm (3. v. r.) bei einer Vorstandssitzung der Betheler Diakonissenanstalt Sarepta - 1905
100. Todestag von Friedrich von Bodelschwingh (1831 - 1910)
Unzählige Straßen, Kirchengemeinden und Schulen in Deutschland sind nach ihm benannt. Bekannter als die Person Friedrich von Bodelschwingh ist jedoch sein Lebenswerk: Die Diakonie-Einrichtung „Bethel", gergündet 1867. Bodelschwingh sollte Beamter werden, doch er wurde Pastor: Und zwar einer, der sich mit ganzer Kraft für die Kranken und Benachteiligten einsetzte. In Berlin erlebte er Hunger, Blöße und Elend der Armen“. 1848 gingen in Berlin die Menschen auf die Straße, es wurde geschossen, es gab Tote.

Hügelkirche in Paris. Zwischen 1859 und 1863 war Pastor Friedrich von Bodelschwingh dort als Pfarrer tätig. Zeichnung 1864.
Gründung von „Bethel“
Bodelschwingh trieb die Entwicklung der „Anstalt für Epileptische" in Bethel seit 1867 mit enormer Kraft voran. Jedes Jahr wurden neue Häuser gebaut, immer mehr kranke und hilfsbedürftige Menschen konnten aufgenommen werden in „Bethel“, hebräisch für „Haus Gottes“. Das schnelle Wachstum der Anstalt kostete viel Geld. Aber der neue Vorsteher erwies sich als talentierter Spendensammler.
Wo Bodelschwingh Not sah, wollte er helfen. So beschäftigten ihn auch die Armut und Massenarbeitslosigkeit. Er gründete Arbeiterkolonien - Wilhelmsdorf bei Bielefeld, Freistatt bei Diepholz und Lobetal bei Berlin. Sein Motto lautete: „Arbeit statt Almosen". 1903 ging er in die Politik und engagierte sich als Abgeordneter im preußischen Landtag für die Lage der Wanderarbeiter.

Hochzeitsbild mit seiner Frau Ida
Er konnte nicht wegschauen
„Das Geheimnis Bodelschwinghs war, dass er nicht wegschauen konnte. Buchstäblich bis in seine letzten Lebenstage hinein hat er sich von der Begegnung mit menschlichem Elend existenziell berühren lassen", schreibt der Historiker Hans-Walter Schmuhl in seiner Bodelschwingh-Biografie.
