Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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Talitha Kumi - "Mädchen steh' auf"

Seit 1850 existiert das Schulzentrum Talitha Kumi auf einem Hügel bei Beit Jala in der Westbank. An dieser Schule angeschlossen ist ein Mädcheninternat, ein Kindergarten sowie eine Fachhochschule. Träger der Schule ist das Berliner Missionswerk.

Mit dem Direktor von Talitha Kumi, Georg Dürr, sprach die Journalistin Diana Hodali von der Deutschen Welle über seine Arbeit und den Alltag in Palästina angesichts der israelischen Okkupation.

DW-WORLD.DE: Herr Dürr, wieso haben Sie sich dazu entschlossen, eine Schule im Westjordanland zu leiten?

Georg Dürr: Ich habe die Erfahrung machen können, dass ich in solchen Spannungsfeldern ganz gut arbeiten kann. Ich habe in Deutschland acht Jahre eine Schule geleitet und vor dieser Zeit war ich 13 Jahre in Afrika, davon habe ich zehn Jahre lang Schulen in Windhuk und in Pretoria geleitet. Da kommt es dann auf die eigene Handschrift an, die Leute zu begleiten und auch in solchen kritischen Situationen Visionen für die Zukunft zu eröffnen.

DW-WORLD.DE: Wie war denn Ihr Eindruck als Sie in den palästinensischen Gebieten angekommen sind und die Mauer, die seit 2003 gebaut wird, gesehen haben?

Georg Dürr: Ich war eigentlich ganz optimistisch gestimmt und hatte die Hoffnung, dass die Mauer hier um Bethlehem nicht gebaut wird, damit das Land allmählich zu Ruhe kommt. Ich hoffte, dass tragbare Kompromisse den Weg für Frieden und Gerechtigkeit ebnen würden. Im Augenblick allerdings, nachdem, was ich jetzt zwei Jahre lang erlebt habe, sehe ich, wie Israel die Mauer eben doch hier baut.

DW-WORLD.DE:Talitha Kumi liegt zudem ja auch in einer geograhisch-politisch schwierigen Lage…

Georg Dürr: Talitha Kumi liegt vier Kilometer westlich von Bethlehem und zehn Kilometer südlich von Jerusalem. Die Westbank ist in die A-, B- und C-Zone eingeteilt. Die A-Zone unterliegt der Palästinensischen Autonomiebehörde, wohingegen die C-Zone die von Israel kontrollierte Zone ist. Die Grenze von A und C geht mitten durch das Talitha Kumi Grundstück. Das hat zwar den Vorteil, dass sich hier Israelis und Palästinenser als Menschen begegnen können, aber während der zweiten Intifada musste mein Vorgänger einen zweiten Eingang in der A-Zone bauen lassen, da der Haupteingang im C-Gebiet liegt und er wegen der Checkpoints nicht zugänglich war für die Schüler und Lehrer aus der Westbank

DW-WORLD.DE:Welche Erfahrungen haben die Schüler denn während der zweiten Intifada machen müssen? Wie hat diese sich auf den Unterricht ausgewirkt?

Georg Dürr: Ein großes Problem lag darin, dass mit der Ausgangssperre die häusliche Gewalt zugenommen hat. Das muss erst alles abgearbeitet werden. Nicht selten haben die Schüler auch gesehen, wie ihre Väter von israelischen Soldaten verprügelt wurden. Leider fehlt uns aber das Geld für psychologische Unterstützung. Talitha Kumi wird vom Berliner Missionswerk getragen. Ein Schuljahr kostet etwa 1500 US-Dollar pro Schüler. Ein Drittel davon zahlen die Eltern, 500 US-Dollar zahlt das Berliner Missionswerk und der Rest wird durch unser Gästehaus, durch Tagungen, aber auch durch Spenden erwirtschaftet. Im Augenblick ist die wirtschaftliche Situation sehr schwierig und die Eltern haben große Probleme, das Geld aufzubringen. Es musste zwar noch niemand aus finanziellen Gründen die Schule verlassen, aber ich weiß auch nicht, wie lange wir das noch halten können.

DW-WORLD.DE:Noch ist die Mauer nicht fertig gestellt und die Zufahrt zur Schule für Schüler und Lehrer jenseits der Mauer ist möglich. Dies ändert sich aber bald, denn die Arbeiten an der Mauer sollen bis 2006 beendet sein.

Georg Dürr:Etwa zehn Prozent unserer Schüler werden von jenseits der Mauer kommen - müssen also einen Weg bekommen, um zur Schule zu gelangen. 90 Prozent der Schüler kommen aus dem A-Gebiet der Westbank. Die Israelis haben immer wieder zu verstehen gegeben, dass ihnen die Erziehung und unsere Friedensarbeit sehr wichtig ist und sie diese unterstützen wollen. In diesem Zusammenhang haben sie auch zugesagt, dass unsere Kinder und auch die Lehrer, die aus Jerusalem kommen, ungehindert zur Schule kommen können. Die Aussichten, die da entworfen wurden, gingen sogar so weit, dass sie unkontrolliert zur Schule kommen - wenn der Zugang dann tatsächlich verwirklicht wird.

DW-WORLD.DE: Wird Talitha Kumi dann in Zukunft der A-Zone zugewiesen?

Georg Dürr: Also, ich habe diese Frage auch gestellt, ob Talitha Kumi nach Fertigstellung der Mauer der A-Zone zugeteilt wird. Dem wurde von israelischer Seite widersprochen. Die Mauer sei ein Sicherheitszaun und berühre die Frage von A- und C-Gebiet nicht. Das war auch eine Bedingung von mir bei den Israelis. Die Gäste, die uns besuchen kommen wollen, sollen nach wie vor ungehindert zu uns kommen können. Dies wurde mir zugesagt.

DW-WORLD.DE: Können Sie nach den zwei Jahren schon eine Bilanz ziehen?

Georg Dürr: Das ist nach so kurzer Zeit nicht ganz leicht. Sicherlich müssen wir heute noch an den Nachwirkungen von der zweiten Intifada arbeiten. Wir müssen versuchen, die Schüler zu motivieren, denn teilweise hatten die Schüler vier Schuljahre lang weniger als 120 Tage Unterricht pro Schuljahr. Das lag zum Teil daran, dass aufgrund der Ausgangssperre ein regelmäßiger Schulbesuch nicht möglich war. Im Augenblick läuft der Schulbetrieb kontinuierlich, aber die Erfahrungen, die während der zweiten Intifada gemacht wurden, haben viele Schüler noch nicht verarbeitet.

DW-WORLD.DE: Glauben Sie, dass ein friedliches Miteinander in Zukunft möglich ist?

Georg Dürr: Wir Deutsche haben mit Israel eine sehr schwierige Geschichte aus der wir aber auch lernen müssen. Und dass man heute, nachdem was im Zweiten Weltkrieg passierte, mit uns redet, macht mir eigentlich Hoffnung, dass wir auch in Palästina in eine solche Situation hineinkommen.

Weitere Informationen über Talitha Kumi erhalten Sie hier.


Quelle: Deutsche Welle; 12. Juni 2006

 

 

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