Studien- und Begegnungsreise
der Evangelischen Emmausgemeinde Jügesheim
1. Tag - Samstag, 3. Juli
Am 3.7.2010 starteten wir nach einem zum Teil tränenreichen Abschied mit 35 Personen superpünktlich um 7.15 Uhr am Gemeindehaus unsere Entdeckungsreise nach Israel und Palästina.
Am Frankfurter Flughafen machten wir zunächst eine abwicklungstechnisch bedingte Flughafen-Besichtigung – und begrüßten die direkt angereisten zwei letzten Reiseteilnehmer. Diese hatten ebenfalls eine kleine „Rundreise“ hinter sich, da auf Grund eines „einsamen Rucksackes“ und der darauf erfolgten Absperrung ein direkter Zugang zum Rest der Gruppe nicht möglich war.
Schließlich waren wir alle glücklich an Bord der Lufthansa Maschine Boing 747-400 Berlin und starteten um 10.30 Uhr via Israel, Tel Aviv, Ben-Gurion-Airport.
Um 15.00 Uhr Ortszeit landeten wir in Tel Aviv und nach Abwicklung aller Formalitäten wurden wir dort von Monika Hasboun und unserem Busfahrer begrüßt.
Bevor es nun weiterging haben wir zunächst unsere ersten NIS (Neue Israelische Schekel) bei Frau Hasboun getauscht. Dann ging es endlich los – wir fuhren zu unserem ersten Ziel, der Stadt Netanya, die direkt am Mittelmeer liegt.
Um ca. 17.00 Uhr erreichten wir das Hotel und hatten glücklicherweise! nur die ersten 10 Minuten des WM-Spiels Deutschland: Argentinien verpasst – und das erste Tor für Deutschland durch Thomas Müller nach 158 Sekunden! In einem fantastischen Spiel siegte Deutschland mit 4:0. Wir wurden mit einem kühlen Begrüßungstrunk erwartet und während die meisten Männer Fußball (mit Deutschland Shirts und Fahne) schauten bezogen die Frauen die Zimmer.
Da wegen des Sabbat-Endes das Abendessen erst um 20.00 Uhr serviert wurde blieb nach dem Fußballspiel noch genügend Zeit ans Meer zu gehen und zumindest die Füße ins Wasser zu halten.
Nach dem Abendessen gingen viele in die Innenstadt, wo ein kleines Volksfest stattfand und die Leute das Sabbat-Ende feierten. Während bei uns um 22.00 Uhr die Tische und Stühle in den Biergärten hereingeholt werden, wurden sie hier herausgestellt und das Leben auf der Straße fing erst richtig an!
Bei unserer Rückkehr ins Hotel lief bereits das nächste WM-Spiel (Paraguay – Spanien 0:1) und so teilte sich die Gruppe der Heimkehrer – einige schauten Fußball, einige setzten sich noch zu einem kleinen Plausch zusammen und andere zogen sich in ihre Zimmer zurück um sich schon mal eine „Mütze Schlaf“ zu gönnen.
So endete der erste Tag unserer Reise und alle waren gespannt auf das, was uns noch in den nächsten 14 Tagen erwarten würde.
Gisela und Manfred Ballüer
2. Tag - Sonntag, 4. Juli 2010
Nach der ersten angenehmen Nacht in Netanya soll uns der Wecker um 6:30 h wecken – aber das klappt natürlich nur, wenn auch er (wie die Armbanduhren) auf israelische Zeit umgestellt ist! (+1 Std.).
Trotzdem erscheinen wir pünktlich zu einem leckeren, üppigen Frühstück, bei dem die Rühreier auffällig blass aussehen, weil die Eidotter fast keine Farbe haben (komisch - bei der Sonne!?).
Gestärkt fahren wir im Bus weiter nördlich die Küstenstraße entlang in Richtung Cäsarea, einer sehr geschichtsträchtigen Stadt, weiter nördlich die Küstenstraße entlang. Hier ist in der Geschichte der Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina.
Pfarrer Goetze stimmt uns mit einem Losungswort aus dem 2. Korinther-Brief auf den Tag ein:
„Wir sind bedrängt, aber wir sind nicht bange“.
Er erklärt den Sinn des Sabbat, der daran erinnert, dass der Mensch nicht nur über das, was er tut, also seine Leistung, definiert werden soll, sondern darüber, das er ist. Das bedeutet „Freiheit“ und soll am Sabbat gefeiert werden und die Arbeitswoche über in Erinnerung bleiben. Wir müssen nichts leisten, wir können einfach nur sein!
Als wir durch eine Dünenlandschaft am Meer entlang fahren und den Alexanderfluss überqueren, erzählt Hr. Goetze, dass hier die Galapagos-Schildkröten ihre Eier ablegen. Zweifel regt sich bei der Überlegung ihres Weges zu den Inseln: Schwimmen sie durch den Suezkanal oder um Afrika herum durch den Indischen Ozean? Oder lieber durch den Panamakanal? Oder durch die Maghellanstraße um Feuerland herum? Die Antwort bleibt offen. Tatsächlich handelt es sich um eine Schildkrötenart mit weichem Panzer, die Soft-shelled Turtles, die bis 60 cm lang werden.
Im Ausgrabungsgebiet von Cäsarea sehen wir einen kurzen Film über die Gründung der Stadt durch Herodes, der einen Hafen anlegte, einen Leuchtturm erbaute und Handel, Kunst und Wissenschaft entwickelte. Pontius Pilatus war hier Stadthalter.
In byzantinischer Zeit entsteht eine große Umfassungsmauer und der Handel blüht. Erstmals wird in Cäsarea das Christentum eingeführt (2. Jahrhundert?) und zur Staatsreligion erklärt. Eine 8-eckige Kirche entsteht. Es werden die Gottesdienste am Sonntag neu eingeführt. Im 4. Jahrhundert wurde hier Kirchengeschichte geschrieben, die bis heute Gültigkeit hat!
Oft zerstören Erdbeben die Stadt oder Kriege wie im 7. Jahrhundert gegen die siegreichen Muslime und im 12. Jahrhundert durch die Kreuzritter.
Später erbauten die Kreuzritter einen neuen Hafen. Die muslimischen Heere unter Sultan Baibas zerstören Cäsarea endgültig.
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kauft ein Baron Rothschild den ganzen Landstrich um Cäsarea auf, legt Gärten, Felder und Fischteiche an und entwickelt das Land durch Industrie und durch Erholungsangebote für Touristen. Die Spuren der alten Zeit zeigen die Ausgrabungen.
Wir erklimmen die Stufen des restaurierten und zu Konzerten genutzten Theaters, laufen durch die ehemaligen Badehäuser des Herodes und entlang des Hippodroms, der antiken Pferderennbahn. Eine moderne Drahtplastik stellt einen römischen Streitwagen mit Pferden dar. Einige der Gruppe waten durchs angrenzende Meer. In einem Torturm aus Kreuzfahrerzeiten hören wir, dass die Eingänge zu Burgen meist um die Ecke gebaut wurden, während Heide, Alicia und Tobias ihre Aufmerksamkeit einer Katze zuwenden, um ihr aus einem Becher das Wassertrinken zu lernen.
Ein Fotostopp an einem römischen Viadukt, das einst die Stadt Cäsarea mit Trinkwasser versorgte, folgt und gibt einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den Küstenstreifen frei.
Die fruchtbare Ebene bis Haifa führt vorbei an Feldern, Gärtnereien, Fischteichen, Plantagen (Rothschild-initiiert) und der einzigen mautpflichtigen Autobahn Israels.
In Haifa halten wir oberhalb des Baha’i-Tempels mit den blühenden Terrassengärten an und schauen über die Stadt und den großen, neuen Hafen. Der Tempel birgt den Schrein des Ordensgründers Bab Mirsa, der mit muslimischem Hintergrund eine neue rationale Ethik entwickelte, die aus allen Religionen gute und anerkannte Elemente und Weisheiten zusammenführt. Bab Mirsa selbst wird als Prophet verehrt und ist damit aus der muslimischen Gemeinschaft ausgeschlossen, da es nach Mohammed keinen Propheten mehr geben kann („Mohammed hat schon alles gesagt“!).
Die Anhänger der Baha’i-Sekte sind weit verbreitet (8 Mill. Anhänger) und sehr gebildet (Abi ist Pflicht), und alle machen 2 Jahre Sozialarbeit in Projekten, z.B. auch im „Peaples Theater“ an der Wilhelm-Busch-Schule in Jügesheim.
In einem Drusendorf ist Mittagsrast bei Falaffel und Salat-Buffet. Dann geht es weiter nach Mucharqa auf dem Berg Karmel. Der Berg, in der Bibel der „Weinberg Gottes“ genannt, war einst bewaldet. Baron Rothschild legte hier Weinberge an, da Juden nur Wein trinken dürfen, der von Juden produziert wird. Hier steht die Kapelle zu Ehren des Propheten Elias, der für die Juden höchste Bedeutung hat. Eine Statue Elias mit erhobenem Schwert zeigt ihn als Kämpfer gegen den Baalskult, der auf dem Karmel zu Hause war (Baal = der Besitzer).
Zu Ehren von Astarte, der Fruchtbarkeitsgöttin und Partnerin Baals, wurden oft Orgien gefeiert. Die naturhafte Überhöhung von Fruchtbarkeit, Triebhaftigkeit und Sinnlichkeit bis zum Exzess widersprach der jüdischen Moral total. Deshalb kämpfte Elias mit Wort und Schwert dagegen. Er gilt als Vorbote des Messias.
In der Kapelle des Elias (r. k.) halten wir eine kleine Andacht mit Frau Goetze. Wir hören über das Leben des Elias, seinen Kampf gegen die Baas-Priester und seine Flucht, wo ihm im Moment höchster Erschöpfung und Verzweiflung zweimal ein Engel und dann Gott selbst erscheint und ihm neue Kraft (Wasser und Brot) und einen neuen Auftrag gibt. Er soll sich nicht zurückziehen, sondern sich dem Leben stellen.
In Meggido stand auf einem Hügel die Burg Salomons. Der Hügel war immer wieder überbaut worden. Man fand Funde aus der Steinzeit und vielen anderen Epochen. Zwanzig mal wurde der Hügel geschleift, Beeindruckend war das archäologische Modell des Hügels, in dem die verschiedenen „Schichten“ hochgefahren werden konnten, um die darunter liegende Bebauung zu zeigen. Im Gelände gab es mehrere Brunnen und Zisternen. Ein großes rundes Loch mit einem spiraligen Aufgang am Rand diente als Kornspeicher. An anderer Stelle führte ein 35 m tiefer Schacht mit einem Tunnel zu einer unterirdischen Quelle, die schon außerhalb der Umfassungsmauer lag.
Meggido hatte viele Vorteile:
- Es überblickte strategisch die ganze Ebene und die Handelswege. So konnten Steuern kassiert werden.
- Es lag inmitten einer sehr großen, sehr fruchtbaren Ebene. So war die Versorgung gesichert.
- Als Verkehrsknotenpunkt wurde sehr viel Wissen und Waren aus allen Ländern hier zusammengeführt.
Wer Meggido beherrschte, hatte Einfluss bis nach Assyrien, Ägypten, Persien, und Mesopotamien. Es gab aber auch viele Neider, die die Stadt angriffen und eroberten. Nur zurzeit von König David gab es längere Zeit Frieden.
Wir übernachten im wunderschönen, gepflegten Gästehaus in Nes Ammim. Ein junger deutscher Student (Raphael) führt uns durch die Anlage und erläutert das Leben hier als Volonteer. Es gibt Einsatzmöglichkeiten für alle Generationen in den verschiedensten Aufgabenbereichen: Gärtnerei, Küche (auch „koschere Küche“), Gästehaus, Fortbildungen und Schulungen für Volunteers usw. Die gute Küche bleibt uns ebenfalls in bester Erinnerung.
Heidede Schröder und Heide Klabers
3. Tag - Montag, 5. Juli
Losung für den Tag: „Ich will Euch mehr Gutes tun als je zuvor“
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Gästehaus starten wir unseren Rundgang mit ausführlicher Erläuterung von Nes Ammim.
Volontär Raffael (Volontär für 1 Jahr anstelle von Zivildienst in Deutschland) begrüßt uns auf dem Rasen vor dem Gästehaus und erläutert uns Hintergründe.
Nes = Wunder/Flagge Ammim = Volk
Vision von Nes Ammim:
Dialog statt Mission ist einer der Leitgedanken des christlichen Dorfes.
Dies musste 1963 schriftlich in der Knesset hinterlegt werden um überhaupt die Gründung und Existenz des Dorfes zu ermöglichen.
Raffael berichtet von der Ausrichtung der Küche, die allen drei Religionen Muslimen, Juden und Christen gerecht wird. Somit sind Sabbat Feiern wie auch Hochzeiten etc. im Gästehaus möglich und werden gerne durchgeführt. Koscheres Essen ist garantiert und von den Behörden zertifiziert. Ein dazugehöriges Schwimmbad macht die Anlage um einiges attraktiver.
1963 wurde Nes Ammim von einem Schweizer Ehepaar gegründet, welche in einem geschenkten und ausrangierten Bus ohne fließendes Wasser und Strom auskommen mussten.
Sie starteten mit Rosen- und Fischzucht und stellten bis heute auf reines Gästehaus um, da die Anfangsaktivitäten nicht mehr ertragreich genug waren.
Heute sind > 35 Volontäre im Alter zwischen 19 – bis zu 47 Jahren im Einsatz und betreiben das Gästehaus. Der jüdische Dialog steht im Mittelpunkt und finanziell wird das Dorf aus Holland und Deutschland unterstützt. Die Volontäre erhalten während ihrer Zeit die Möglichkeit zu hebräischen Sprachkursen und Exkursionen mit dem festen Auftrag= „Nicht Missionieren“.
Das Dorf verfügt unter anderem über fünf Bunker wegen der Nähe zu Libanon. Dies ist eine israelische Bauvorschrift und in Verbindung mit einer ausgeklügelten regionalen Alarmierung überlebenswichtig.
Um 10:30 Uhr bringt uns der Bus zum Kindermuseum „Yad va Leled“, welches 1949 gegründet wurde.
In einer sehr anschaulichen Führung wird uns das Ziel und der Zweck des Museums erläutert. Der Warschauer Aufstand der Juden wird auf sehr kindergerechte Art dargestellt und aufgearbeitet. Kinder werden mit der Vergangenheit konfrontiert und gemeinsam mit den Betreuern werden die Eindrücke vertieft.
Die Darstellungen und Exponate sind zum Teil sehr drastisch um dem Tod von sechs Millionen Juden während der Shoa gerecht zu werden.
Das Museum ist sehr auf Kontakte ausgerichtet und bietet Führungen für deutsche Gruppen, israelische und deutsche Treffen, Kurse mit Lehrern aus Deutschland und Israel, etc. an. Aktuell wird das Thema Holocaust in 26 Ländern behandelt.
Wir als Deutsche sind herzlich zum Dialog willkommen und 40 Partnerstädte in Deutschland und noch mehr Schulen sind eine gute Basis.
Nach unserem Museumsbesuch führt unser Weg zu dem arabischen Nachbardorf von Nes Ammim nach Masra´a.
Yusef, Einwohner von Masra´a und Freund von Andreas, begrüßt uns in Begleitung seiner ca. 8 jährigen Tochter am Ortseingang in sengender Hitze.
Gemeinsam schlendern wir durch das ca. 3.500 Einwohner zählende arabischen Dorf, welches ca. 4´ Jahre alt und früher Alexanderron hieß.
In dieses Dorf zogen seit 1948 viele Palästinenser, da deren kleine Orte im Umkreis teilweise zerstört wurden. Arabische Familien sind meist sehr kinderreich, dies ändere sich aber aktuell, da die Schulbildung sehr teuer für die Familien sei.
Die Grundschule am Ort hat 400 Schüler, es wird Islam und Christentum, arabisch, englisch und hebräisch angeboten und ab der 7. Klasse ist arabisch freiwillig. Yusef stellt die sozialen Zusammenhänge und das arabische Sozialsystem anhand von nachvollziehbaren Beispielen dar und erläutert uns den Status der Araber/Palästinenser im israelischen Staat.
Nach diesem Dorfrundgang zeigt uns das Aquädukt bereits den Weg nach AKKO, der Kreuzritterstadt am Mittelmeer. In Akku leben ca. 50% Juden, ca. 14% Christen und Muslime.
Wir besuchen die El- Jazzar Mosche „Oase der Stille“ welche auf den Fundamenten einer bis zum 16. Jahrhundert dort stehenden Kirche erbaut wurde. In dieser Moschee wurde früher Recht gesprochen und eine Bücherei war dort angesiedelt. Yusef und Andreas erläutern ausführlich die Riten und stellen die vergangenen Zeiten nachvollziehbar und anschaulich dar. Ein Schatz der Moschee sind drei Barthaare des Propheten Mohammed, welche im Schrein aufbewahrt werden.
Die Kreuzfahrerzeit und Ihre Auswirkungen sind noch heute in der Stadt aktuell existent und wurden bei einem Rundgang besichtigt. Die Erläuterung und Hintergründe zu dem Thema erhielten wir bei einem traumhaften Sonnenuntergang auf der Stadtmauer.
Ein originelles arabisches Abendessen (Falaffel) in den Gewölben der Altstadt krönte und beschloss den Tag.
Auf der Heimfahrt im Bus schlossen sich vorbereitend auf die Nacht einige Augen der Mitreisenden.
Claudia und Herbert Simon
4. Tag - Dienstag, 6. Juli
Nes Ammim – HaOn
Am Morgen des 6.7. machten wir uns in Nes Ammim auf zu unserem nächsten Quartier in HaOn am See Genezareth. Uns hat die Unterkunft hier sehr gut gefallen und der nette Volontär, der uns durch das Gelände geführt und uns in die Geschichte der Anlage eingeführt hat, wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Nach der Lesung der Tageslosung und dem Morgengebet waren wir bereit für neue Eindrücke. Entlang der Mittelmeerküste ging es nach Norden. Wir passierten Avocadofelder und Haine von üppig beladenen Dattelpalmen. Alles machte einen sehr friedlichen Eindruck. Am Horizont voraus tauchten auf den Kämmen der Gebirgszüge Sendetürme und Radaranlagen auf. Sie waren ein sicheres Zeichen dafür, dass unser erstes Zwischenziel, die Grenzstation Rosh Ha Niqra, nicht mehr weit sein konnte. Wir erreichten die Grenze und konnten problemlos einen Spaziergang bis an den israelischen Grenzzaun unternehmen.
Rosh Ha Niqra war kein offizieller Grenzübergang. Er diente dem Gefangenenaustausch zwischen Israel und dem Libanon. An der Wand des offenbar unvermeidlichen Souvenirshops war eine Tafel angebracht, die uns vor Augen führte, dass es von hier aus gar nicht mehr weit zur libanesischen Hauptstadt Beirut war.
Rosch Ha Niqra ist auch bekannt wegen seiner weißen Kalkfelsen, die häufig von Touristen besucht werden. Am Fuß der Felsen hat das Mittelmeer Grotten und Höhlen ausgespült, die mit einer Seilbahn zugänglich gemacht wurden. Es ist auch der Eingang des Tunnels zusehen, durch den der Orient Express einmal fuhr.
Weiter ging es dann mit unserem Bus in östlicher Richtung parallel zur libanesischen Grenze. Man konnte sehen, dass die Libanon Berge reichlich bewaldet sind. Von unserem Pastor Goetze erfuhren wir die geschichtlichen Hintergründe des evangelischen Johanniter Ordens, des katholischen Malteser Ordens und über den Orden der Tempelritter. Wir erfuhren auch, dass Hisbollah und die Hamas nicht von Israel reden, sondern nur über das Land im Süden.
Auf dem Weg zum Mount Meron passierten wir Kiwi- und Litchi- Plantagen, die zu einem Kibbuz gehörten. Der Berg ist mit 1208 m die höchste Erhebung in Israel und auch gleichzeitig der regenreichste Punkt Israels. Der Berg hat für die Juden große Bedeutung, weil er der Fluchtpunkt der Juden war, nachdem ab 70 nach Christi keine Juden mehr in Jerusalem wohnen durften. Heute sind auf der Kuppe des Berges militärische Anlagen installiert. Unterhalb dieser Anlagen wurde ein Naturpark eingerichtet. Der Park wird von Israelis häufig für einen Wanderurlaub genutzt. Wir ließen es uns nicht nehmen eine Rundwanderung von knapp einer Stunde auf einem herrlichen Rundweg zu unternehmen und wurden mit grandioser Aussicht belohnt. Leider war es zu diesig um den See Genezareth sehen zu können.
Nach dieser Wanderung waren dann alle froh, dass wir uns im Bus ein wenig abkühlen konnten. Bald waren wir am nächsten Zwischenziel der heutigen Fahrt: Das historische Bar´am. Hier stehen die besterhaltenen Reste einer Synagoge. Sie entstand wahrscheinlich am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Doch bevor es an die Besichtigung ging, machten wir im Schatten von einigen Bäumen erst einmal eine Mittagsrast. Sie bestand aus Wasser und Obst, das zuvor auf einem Markt erworben wurde. So gestärkt besichtigten wir dann die für ihr Alter noch recht gut erhaltene Synagoge. Wir gingen dann auf einem kleinen Pfad in Richtung Kuppe des Hügels. Dort fanden wir eine teilweise zerstörte Kirche. Diese Kirche gehörte zu einem christlichen, arabischen Dorf. Die rund 1000 melkitisch-arabischen Bewohner wurden im Rahmen der israelischen Staatsgründung aus Bar 'am vertrieben bzw. in das weiter südlich gelegene Gisch umgesiedelt. Um eine heimliche Rückkehr der arabischen Bewohner zu verhindern, wurde die Ortschaft 1953 gesprengt. Die überwucherten Reste der Häuser sind noch sichtbar. Die Kirche wurde in neuerer Zeit wieder hergerichtet und darf wieder für Gottesdienste von den christlichen Arabern genutzt werden. Herr Goetze berichtete über Elias Chacour, der in Bar´am geboren wurde. Er erlebte die Vertreibung und die Enteignung des Besitzes seines Vaters. Ebenso erlebte er wie sein Vater Landarbeiter auf seinem (enteigneten) Land für die neuen israelischen „Besitzer“ wurde. In seinem Buch „Und dennoch sind wir Brüder“ berichtet er darüber. Trotz seiner Erlebnisse setzte er sich immer für eine Verständigung zwischen Juden und Arabern ein. Chacour engagierte sich gegen die Widerstände israelischer Behörden für die Belange der arabischen Minderheit, besonders der Jugend. Er gründete eine kleine Schule für israelische Araber. Sie wuchs mit der Zeit und ist heute ein sehr großes College. Er war auch Mitbegründer der ersten arabisch-christlich-israelischen Mar Elias Universität in I 'billin.
Nach der Besichtigung fuhren wir weiter in Richtung Zefat (auch Safed genannt), unserem letzten Zwischenziel für den Tag. Die Kreuzfahrerstadt war stets ein wichtiger Ort jüdischer Gelehrsamkeit und gilt neben Jerusalem, Tiberias und Hebron als heilige jüdische Stadt. Zefat entwickelte sich auch zum Zentrum kabbalistischer Mystik. Wir besuchten hier zuerst die Synagoge Ha´ari. Sie ist die älteste Synagoge von Zefat und wurde von sephardischen Juden, die aus Griechenland eingewandert waren, erbaut. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde sie mehr und mehr von aschkenasischen Juden genutzt und in Ashkenazi HaAri Synagoge umbenannt. Sehenswert ist der kunstvoll aus Olivenholz geschnitzte Thoraschrein, der mit einem sehr schön bestickten, blauen Tuch verhängt ist.
Über kleine Umwege gelangten wir dann zur sephardischen Abohav Synagoge. Sie ist nach dem aus Spanien eingewanderten Rabbi Abohav benannt. Die von ihm im 15. Jahrhundert geschriebene Thora wird noch heute in einem hölzernen Schrein aufbewahrt. Wir empfanden diese Synagoge als erheblich heller und geräumiger als die Ha´Ári Synagoge.
Sehenswert sind die farbenfrohen Deckengemälde in der Kuppel. Als Besonderheit gilt, dass neben den Ornamenten auch ein Bild des Felsendoms von Jerusalem gemalt wurde.
Zefat ist nicht nur ein Ort der alten jüdischen Kultur. Viele Künstler haben sich hier angesiedelt und ein Künstlerviertel in einem alten ehemals arabischen Basar eingerichtet. Hier wurde noch gebummelt und das eine oder andere Souvenir erworben, bevor wir dann zu unserem Ziel HaOn, einem ehemaligen Kibbuz am südöstliche Ufer des See Genezareth weiterfuhren.
Heide und Otto Zeller
5. Tag - Mittwoch, 7. Juli
„Heiliger Tag – auf den Spuren Jesu am See Genezareth“
Taufstelle am Jordan, Tiberias, Berg der Seligpreisungen, Kapernaum, Tabgha, Schifffahrt auf dem See Genezareth/Tiberias.
Nach unserer ersten Nacht in HaOn, an der süd-östlichen Seite des Sees Genezareth, die erste Aufregung: Der Stecker vom Föhn passte nicht in die vorhandene Steckdose, der mitgebrachte, nagelneue Fünfach-Adapter auch nicht. In der Not suchte ich die Hilfe beim Nächsten. Dorothee gab mir den heißen Tipp: „Heike, Haus 217, hat einen passenden Adapter, die leiht ihn dir bestimmt“. So war es auch. Zwischenzeitlich funktionierte auch der eigene Adapter und der erhöhte Blutdruck konnte sich wieder auf normal einstellen!
Nach einem reichhaltigen Frühstück, in einem äußerst klimatisierten, kühlen und windigen Speisesaal fuhren wir um 8.40 Uhr, begleitet von Sonne pur und fröhlichem Lachen im Bus, zum Südufer des Sees Genezareth.
Pfarrer Andreas Goetze begrüßte uns, fragte sicherheitshalber nach, ob wir auch sturmsichere Kleidung für die Schifffahrt am Nachmittag dabei hätten.
Pfarrer Andreas Goetz las die Tageslosung:
Der Gott des Himmels wird ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird.
Daniel 2,44
Bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr nicht straucheln und so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unsers Herrn und Heilands Jesus Christus.
2.Petrus 1,10-11
Die Fahrt ging vorbei an Pfirsichplantagen, Palmenhainen aber auch an wüsten und kahlen Hängen, vorbei an dem ersten 1909 gegründeten Kibbuz. Nach Überquerung eines unscheinbaren Baches, es war der Jordan, erreichten wir die eindrucksvolle
Taufstelle am Jordan . Wir suchten alle ein schattiges Plätzchen und hörten die Worte
aus Mt 3,1-17, gelesen von Elke. Dieser Ort war für uns beruhigend und wohltuend.
Danach badeten die meisten von uns ihre Füße im Jordan und ließen sich von den Fischen anknabbern. Für diese waren die Jügesheimer Hautschuppen ein Leckerbissen.
Mit ‚verbundenen Augen - und führe mich nicht in Versuchung’ ging’s danach durch den riesigen Verkaufsshop zum Bus.
Nächster Halt: AltesTiberias, das neben Jerusalem, Hebron und Safed zu den vier heiligen Städten des Judentums gehört. Ausgerechnet auf dem Gelände eines Friedhofs gründete Herodes Antipas, ein Sohn Herodes des Großen, 17 n. Chr. eine neue Stadt, die er zu Ehren seines Gönners, des römischen Kaisers Tiberius, Tiberias nannte. Für fromme Juden war sie unrein. Im 2 Jh. n. Chr. deklarierte der berühmte Rabbi „Simon Bar Yokhai“ die Stadt als rein, darauf verlegte der Hohe Rat der Juden seinen Sitz nach Tiberias und zur Gelehrtenstadt und zum religiösen Zentrum des Judentums. Hier wurden der Jerusalemer Talmud vollendet und die hebräischen Vokalzeichen entwickelt.
Der Fußboden der alten Synagoge „Hammat“ ist einer der schönsten in Israel:
Die Darstellung zeigt die zwölf Tierkreiszeichen mit dem Sonnengott „Helios, über denen zwei Menoren mit einem Thoraschrein gruppiert sind, darunter flankieren zwei Löwen eine Inschrift eines Severus.
Fahrt um 10 Uhr durch das neue Tiberias, wo auch das Grabmahl von „Maimonides“, dem Leibarzt von Saladin, liegt, zum Berg der Seligpreisungen, Kapernaum und Tabgha.
Unterwegs machte unser hervorragender Fahrer Salim uns auf den Ort Magdala aufmerksam, dem Geburtsort von Maria von Magdala.
Von weitem konnten wir den Berg der Seligpreisungen mit der bekannten achteckigen Kirche (Oktogon) sehen. Die acht Seiten sind acht Seligpreisungen gewidmet, in der Kuppel ist die neunte in Latein zu lesen. "SELIG, DIE UM DER GERECHTIGKEIT WILLEN VERFOLGT WERDEN; DENN IHNEN GEHÖRT DAS HIMMELREICH."
An einem abgelegenen, stillen Ort unter Bäumen angekommen, lauschten wir den Ausführungen von Pfarrer Andreas Goetze: Auf dem Berg (den Bergen) spielten sich wesentliche Ereignisse ab, hier holte man sich Kraft für den Alltag aber man spürte auch die eigene Bescheidenheit.
Gemeinsam sangen wir „Selig seid ihr…“ und hörten anschließend in andachtvoller Stille den Text der Bergpredigt. Anschließend war Zeit, das Gehörte zu verinnerlichen und die Kirche und den gepflegten Park zu erkunden.
12 Uhr ging unsere Fahrt weiter nach Kapernaum, ein ehemaliges Fischerdorf mit altem Hafen und warmen Quellen.
Unter einer wunderschönen, alten Plantane, mit weit ausladender Krone, fanden wir alle in einer Runde Platz. Dort hörten wir von dem Lieblings-Aufenthaltsort von Jesus und der Heimatstadt von Petrus.
Jesus berief hier seine ersten Jünger, die Fischer Simon (genannt Petrus) und dessen Bruder Andreas, Jakobus und dessen Bruder Johannes. Mt 4,18. Hier soll das Haus der Schwiegermutter von Petrus gestanden haben. (Auf den Putzresten fanden Archäologen Inschriften, in denen die Namen von Jesus Christus und von Petrus mehrfach erscheinen).
Wir hörten Mk: „Der Herr ist unser Gott und kein anderer“ und verschiedene Auszüge aus der Bibel. Zum Abschluss sangen wir gemeinsam: „Meine Hoffnung und meine Freude…“
Danach hatten wir Mittagspause in einem Gartenlokal direkt am See. Hier hatte der Petrusfisch seinen großen Auftritt. Wer diesen bestellte, hatte seine wahre Freude.
Dass ein so kleiner Fisch so viele Gräten in sich versteckt hatte, wer hätte das gedacht.
Als Nachtisch gab es erfrischend süße Datteln.
Gestärkt ging’s weiter nach Tabgha, der Ort der sieben Quellen (Heptapegon). Er bezeichnet die wasserreiche Stelle, an der die wunderbare Brotvermehrung durch Jesus stattgefunden hat.
Über einen Privatweg der Benediktiner wanderten wir zum See, an dessen Ufer ein uns sehr bekannter Steinaltar stand. An dieser Stelle feierten wir vor 15 Jahren, 1995, eine unvergessliche „Silberne Hochzeitsmesse“. Auch jetzt, 40 Jahre verheiratet, gab es für uns eine Neuauflage der Erinnerungen. Pfarrer Andreas Goetze hielt einen nachdenklichen Wortgottesdienst. Das für uns am Schluss gesungene Lied: „Viel Glück und viel Segen…“ und die anschließende Gratulation hat uns sehr gefreut und bewegt.
Danach besuchten wir die im byzantinischen Stil errichtete Kirche, mit den sehenswerten Mosaiken: Szenen aus dem Nildelta mit Schilf, Lotosblüten und andere Vögel. Vor dem Altar das berühmte Mosaik mit dem Brotkorb und den beiden Fischen.
Ein weiterer Höhepunkt war die Schifffahrt mit dem „Petrusboot“ auf dem
See Genezareth, der 212 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, z. Zt. leider noch tiefer. Besonders beeindruckend war, als wir ohne Motor, nur von Sturm und Wellen umgeben, auf dem See trieben und Pfarrer Andreas Goetze Texte aus der Bibel und Elke (Mk 4) las.
So erlebten wir, begleitet von Wind und Wellen, einen erfüllten „Heiligen Tag“, der für uns alle wohl unvergesslich bleiben wird.
Ingrid und Dieter Seiler
6. Tag - Donnerstag, 8. Juli
Tel Dan , Banyas und die Golanhöhen
Um 8.30 Uhr ist Abfahrt in Haon ohne Tobias und Corinna, da Tobias krank ist.
Andreas liest im Bus die heutige Losung vor und wir singen das Lied „All morgen ist ganz frisch und neu ...“.Dann erfreut er uns mit drei jüdischen Weisheiten.
Ein Stück fahren wir fast die gleiche Strecke wie gestern, d.h. an Tabgha und dem Ort der Seligpreisungen vorbei
Wir fahren an vielen eingezäunten Feldern vorbei, die z. T. mit gelben Schildern „Danger mines“ noch auf den Rest der Kriegsaktivitäten hinweisen. Teilweise sieht man auch noch ausgebrannte Militärfahrzeuge, ebenso wie zerstörte und leer stehende Häuser.
Bezeichnend für diese Gegend ist, dass unbearbeitet Felder mit Dornen und vielen z. T. großen Steinen „übersät“ sind
Fahren jetzt auf der 500 Junction zum Golan
Weiter oben kommen wir an Mais-, und Getreidefeldern ebenso an Olivenbäumen vorbei. Etwas weiter fahren wird durch eine Allee von großen Eukalyptus – und Feigenbäumen, getränkt von den vielen Quellen des Golan, nahe der Grenze zu Syrien. Hier findet man auch immer wieder große Wasserreservoirs, die ebenfalls von den Quellen und auch vom Tauwetter im Frühjahr gefüllt werden. Zwischen den blühenden Feldern gibt es immer wieder brachliegende Felder auf denen nur Sträucher und Bäume stehen.
Nach einiger Zeit wechseln wir auf die 918 (braunes Schild)
Links liegt das für Vogelkundler interessante Hulanaturschutzgebiet, wo die Vögel auf ihrem Flug nach Süden/Norden „Zwischenlandung“ machen.
In dieser fruchtbaren Ebene wachsen auch Kartoffeln und Tomaten. Wenn man an diesen fruchtbaren Feldern vorbeifährt, könnte man glauben, dass das Schlaraffenland mit der Einöde wechselt. Hier kann man sich gut das Gleichnis vom Sämann vorstellen, bei dem einen Teil der Saat zwischen Dornen, ein Teil zwischen Steine und der Rest auf gute Erde fällt.
Wir wechseln nun auf die 99 (rot) bis wir Tel Dan erreichen
Dan war einer der zwölf Stämme Israels, der für die Regelung der rechtlichen (weltlichen) Angelegenheiten zuständig war. Dan ist aber auch einer der Flüsse, die sich mit dem Fluss Banyas und Hazbani zum Jordan vereinigen.
Tel Dan ist eine Naturreservat im Hermon Gebiet. Dort laufen wir den short trail bis zum Wading pool. Der Weg dorthin wird immer wieder von Wasserläufen unterbrochen. Unterwegs konnten wir an einem Abzweig, versteckt hinter Zweigen, eine alte Getreidemühle sehen. Im Wading pool, der sehr idyllisch zwischen Bäumen liegt, waren wir nicht die Einzigen. Die ganz Eiligen hatten bereits ihre Schuhe und Strümpfe ausgezogen und „genossen“ den Wading pool. In der Mitte des Pools stand, auf einer kleinen Insel, ein Baum. Diese Insel hatten sich einige als Ziel ausgesucht. Die anderen saßen am Rand und ließen ihre Füße im Wasser baumeln und wieder andere liefen einfach über die Steine, die im Wasser lagen. Über die Temperaturen des Wading gab es allerdings geteilte Meinungen: die einen meinten es sei lauwarm, die anderen man könne darin „kneipen“ und wieder andere sagten lapidar „es sei feucht“.
Nach ca. 45 Minuten waren wir wieder beim Visitor Center und sind nach einer kurzen Erfrischung mit dem Bus nach Banyas weitergefahren.
Die Fahrt nach Banyas verläuft an der libanesischen Grenze. Der heutige Nationalpark liegt in dem seit 1967 von Israel besetzten Gebiet. 40 % des Grundwasserreservoirs liegt im heutigen Westjordanland, was auch den Verlauf der Grenze und der Mauer beeinflusst.
Andreas schwärmte uns bereits im Bus immer wieder von dem wunderschönen Wasserfall vor, der im letzten Drittel der Strecke des Nationalparks liegt und - dass wir Schwimmsachen mitnehmen sollen (können).
Bevor die Wanderung im Nationalpark Banyas losgeht, erhalten wir noch Infos zur Historie des Parks. An der Quelle des Banyas stand in hellenistischer Zeit das Heiligtum des Gottes Pan. Hier ist auch der Ort, an dem Petrus die Aussage gemacht haben soll: - Jesus sei der Messias- und wo Jesus Petrus den Felsen nannte.
Mit Wasserflaschen und z. T. auch mit Schwimmsachen ausgerüstet sind wir losgelaufen. Durch die unterschiedlichen Lauftempi der Wanderer teilte sich die Gruppe sehr schnell. Die „Wasserratten“ hatten es besonders eilig und wurden von dem Rest der Gruppe erst wieder am Wasserfall gesehen. Die Anderen nahmen sich mehr Zeit um sich die verschiedenen Mühlen und die alte Römerbrücke anzusehen.
Ein Teil des Weges verlief entlang des Banyas. Hier standen Bäume, deren Wurzeln sich teilweise wie Tentakeln bis zum Wasser streckten und in kleinen Nischen zum Baden einluden. Außerdem schmückten blühende Oleanderbäume und wunderschöne Blumen den Weg.
Ein anderer Teil des Weges verlief in praller Sonne und verlangte Einzelnen einiges ab. Die Belohnung war am Ende der Wasserfall, der trotz der vielen Menschen, wie eine Oase wirkt.
Aber – ein Baden unter dem Wasserfall war nicht mehr möglich. Wegen des touristischen Ansturmes wurde mittlerweile eine große Plattform gebaut, die den Zugang zum Wasser verwehrte. Trotzdem war das Rauschen des Wasserfalls, eingerahmt von Bäumen und den Sonnenstrahlen, die sich immer wieder im Wasser spiegelten, ein Genuss.
Wir sind anschließend zum Bus gelaufen und um 13.30 Uhr noch eine halbe Stunde zu einem Drusendorf zum Essen gefahren. Hier konnten wir uns eine Pita, mit süßem oder mit herzhaftem Belag, aussuchen. Dazu gab es einen kleinen Salat und ein Getränk. Das Lokal lag etwas höher, so dass man von hier aus gut über die Ebene schauen konnte. Von der Terrasse aus hatte man einen schönen Blick auf den bereits seit vielen Jahren existierenden Lavasee. Vom Parkplatz aus konnte man den Mount Hermon sehen, das Skigebiet der Israelis. In dieser Hitze und bei der Trockenheit kann man sich gar nicht vorstellen, dass hier im Winter Schnee liegt und das Tauwetter anschließend die Ebenen mit Wasser versorgt.
Um 14.45 fahren wir durch das Drusendorf weiter. Die heutigen Drusen (Muslime mit schiitischem Hintergrund), die nach dem Krieg um die Golanhöhen hier geblieben sind, wohnen nun in Israel. Außer den im Golan lebenden Drusen, sind sie auch in der Armee. Wirtschaftlich gesehen geht es den Drusen jetzt besser, da die Israelis Weinberge angelegt haben, die nun von den Drusen bewirtschaftet werden. Das hiesige Drusendorf sieht sehr schön aus, hat viele neue Häuser, die fast alle mit Steinen verkleidet (verklinkert) sind.
Wir fahren weiter entlang der heutigen syrischen Grenze bis nach Kuneitra (Qunaitra). Dort machen wir um 15.10 Uhr einen Fotostopp. Andreas gibt uns Infos über die jetzige Grenze und die Stadt, die heute im Niemandsland liegt. Die Häuser stehen jetzt leer. Die jetzige Stadt liegt dahinter. Die UNO kontrolliert dieses Gebiet und hat dort einen großen See als Wasserreservoir angelegt. Hinter uns ist ein „Horch Posten“ der Israelis. Durch den heutigen Grenzverlauf stehen die Israelis nur noch ca. 40 km vor Damaskus.
Um 15.40 fahren wir weiter bis Haon. Hier hatte Jede/Jeder noch freie Zeit bis zum Abendessen um 19.00 Uhr. Nach dem Abendessen werden wir zu Mike fahren. Tobias geht es wieder besser, trotzdem werden er und Corinna heute noch zu Hause bleiben, ebenso Elke und Alicia.
Um 19.50 Uhr sind wir dann zu Michael Cohensius gefahren, der in einem Villenvorort oberhalb vom See Genezareth wohnt. Wir saßen zum Austausch im Garten und hatten von hier aus einen schönen Blick auf den See. Er gab uns am Anfang kurze Informationen über sich. Er ist 64 Jahre alt, Tierarzt und hat eine Tierklinik. Bevor er dieses Haus gebaut hat, wohnte er in einem Kibuz. Pilger, die durch das Land wandern, nimmt er auf ihrem Weg gerne auf. Es fand dann ein reger Austausch über die wirtschaftliche und politische Situation in Israel statt. Dass Mikes Vorstellungen mit der jetzigen politischen Situation ziemlich konform sind, löste bei uns anderntags noch einige Diskussionen aus.
Nachdem Michael uns noch mit Getränken bewirtet hat, sind wir gegen 22.00 Uhr wieder nach Haon zurückgefahren.
Bärbel Dörr
7. Tag - Freitag, 09.Juli
Heute, am 9. 7. 2010 nehmen wir nach 3 Tagen Abschied vom See Genezareth. Nach einem reichhaltigen Frühstück verstauen wir erst einmal wieder alle Koffer in unseren Bus.
Pünktlich um 8.00 Uhr starten wir, mit einem Lunch-Paket versehen, von Ha Non in Richtung
Bet-Shean. Unterwegs hören wir Bibelworte des Propheten Maleachi:
„Denn des Priesters Lippen sollen die Lehren bewahren, dass man aus seinem Munde Weisung suche, denn er ist ein Bote des Herrn Zebaoth.“ Dann singen wir das Lied: “Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt …“
Wir fahren mit dem Bus entlang der alten Hauptroute Rom–Jerusalem und steuern unser nächstes Ziel an. Bet-Shean ist während der byzant. Periode zu einer christlichen Großstadt von 30 – 40.000 Einwohnern angewachsen. Die Gegend war sehr fruchtbar. Es wurden hier Baumwolle, Flachs und Nahrungsmittel angebaut, Leinen gewoben und Kleidung hergestellt. Im Jahr 749 n. Chr. wurde die Stadt durch ein Erdbeben zerstört. Bei einem Krieg zwischen den Philistern und den Israeliten auf dem Gebirge Gilboa verlor Saul seine Söhne. Er selbst wurde so schwer verwundet, dass er sich in sein eigenes Schwert stürzte. Als die Philister das sahen, köpften sie ihn und hängten ihn an der Stadtmauer in Bet-Shean auf.
Im Nationalpark Bet-Shean bestaunen wir das Amphitheater und lauschen dem Gesang Laudate omnes gentes von Andreas, Michael und Alicia. Das Theater hat eine sehr gute Akustik. Weiter geht es zur Silvanusstraße, an deren Seite eine monumentale Säulenreihe steht. Wegen der großen Hitze wird der Rundgang abgekürzt und wir gehen zum Badehaus, wo es angenehm kühl ist. Bei den Ausgrabungen wurde das frühere kegelförmige Beheizungssystem freigelegt. Das Bad wurde ausschließlich nur von reichen Männern, die dort Politik machten, besucht. Frauen hatten keinen Zutritt. Manfred und Tobias besteigen trotz großer Hitze noch den Berg der Schlangengöttin.
Anschließend fahren wir weiter nach Beit Alpha. Dort besuchen wir eine Synagoge. Bei Ausgrabungen wurde diese Ruine 1928 am Fuße des Berges Gilboa freigelegt. Zuerst schauen wir uns einen Film an. Danach bestaunen wir eines der schönsten Mosaiken Israels. Auf dem Fußboden sehen wir die Darstellung der zwölf Sternzeichen. An den Ecken sind die vier Jahreszeiten durch Frauen dargestellt.
Weiter geht unsere Fahrt nach Sakhne. Hier haben wir ca. 2 Stunden Zeit, das Wasser im Thermalsee zu genießen. Zuerst vertilgen wir unser Lunch–Paket, um uns dann in dem warmen Wasser zu erholen. Eine Besonderheit gibt es in diesem See; bleibt man einen Moment am Rande stehen, knabbern kleine Fische an den Füssen, ein unangenehmes Gefühl.
Nach diesem angenehmen Zwischenstopp fahren wir entlang des Jordantales Richtung Jericho. Das Jordantal, das sehr fruchtbar ist, wurde auch „Eingang zum Paradies“ genannt.
Unterwegs machen wir an der Grenze zu Jordanien kurz Halt. Dort können wir von weitem das UN–Quartier sehen. UN-Fahrzeuge fahren Patrouille an der Grenze zu Jordanien.
Dann geht die Fahrt weiter nach Jericho. Bevor wir die Stadt erreichen, müssen wir noch durch zwei Grenzkontrollen. Die Stadt liegt in der Jordansenke, 251 m unter dem Meeresspiegel. Ein Teil der Stadt steht unter palästinensischer Selbstverwaltung. Jericho ist eine der ältesten Städte der Welt. Hier hat man 8.000 v. Chr. Ruinen einer Siedlung entdeckt. In der Nähe von Jericho soll Johannes der Täufer gelebt haben. Auch die Geschichte vom Zöllner Zachäus auf dem Maulbeerbaum, der auf Jesus wartete, fand hier statt. Bei 42° C gehen wir bergauf zu dem Palast des Hischam. Hier können wir einen vollständig erhaltenen Mosaikboden bewundern, der einen Löwen zeigt, der drei Gazellen unter einem Baum jagt. Es gibt noch einen Weg zum Berg der Versuchung und zum griechisch–orthodoxen Kloster, welches in den Felsen gebaut ist. Wir sehen zwar diesen Weg, entscheiden uns jedoch aus Zeitgründen und wegen der großen Hitze, ihn nicht zu gehen. Beim Rückweg bergab zum Bus unterhält sich Michael angeregt mit einem deutschen Beduinen, während sein Sohn Tobias die Trompete (Vuvuzela) zu Jericho bläst.
In der Winterzeit herrscht in Jericho ein angenehmes Klima, deshalb verbringen reiche Israeliten von Jerusalem diese Zeit hier in ihren Wochenendhäusern.
Kurz nach 17.00 Uhr fahren wir durch Wüstengebiet, vorbei an Beduinenzelten, Richtung Jerusalem, unserem nächsten Quartier. Dort wartet bereits ein Schmalspur–Traktor mit Anhänger, um unsere Koffer aufzuladen und durch die engen Gassen der Altstadt zu unserem neuen Domizil, dem Lutherischen Gästehaus, zu transportieren. Zu Fuß gehen wir mit unserem Handgepäck durch das Jaffator und die Altstadt und erreichen unser heutiges Ziel. Dort werden wir mit einem Erfrischungsgetränk empfangen und erhalten unsere Zimmerschlüssel. Nachdem wir uns etwas erfrischt haben, geht es zum gemeinsamen Abendessen.
Zum Abschluss des Abends marschiert noch eine große Gruppe durch die Altstadt zur Klagemauer. Dort müssen wir durch die israelische Kontrolle. Die Klagemauer ist unterteilt, links 2/3 für Männer, rechts 1/3 für Frauen. Da am Freitag der Sabbat beginnt, sind viele Menschen aller Glaubensrichtungen hier versammelt, beten und diskutieren über verschiedene Auslegungen der Bibel. Tobias geht mit einem Zettel, auf dem er sein Anliegen notiert hat, zur Klagemauer und steckt diesen in eine Mauerritze.
Nachdem die Gebete und Gesänge beendet sind, gehen wir gemeinsam zurück zu unserer Unterkunft. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende.
Elli & Wilhelm Lott
8. Tag - Samstag, 10. Juli
Los ging’s morgens mit dem Bus etwas raus aus der Stadt auf den Ölberg.
Dort stiegen wir aus und besuchten die sehr schöne Kirche „Auguste Victoria“, von Kaiser Wilhelm seiner Frau gewidmet. Drinnen hielten wir auch unser Morgenandachtsritual ab.
Bevor wir am Ölberg nach unten ins Kidrontal liefen, genossen wir noch den schönen Blick auf die Davids- und die Altstadt Jerusalems, die man von dort oben sehr gut betrachten konnte. Von Andreas Goetze bekamen wir noch alles Wissenswerte vermittelt (wo wohnen wir? Wie heißt diese oder jene Kirche?, was haben die Tore für eine Bedeutung?, was hat es mit den Friedhöfen auf sich?, und und und).
Anschließend wanderten wir den teilweise recht steilen Weg herab. Einen Zwischenstopp hielten wir bei „Dominus Flevit“, einer kleinen Kapelle, die unser Reiseleiter mit seiner Pfarrer-Aura (oder was sonst?) für 10 Minuten für eine Privatvisite ergattern konnte. Diese Situation nutzten wir auch direkt für eine kurze Besinnung. Durch das Fenster mit dem Kreuz hinter dem Altar hatte man wieder einen wunderbaren Ausblick auf Jerusalems Altstadt samt Felsendom und Tempelplatz.
Und weiter ging’s zum Garten Gethsemane am Fuße des Ölbergs. Dort konnten wir über tausend Jahre alte Olivenbäume betrachten, aber im Endeffekt war sonst nicht viel zu sehen. Außerdem war’s ziemlich laut und voll. Dennoch erfuhren wir auch hier alles Wissenswerte.
Direkt neben der Gartenanlage befindet sich die „Kirche der Nationen“, deren innere Gestaltung die Nacht charakterisiert. Nach etwas Zeit für sich liefen wir dann auf der anderen Seite des Kidrontals wieder hoch und betraten durch das östliche Stephanus- bzw. Löwentor die Jerusalemer Altstadt. Dort trennten wir uns und jede(r) hatte nun bis am Nachmittag Zeit zur freien Verfügung, die verschiedentlich genutzt wurde. Jeder konnte also tun und lassen, wozu ihm auch immer war. Ob etwas essen, nach Mitbringseln stöbern oder einfach nur die die Gassen schlendern. In Jerusalem konnte man viel erleben, aber dennoch nicht satt sehen.
Am Nachmittag trafen wir uns dann alle an der Erlöserkirche, um ein ca. 1std. Gespräch mit dem Probst der deutsch-evangelischen Gemeinde zu haben. Unter anderem ging es um die Entstehung und Gründung der Kirche, ihren Zweck und ihre Aufgaben. Dabei versuchte der Probst nach besten Wissen und Gewissen unseren nie endenden Fragen-Durst zu stellen, unter anderem auch zum Thema „Nah-Ost-Konflikt“, bei denen man manchen Leuten zu ihren Fragen einfach nicht genug Antworten geben konnte.
Nach diesem doch sehr aufschlussreichen Gespräch und vielen neuen Informationen konnten wir den Rest des Tages zur „Verarbeitung“ nach Gut-Dünken verbringen, jeder auf seine Art. Ab und zu traf man sich dann noch in der Altstadt, die trotz ihrer verwinkelten Straßen und vielen Leuten immer recht überschaubar blieb. Abends fanden sie dann diejenigen ein, die das Spanien-Spiel nicht auf tiefste enttäuscht hat oder einfach Leute, die entweder nicht genug von Fußball kriegen können oder eine gelungene WM verabschieden wollten. Deutschland gegen Uruguay (Spiel um Platz 3) stand an. So ließen wir alle den Abend ausklingen, immerhin gewann Deutschland ja, das rundete das ganze noch mal ab, bevor wir müde und voller neuer Eindrücke in unsere Betten fielen.
Marvin Goetze und Fabian Vor
9. Tag - Sonntag 11. Juli
Jerusalem
Nach dem Frühstück ist Gedränge im Empfang des Gästehauses:
wir treffen uns, um gemeinsam durch die Altstadt zum nahe gelegenen Muristan, zur Evangelischen Erlöserkirche, zum arabischen Gottesdienst zu gehen.
Außer von uns und den arabischen Gemeindemitgliedern wird der Gottesdienst noch von einer Jugendgruppe der Evangelical Lutheran Church of America besucht. Mit einer Gottesdienstordnung in Englisch, einer in Deutsch, drei Pfarrern, Grußworten und Übersetzungen werden wir konfrontiert. Das ist nicht von Anfang an einfach.
Sani Ibrahim Azar, Pfarrer der arabischen Gemeinde, hält den Gottesdienst unterstützt von Pfr. Russell O. Silber von der englischsprachigen Gemeinde und Pfr Andreas Goetze. Lesung und Predigttext stehen in Röm 6; 3-8.
Vertraute Liturgie, vertraute Melodien bieten an, uns in den Gottesdienst hinein zu nehmen. Glaubensbekenntnis, Vater Unser und Abendmahl in drei Sprachen werden zu einem besonderen Erlebnis. Zum Abschluss singen wir ein deutsches Lied, das, da die Tür offen steht, bis auf die Straße zu hören ist.
Das Gespräch mit Pfarrer Azar kann wegen der Hitze unmöglich im Hof des Kreuzganges stattfinden, darum ziehen wir, nach Gottesdienst und Plausch im Kreuzgang, um ins Refektorium.
Gesprächsskizze:
- Er repräsentiert Palästina im Jerusalemverein.
- Die arabisch lutherische Kirche hatte bis 1979 einen deutschen Probst. Seit 2007 ist sie selbstständig, wird vertreten von Mounib Younan, und nennt sich „Evangelisch Lutherische Kirche in Jordanien und Heiligem Land “.Beides ist folgerichtig, denn das Selbstverständnis der palästinensischen Christen ist: Wir waren schon immer Christen. In diesem Land war keine Mission nötig.
Politische Situation:
- Passfrage: Palästinenser, die keine ausgewiesenen Bürger Jerusalems sind, dürfen nicht in die Stadt. Pfr. Azar macht anschaulich, was das bedeutet, wenn ein Jerusalemer Bürger eine Frau aus Bethlehem heiraten will: entweder sie leben nicht zusammen oder er verliert seine Berechtigung in Jerusalem zu sein
- Der Jerusalem Pass ist sieben Jahre gültig. Wenn man mehr als sieben Jahre lang nicht in Jerusalem gewohnt hat, wird er ungültig und man darf in Jerusalem nicht mehr wohnen
- Herr Azar teilt uns auch mit, dass es verboten ist, eine jüdische Person christlich zu verheiraten.
- Wirtschaft: palästinensische Vermarktung, sowohl Im- als auch Export geht nur über Israel. Keine autonomen Verbindungen möglich. So muss z. B. eine palästinensische Brauerei einerseits Ausfuhrzölle für den Hopfen bezahlen, den sie aus Deutschland über Israel beziehen. Anderseits werden Einfuhrfuhrzölle fällig, wenn Sie Ihr Bier dann nach Israel exportieren oder über Israel in ein anders Landverkaufen möchten.
Der Vikar kommt hinzu und bittet uns, in Deutschland von der palästinensischen Situation zu berichten.
Nun nutzen wir das Refektorium noch in seiner ursprünglichen Funktion: wir essen!! Köstliche Falafel in Pita und Softdrink werden uns direkt aus einem der umliegenden Läden gebracht.
Um 13.30 Uhr erwartet uns Salim mit seinem Bus am Jaffa-Gate. Hinzu kommt der Reiseleiter Georg Rössler, der uns kompetent und humorvoll durch den Nachmittag in Yad Vashem begleitet.
Yad Vaschem (für Denkmal und Namen ) ist eine Gedenkstätte für den „Holocaust“. Dieser aus dem Griechischen kommende Begriff wird in Israel eher nicht verwendet. Hier spricht man von der „Shoah“. Es ist ein hebräisches Wort das etwa „große Katastrophe“, „Unheil“, „Zerstörung“ bedeutet (Wikipedia).
Diese Stätte liegt auf dem „Herzlberg“ einer von drei Bergen in Jerusalem( die andern beiden sind der Tempel- und der Regierungsberg). Auf der anderen Seite des Tempelbergs liegt der Helden- und Soldatenfriedhof des Staates Israel.
Die Planung für diese Gedächtnisstätte begann Mitte der 40-iger Jahre als absehbar war, dass die europäischen Juden die Shoah nicht überleben würden.
Diese Stätte wurde von Israelis für Israelis gestaltet, und sehr eindrücklich weist uns Georg Rössler darauf hin. Er bittet uns, zu versuchen zu sehen, welche Bedeutung die Stätte für diejenigen hat, die sie gestalten, und nicht danach zu fragen, was sie uns bedeutet. Zitat: „Wer hinterfragt bevor er verstanden hat, macht die Reise umsonst:“
1953 beschloss die Knesset den Bau dieser Anlage. 1954 wurde sie dann eröffnet.
Rössler schildert, wie anfangs das Ziel war, vor allem Helden zu erinnern. Zum Beispiel die Helden des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Jüdischen Soldaten der Partisanen gegen die Nazis widmete man eine Stele.
Er macht auch deutlich, wie störend die Erfahrungen der geflüchteten Menschen für die Schaffung des neuen, kraftstrotzenden, gesunden Menschenbildes waren. Ihr Schicksal wurde nicht gewürdigt und ihre Lebensberichte nicht erzählt. Sie wurden als Menschen betrachtet die sich wie Lämmer zur Schlachtbank haben führen lassen. Viele Juden verschwiegen deshalb, dass sie ein KZ überlebt hatten.
Dies änderte sich 1961 mit dem Eichmannprozess. Es entstand die Chance zur eigenen Geschichte zu stehen. Der Heldenbegriff erweiterte sich.
Es bildete sich ein Leitsatz der bis heute zu gelten scheint:
Nie wieder Opfer!
Dass man durch diese Maxime leicht auch zum Täter werden kann blenden viele Juden aus.
Mit diesen Ausführungen im Ohr und im Blick machen wir einen Rundgang durch das weitläufige Gelände.
- Die „Allee der Gerechten “ zieht sich um den ganzen Berg. Nachweislich couragierte Helfer und Helferinnen wurden eingeladen einen Baum zu pflanzen. Ihr Namensschild wurde angebracht. 20 000 Bäume stehen inzwischen hier.
- Das Gedenkzelt ist ein Betonklotz, der an die erdrückende Naziherrschaft gemahnen soll. Von Innen sieht man, dass ein Zelt angedeutet ist, was immer die Anwesenheit Gottes bedeutet. Auf dem Zeltboden sind Lagernamen zu lesen und in der Ecke flackert eine Flamme. Bis 1992 waren Staatsbesuche hier obligatorisch.
- Vor der Kindergedächtnisstätte wacht eine Gruppe abgebrochener Steinstelen und der Eingang mit seinen Stäben ist unfertig. Zwei dunkle Räume befinden sich innen. Kinderfotos, sich ins unendliche spiegelnde Kerzen und eine Stimme, die Namen der gemordeten Kinder nennt, ersetzen eindrücklich jede Erklärung. Dies war für wohl alle Teilnehmer eine schockierende Erfahrung.
- Janusz Korczak , Arzt und Pädagoge aus Polen, der zusammen mit den Kindern seines Waisenhauses im KZ Treblinka umkam wird in einer eindrücklichen Plastik dargestellt und ein Platz gewidmet.
- Im „ Tal der verlorenen Gemeinden“. In dem Labyrinth wird dabei jeder Staat Europas aufgelistet wo es vor 1933 eine jüdische Gemeinde gab, die es nach 1945 nicht mehr gab. Dabei wird den großen Gemeinden, wie Berlin, mit einem eigenen Kalkstein gedacht. Kleine Gemeinden sind regional auf einem Kalkstein zusammen gefasst. So können wir lesen, dass Seligenstadt, Babenhausen und Dieburg jüdische Gemeinden hatten .
In einer Reflexionsrunde stellt sich uns die bedrückende Frage:
„ Ist die Konsequenz aus „Nie wieder Opfer!“ etwa „ Dann lieber Täter!“?“
Georg Rössler erklärt uns auch den Unterschied zwischen der Shoah der Deutschen und den früheren Pogromen gegen Juden oder anderen Volksgruppen. So wurden vor der Shoah eigentlich nur die Menschen verfolgt, die im eigenen Herrschaftsgebiet waren, während die Nazis auch Juden verfolgten, die nicht in Ihrem Gebiet waren.
George warf ein, man sollte nie so leichtfertig sein und sagen, man würde so was wie die Nazis gemacht haben nicht machen bzw. nicht mitmachen. Er brachte als Beispiel, wie er als Jugendlicher alle seine Ideale über Bord warf, nur um in einem Fach eine bessere Note zu bekommen.
Die Überraschung nach dem Besuch von Yad Vaschem ist, dass unser Busfahrer krank ist und im Krankhaus liegt.
Andreas schlug einen netten Spaziergang zum Hotel von 45 Minuten vor. Glücklicherweise hatte unser Busfahrer einen Ersatz besorgt.
Froh sind wir, als er später wohlbehalten wieder im Speisesaal auftaucht.
Im lauschigen Dachgarten des Gästehauses gibt es schon all die Tage die Möglichkeit die Fußballweltmeisterschaft zu verfolgen. Heute Abend wird sie von einigen genutzt und wir wissen aus erste Hand: Spanien ist Weltmeister!
Was sonst noch so war:
Von Tobias, einem Studenten, der ein Sozialjahr in Israel verbringt und George bei seinen Ausführungen unterstützt hat, erfuhren wir, dass es zwei MC Donalds in Israel gibt.
Einmal einen Koscheren und nicht Koscheren.
Beim koscheren MC Donald, mit blauem Schild, ist die Milchbar komplett von dem Fleisch getrennt. Der „rote“ MC Donalds ist wie bei uns, nur das es dort keine Chessburger gibt. Allerdings kann man für 1,- Euro, also 5 Schekel, eine Käse Scheibe kaufen und seinen Hamburger zu einem Chessburger umwandeln.
Auch erzählte uns Tobias, dass es erlaubt ist Fleisch auf Milchprodukte aber nach einem Fleischprodukt man 6 Stundenwarten muss, bis man wieder ein Milchprodukt verzehren darf.
Wie alle Tage, ist auch dieser übervoll von Erlebnissen und Informationen, die sich nicht chronologisch einordnen lassen, uns aber beschäftigen, das Bild ergänzen und auf keinen Fall vorenthalten werden sollen.
Dorothee Eitel und Gerald David
10. Tag - Montag, 12. Juli
Sonnenaufgangstour
Unsere Sonnenaufgangstour startete mit einem schnellen Morgenkaffee. Um 6.30 Uhr machten wir uns auf den Weg durch Jerusalem zum Stephanstor. Die Sonne war natürlich schon längst aufgegangen und warm war es auch schon. Doch noch war es für Jerusalemer Verhältnisse ruhig in der Stadt. Am Stephanstor hielten wir eine kleine Andacht um anschließend die Via Dolorosa, die Kreuzwegstationen Jesu nachzugehen. Zu jeder Station erklärte Andreas, wo wir uns befanden und las einen besinnlichen Text vor. Unter anderem standen wir am Fuße der Ruine der Antoniaburg, in der Jesus von Pilatus gefangen gehalten wurde. Als Abschluss jeder Station sangen wir das Kyrie Eleison. Unser Weg führte uns auch nach Golgatha, das früher außerhalb Jerusalems lag, heute ist es bebaut und liegt mitten in der Stadt. Hier hat man die Grabeskirche errichtet. Viele religiöse Gemeinschaften teilen sich die Grabeskirche, z.B. äthiopische Christen, Kopten und syrisch Orthodoxe und so fanden schon am frühen Morgen einige Gottesdienste parallel statt.
Die Grabeskirche war ursprünglich so gebaut, dass man durch einen dunklen Gang und eine kleine Kapelle ging um dann ins Helle, zum Licht der Auferstehung zu gelangen. Aus diesem Grund wird die Grabeskirche von vielen auch ANASTASIS – Auferstehungskirche genannt. In der kleinen Kapelle wollten wir „Komm Herr segne uns“ singen, (Strophe 1 gelang), leider beschied uns dann ein Ordner „no singing“ und so lasen wir eben den weiteren Text des Segensliedes. Da die Kirche von so vielen Gruppierungen parallel genutzt wird, achtet man sehr auf die Einhaltung des Status Quo, zu dem wir eben nicht zählten.
Nach unserer Sonnenaufgangstour wartete ein gutes Frühstück im Gästehaus auf uns. Bis zum frühen Nachmittag hatten wir Zeit für eigene Unternehmungen, die auf unterschiedlichste Weise genutzt wurde. Einige machten einen Spaziergang auf der Stadtmauer, andere verschwanden im Suq um noch einige Schnäppchen zu ergattern. Auch war Zeit in der quirligen Altstadt einen Kaffee zu trinken. Wir, Familie Jäger, nutzten die Zeit um einen Spaziergang auf der Stadtmauer zu machen. Wer gedacht hat, das wird gemütlich, wenn man erstmal oben ist, weit gefehlt!!! Auch oben ging es treppauf und treppab, wie eben in ganz Jerusalem!!!
Am Nachmittag trafen wir uns im Jerusalemmuseum, dessen Eingang neben dem Jaffator liegt. Die Museumsführung übernahm ein Freund von Andreas, Georg Rössler, den wir bereits am gestrigen Tage kennen gelernt hatten. Er führte uns in seiner spritzigen Art gekonnt und humorvoll durch die Geschichte Israels, die in fünf Epochen im Museum dargestellt wurde. Danach meinte jemand aus unserer Gruppe: Sie hätten mein Geschichtslehrer sein sollen, dann hätte der Unterricht viel mehr Spaß gemacht. Erkenntnis des Tages: Geschichte muss nicht langweilig sein!!!
Mein Versuch einige Bonmots von Georg Rössler wiederzugeben, aber eigentlich muss man ihn erlebt und gehört haben!
- Nach der Herrschaft Nebukadnezars erfolgte der Tempelaufbau durch Israel mit, ich sag’s mal auf Hochdeutsch „low budget“.
- König Herodes seinerzeit war so schlau, nicht gegen die Amerikaner (gem. Römer) zu kämpfen, sondern hat sich unterworfen. Daraus resultierten gewisse Privilegien; durfte Friedensautobahn zwischen Jerusalem und Mesopotamien für eine Colapause in Jerusalem bauen.
- Weiterhin führte er eine Zahnkronen-OP am Tempelberg durch, er ließ den Tempelberg rechtwinklig mit großen Quadern ein (eine Seite davon ist die heutige Klagemauer) einfassen.
- Zwischen den einzelnen Epochen, werden uns ein paar Hundert Jahre geschenkt.
- Bei den Ottomanen vollzog sich ein langsamer Abstieg, die westliche Welt zog mit Lichtgeschwindigkeit an ihnen vorbei.
Zum Abschluss unseres gemeinsamen Tages fanden wir uns noch in der Christ Church zusammen, die ebenfalls dicht beim Jaffator liegt und die erste evangelische Kirche Jerusalems und Bischofssitz war. Die Kirche ist so gebaut und gestaltet, dass sie auch für Juden einladend wirken soll; die verzierte Holztafel hinter dem Altar erinnert an den Thoraschrein.
Wir sangen gemeinsam „Der Herr segne dich“, dann mussten wir uns von Georg Rössler verabschieden. Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende und hinterließ viele Impulse zum weiteren Nachdenken.
Corinna Jäger
11. Tag - Dienstag, 13. Juli
Wieder einmal heißt es: früh aufstehen, denn wir fahren heute in die judäische Wüste.
Es wird heiß werden, uns erwartet ein Tag mit Natur pur! Doch zuerst einmal müssen wir die Stadt Jerusalem hinter uns lassen. Wir fahren in Richtung Totes Meer, den Weg in umgekehrter Richtung, als wir ihn am Freitag von Jericho her gekommen sind. Die Straße führt vorbei am Zionsberg - der Name beinhaltet die messianischen und endzeitlichen Hoffnungen, die mit Jerusalem verbunden werden. Deshalb singen wir mitten im Sommer das Weihnachtslied „Tochter Zion, freue dich!“. Auf unserem Weg machen wir zwei kurze Fotostops: einmal, um einen Blick ins Wadi Kelt zu werfen (Wind und Wasser haben einen faszinierenden Canyon in der Wüstenlandschaft entstehen lassen), hier werden wir von Beduinen umringt, die uns Tücher und Ketten verkaufen wollen - auch ein Kamelritt wäre im Angebot gewesen- doch wir wollten ja weiter. Der zweite Stopp ist am so genannten „Sea Level“, d.h. von jetzt an verläuft unser Weg unterhalb des Meeresspiegels. Beim Stopp an einer Tank- und Raststätte beobachten wir einen israelischen Polizisten, der mitten im Trubel seinen Gebetsschal umgelegt und sein Gebetsbuch aufgeschlagen hat und nun in sich gekehrt sein Morgengebet verrichtet. Nachdem wir den Abzweig nach Jericho erreicht haben, wenden wir uns diesmal nach Süden und folgen der Straße Richtung Eilat. Linker Hand das Tote Meer, rechts die judäischen Berge, mit den ausgetrockneten Wadis (Flusstäler), die - kaum vorstellbar- im Spätwinter zu reißenden Bächen werden können.
Nach ca. einer Stunde Fahrt erreichen wir die dann die Oase En Gedi.
In En Gedi gibt es viele Tiere, zum Beispiel Klippdachse und Steinböcke. Beim Wasserfall mit Badewanne waren fast alle drin (außer die, die fotografierten), dann ging’s kurz zum etwas höher gelegenen, größeren Wasserfall, dann eine Eispause und „schon“ geht’s wieder in den Bus. Andreas macht eine kurze Ansage, wer etwas vergessen hat. Matthias meldet sich und sagt „Meine Badehose ist weg!“ Da meldet sich Alicia und ruft „Ich weiß, wo sie ist!“ Matthias verspricht ihr drei Eiskugeln.(Alicia)
Die Oase En Gedi wird übrigens bereits im Alten Testament erwähnt. Eine spannende Geschichte um den jungen David ist nachzulesen in 1. Samuel, Kapitel 24.
Wir halten kurz bei den Ausgrabungen einer kleinen Synagoge mit Fußbodenmosaik, deren Grundriss uns ja nicht mehr neu ist. In der Nähe des Parkplatzes können wir noch mal einen Steinbock (sogar mit Jungen) und weitere Klippdachse beobachten.
Auf dem Rückweg, wieder entlang des Toten Meeres, fällt auf, wie dramatisch der Wasserspiegel in den letzten Jahren gesunken ist. Doch bevor wir uns in dieses besondere Gewässer wagen, besuchen wir noch die Ausgrabungen von Qumran. Nach einem einführenden Film im sehr (!) klimatisierten Visitors-Center kam uns die Hitze draußen vor wie eine Wand. Trotzdem wagten sich die meisten in die Ruinen der ausgegrabenen Essener-Siedlung. Den Erläuterungen von Andreas konnten wir zum Glück im Schatten lauschen:
In Qumran siedelte im ersten Jet. v. Chr. eine Gruppe der Essener, einer straff organisierten religiösen Sondergemeinschaft innerhalb des Judentums, die sich selbst für die Kinder des Lichts und alle anderen für die Söhne der Finsternis hielt und mit dem baldigen Ende der Welt rechnete. Zufällig entdeckten in den 40er Jahren Beduinen in den Höhlen unweit der Siedlung sehr alte Schriftrollen und -fragmente in Tonkrügen. Darunter waren die Regeln der Essener und vor allem viele Teile von alttestamentlichen Schriften. Der bedeutendste Fund darunter war eine Rolle, die den vollständigen Text des Propheten Jesaja enthält. Obwohl zwischen den Funden aus Qumran und der bis dahin ältesten bekannten Handschrift mehr als tausend Jahre liegen, entdeckte man eine Übereinstimmung der Texte bis ins kleinste Detail.
Nach dem Mittagessen im Schnellrestaurant begann es dann endlich: das Abenteuer ‚Baden im Toten Meer’. Die Außentemperaturen fühlten sich an wie in einer Sauna, leider brachte das Wasser keinerlei Abkühlung, nur ein ungewohntes Körpergefühl, das nicht alle angenehm fanden. Natürlich wurden die obligatorischen Fotos gemacht, auch mit unserer „Heimat-Zeitung“ als Beweis! Einige unerschrockene probierten auch die Ganzkörper-Schlammpackung mit dem dunklen Matsch aus.
Schließlich waren alle froh, als wir gegen 16:00 Uhr wieder zurück ins „kühle“ Jerusalem fuhren, wo jede(r) den freien Abend individuell genießen konnte.
Elke Kirchner-Goetze
12. Tag – Mittwoch, 14. Juli
1. Am Vormittag waren wir schon wieder früh auf den Beinen.
Nach dem Frühstück stellte sich wie üblich die Frage: „Brauchen wir HEUTE <heilige Kleidung>? Auch für diesen Reisetag galt es wieder ab in die lange Hose oder den langen Rock und für die Frauen bedeutete dies zusätzlich die Schultern bedeckt zu halten.
Zunächst besuchten wir den Felsendom. Bedrückend waren die Kontrollen und die bewaffneten Soldaten auf dem Platz des Felsendoms, dem Heiligsten der Muslime. Die Soldaten sind dort anwesend seit dem Jahre 2000, als Sharon mit Militär auf dem Platz kam
und es zu Auseinandersetzungen kam.
Der Felsendom wurde im Jahre 638 von Omar gebaut, ein Meditationsraum in Form eines Oktagons verziert mit Paradiesbildern, keine figürliche Darstellungen. Die Kuppel ist identisch von der Größe her mit der der Grabeskirche. Vor dem Felsendom befindet sich eine kleine Kapelle von wo aus Mohammad seine Himmelsreise antrat. Unter dem Felsendom stand sich der 1. Tempel, der von Salomon erbaut wurde. Überall auf dem Gelände rund um den Felsendom und die Moschee treffen wir neben all den vielen Touristen auf gläubige Muslime, die sich in Kleingruppen zum Gespräch versammelt haben. Die Aussicht über Jerusalem ist von diesem Platz aus sehr gut. Man kann die Stadt sehr gut erkennen und man kann die Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes gut nachempfinden.
2. Nach dem Packen und Räumen des Quartiers geht die Reise weiter nach Bethlehem. Zunächst machten wir Halt bei den Hirtenfeldern. Ein sehr friedlicher Ort. Hier kann man nachempfinden, wie es vor 2000 Jahren war, als die Engel den Hirten erschienen sind. Die Hirten standen vor 2000 Jahren am Rande der Gesellschaft. Mit ihren Herden mussten sie weit außerhalb von Behausungen aufhalten. In diesem Gebiet gibt es viele Felsengrotten und in einer von diesen kam Jesus zur Welt.
Auf dem Weg von Israel nach Bethlehem mussten wir durch den Checkpoint an der Mauer, um in die Westbank zu gelangen. Gegen diese Mauer war die Berliner Mauer nur ein“ Mäuerchen“. Es war unheimlich und bedrückend. Ein Gefühl von Beklemmung und Wut darüber, dass Menschen praktisch lebendig eingesperrt werden machte sich breit.
3. Anschließend, nachdem unsere Gruppe in den Souvenirshop am Eingang der Hirtenfelder eingefallen war, ging es weiter nach Bethlehem. Ursprünglich waren 80 Prozent der Einwohner Bethlehems Christen. Doch durch Abwanderungen hat sich das Bild der Stadt verändert. Heute leben nur noch 35 % Christen. In die Häuser der Christen sind immer mehr Muslime eingezogen, die nun die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen.
Wir besuchten die Geburtskirche. Bethlehem ist geschichtlich schon weit vor Christi Geburt erwähnt. Es war damals schon ein heiliger Ort. Hier wurde die Fruchtbarkeitsgöttin verehrt (Mitraskult). Dieser Mitraskult wurde mit dem römischen Sonnengott verbunden. Weihnachten am 25. Dezember war damals der Geburtstag des römischen Sonnengottes.
Daher feiern wir seit dem 4. Jh. Weihnachten am 25.12. Dass die Geburtskirche so gut erhalten war und man daher die Geburtsstätte Jesu zu 95 % Wahrscheinlichkeit dem heutigen Ort der Geburtskirche zuordnen kann, liegt daran, dass Kaiser Hadrian einen Tempel darüber erbauen ließ. Die Befestigungsmauern an der Kirche sind heut noch zu sehen. Bevor man die Kirche betritt, musste man sich am Eingang sehr bücken, um sich nicht den Kopf anzustoßen. Wir rätselten darüber, ob die damaligen Menschen tatsächlich so klein waren. Andreas löste das Rätsel auf. Der Eingang wurde bewusst so niedrig gehalten, damit keine Reiter mit Pferd in die Kirche reiten konnten. Bethlehm gilt auch als Geburtsort David. Da Maria und Josef in Bethlehem geboren waren, mussten Maria u. Josef zur Volkszählung in ihre Geburtsstadt.
Zum Mittagessen waren wir Gäste im arabischen Restaurant der Familie Hasboun.
Für uns Eltern war es eine besondere Freude Felix zu unserer Mittagspause begrüßen zu dürfen. Er berichtete unserer Tischgruppe schon ein wenig über sein Jahr im Heiligen Land und erklärte uns die eine oder andere Speise unseres leckeren arabischen Gerichtes.
Nach dem Mittagessen wurde Bethlehem in Kleingruppen entdeckt. Wir waren in unsrer Gruppe – Dank Felix- recht erfolgreich beim Handeln; jedoch sehr zum Leid unserer besseren Hälften.
4. Am Nachmittag besuchten wir das einzige Babyhospital in der Westbank, direkt an der Mauer. Die Gesundheitsversorgung ist in den Westbank katastrophal. Es gibt keine Krankenversicherung; Medikamente und ärztliche Versorgung gibt es kaum. Krankenhäuser auf der israelischen Seite dürfen nicht angesteuert werden.
Empfangen wurden wir von einer Ärztin, die in Talitha zur Schule gegangen war und in Freiburg studiert hatte. Sie kehrte in ihr Heimatland zurück, obwohl sie wusste, dass sie es mit vielen Widerständen zu tun haben wird. Viele wandern nämlich aus, vor allem wenn sie durch Stipendien dazu die Chance bekommen, weil ihnen in der Westbank die Existenzgrundlagen fehlen.
Unsere Gemeinde überreichte zum Schluss einen Scheck für das Babyhospital. Das Geld wurde u. a. auch zu Gunsten des Charitas-Hospitals anlässlich unseres Benefizkonzertes im März 2010 gespendet.
5. Gegen 17.30 Uhr kamen wir nach einer abenteuerlichen Fahrt in Beit Sahour in der lutherischen Schule an. Dort wurden wir schon am Tor von Rabbi dem „Patenkind“ unserer Kindergottesdienstgruppe, dessen Vater und dem zuständigen Pfarrer Imad Haddad erwartet und herzlich begrüßt.
In den vergangenen Jahren wurde regelmäßig und verantwortlich für diese Patenschaft im Kindergottesdienst gesammelt, immer wieder neuen Besuchern von Rabbi erzählt und schriftlich Kontakt zu Rabbi gehalten. So war es bestimmt für Gabi, die diese Aufgabe sehr verantwortlich mit übernommen hatte, ein ganz besonderes Erlebnis gerade diese Schule auf unserer Rundreise besuchen zu dürfen. Sie überreichte das Geschenk für Rabbi von den Jügesheimer Kindern und war ihm das erste Mal ganz nah.
Im Gemeindehaus stellte Rabbi sich mit Hilfe seines Vaters und des Pfarrers vor und erzählte von seinem Leben vor, während und nach der Schule Rabbi ist, wie unsere Kinder auch, ein Schüler der die Pausen, Sport, Computer und Games mag. Er ist Mitglied der Pfadfindergruppe und war dieses Jahr das erste Mal mit dieser Gruppe verreist. Rabbis Vater bedankte sich recht herzlich für die Unterstützung durch unseren Kindergottesdienst-Kreis.
Trotz der vielen verschiedenen Eindrücke, die wir an diesem Tag schon in Jerusalem und Bethlehem gewonnen hatten, wurden wir wieder nicht müde zu fragen, zu fragen und zu fragen. So und nur so erfuhren wir Vieles über das Leben der Menschen in Palästina. Besonders beeindruckt hat uns dieser junge Pfarrer Herr Haddad mit seiner Vision durch seine Arbeit als Pfarrer hier in der Schule und Gemeinde Einfluss zu nehmen auf die Gesellschaft: „Wir hatten genug schlechte Zeiten; Zeiten in denen wir weinen mussten, in denen wir nichts getan haben. Nun ist es Zeit zu leben, nicht nur zu überleben; das Leben zu genießen! Wir müssen beginnen zu leben. Die Mauern in uns sind schlimm. Darum müssen wir die Fenster darin öffnen um ein Licht zu haben in uns, ohne unsere Situation zu vergessen.
Hiermit beginnen wir in der Schule. Wir sprechen über unsere Visionen, Sehnsüchte und Enttäuschungen. Unsere Hauptmission ist Ostern zu predigen und die Schüler dabei an die Hand nehmen.“ Imad Haddad weiß um die Probleme der Kinder und Jugendlichen. Viele von ihnen sind unzufrieden oder gar traumatisiert; Gewalt ist auch eines der Tagesthemen. Er und die Lehrer der Schule arbeiten intensiv daran „ihre Kinder nicht an die Gewalt zu verlieren“. Daher gibt es neben den verschiedenen Freizeitangeboten von Kirche und Vereinen, ein Trainingsprogramm zur Förderung des Gewaltabbaus und des sozialen Umgangs. Dem Pfarrer ist auch klar, dass diese Arbeit auf beiden Seiten der Mauer stattfinden muss, um wirklich etwas erreichen zu können, denn “Gewalt klopft in Köpfen“!
Auch wenn die Palästinenser wissen, dass es keine konkrete Lösung schon MORGEN für all die Probleme geben kann, müssen sie dennoch HEUTE beginnen die Zukunft positiv zu verändern.
Im Anschluss an dieses beeindruckende Gespräch machten wir noch einen Rundgang auf dem Schul- und Gemeindegelände. Nach einem„Fotoshooting“ für die Heimat ging es zurück zum Bus. Naja, beinahe hätten wir unseren Pfarrer verloren, weil der mal gerade so zufällig alte Bekannte in den Straßen von Beit Sahour getroffen hat! Aber verloren ist uns auch an diesem Tag keiner gegangen und so konnten wir unsere Fahrt zum neuen Quartier fortsetzen. Die vielen Eindrücke und Begegnungen mit Menschen auf der palästinensischen Seite haben unsere Herzen sehr berührt.
„Talitha Kumi“, unser letztes Quartier auf unserer Rundreise, liegt eingebettet in einen kleinen Wald ca. 900 m über dem Meeresspiegel. Wir brauchten keine 20 Minuten für die Anfahrt aus Beit Sahour. Das Schulzentrum und Gästehaus gleicht einer kleinen Oase. Man verlässt das städt. Treiben, den Staub, die Hitze, fährt durch ein Tor und kommt an einem wunderschönen Fleckchen Erde an. Die Menschen empfangen uns freundlich, wir beziehen unsere Zimmer und kommen zur Ruhe – für einen Moment. Denn zum Abschluss des Tages treffen wir uns alle noch einmal beim Abendessen und anschließendem gemütlichen Beisammensein. Wir können nun Felix sehr gut verstehen, der sich dort im vergangenen Jahr wirklich zu Hause fühlen konnte.
Nicola und Peter Otto
13. Tag - Donnerstag, 15. Juli - vormittags
Talitha Kumi
Nach reichhaltigem Frühstück und guten Geschäften mit dem Geldwechsler trafen wir uns im Blauen Salon, einem der Seminarräume im Gästehaus der Schule. Nach ein paar einführenden Worten durch Herrn Goetze begrüßte uns der Verwaltungsleiter der Schule. Zunächst berichtete er uns über die momentane Situation:
Die Westbank und der Gazastreifen wurden 1995 im Interimsabkommen über das Westjordanland und den Gazastreifen in drei Zonen eingeteilt. Die Palästinensischen Autonomiegebiete stellen die Zonen A und B dar, das übrige Westjordanland entspricht der unter vollständiger israelischer Kontrolle stehenden Zone C. Die Autonomiebehörde darf alle Entscheidungen, die die Zone A betreffen allein treffen, solche für die Zone B teilweise nur mit Erlaubnis Israels. Talitha Kumi liegt in der Zone B. Das bedeutet, dass hierher Palästinenser und Israelis kommen dürfen (und zurzeit auch noch können). Obwohl die Mauer, die Israel baut, das Leben hier sehr beeinträchtigt, ist das größere Problem die Mauer in den Köpfen der Menschen. Auf beiden Seiten! Ein erklärtes und auch gelebtes Ziel dieser Schule ist es, diese Mauer durch Begegnung und Kontakte zu minimieren und nach Möglichkeit vollständig zu beseitigen. Der Verwaltungsleiter bedankte sich bei uns, dass wir auf unserer Pilgerreise auch hier Quartier genommen haben. Unser Kommen zeigt Solidarität mit den Menschen, die hier leben. Diese Solidarität haben sie dringend nötig.
Weiterhin erhielten wir einen Überblick über die Schule, der auch ein Kindergarten, ein Internat für Mädchen und eine Fachhochschule angegliedert sind.
Zur Finanzierung benötigt die Schule etwa € 1400.- je Schüler pro Jahr. Ein Drittel davon müsste durch Schulgeld eingenommen werden. Da die Arbeitslosenquote bei etwa 60% liegt, ist es nicht für alle Eltern möglich das Schulgeld aufzubringen. Daher wird die Höhe je nach den Möglichkeiten der Eltern festgelegt. Es kann auch in Naturalien und durch Abarbeiten erbracht werden. Die restliche Finanzierung besteht aus Spenden, Einnahmen aus dem Gästehaus und Erträgen wie Olivenöl und Wein aus den Ländereien. Interessant war in diesem Zusammenhang zu erfahren, dass zu den Ländereien auch ein Grundstück mit Olivenbäumen auf dem Ölberg bei Jerusalem gehört. Wegen der Mauer durften keine hiesigen Arbeiter zur Ernte reisen. Dennoch wurde die Ernte eingebracht! Die 12 Volontäre haben sich um das Olivenöl verdient gemacht. Es handelt sich um sehr hochwertiges Öl, da die Oliven von Hand gepflückt, handverlesen und kalt gepresst wurden. Es wird in mundgeblasenen Flaschen aus Hebron verkauft. Erfreulicherweise ist es sogar in Frankfurt zu haben (siehe Ende des Berichts).
Die Arbeitslosigkeit ist so hoch, weil Israel die Grenzen für Palästinenser aus der Westbank geschlossen hat. Wir erfuhren, dass sich an den Checkpoints täglich Arbeitwillige- und suchende einfinden. Sie können dann von Israelis bei Bedarf tageweise nach Israel geholt werden. Bei diesen Jobs spricht man von 3-D-Jobs à dirty, dangerous, difficult (schmutzig, gefährlich, schwierig).
Zum Abschluss des Gesprächs wurden wir auf das Dach des Schulgebäudes geführt. Von hier hatten wir eine herrliche Aussicht. Die Freude über die Aussicht wurde doch stark getrübt. In unmittelbarere Nähe, am Fuß des Hügels, hatten wir einen Checkpoint und die Mauer vor Augen. Wir konnten sehen, wie die Mauer die Ortschaft Beit Jala einengt und teilweise gar durchschneidet. Wir lernten auch, dass die Palästinenser selbst auf ihrem eigenen Land nichts umbauen oder gar neu bauen dürfen. Es wird einmal wöchentlich ein Satellitenbild angefertigt. Bei erkennbaren baulichen Veränderungen –auch geringster Art- wird durch israelische Bulldozer sofort alles eingeebnet.
Hebron
Nachdem wir die Informationen und Eindrücke vom Dach sicherlich noch nicht verarbeitet, jedoch versucht haben, das alles vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zur späteren Verarbeitung zu verschieben, stand der Bus zur Fahrt nach Hebron bereit. Zum Glück wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, welche Eindrücke ich an diesem Tage noch ins Langzeitgedächtnis verschieben musste…
Nun, zunächst kamen wir nach sehr kurzer Fahrt an einen Checkpoint. Nach sehr kurzem Stopp durften wir dann auf der Road 60 weiterfahren. Während der Fahrt informierte uns Herr Goetze über Hebrons Geschichte und die Bewohner. Hebron ist eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt. Zur Kreuzfahrerzeit waren die Einwohner fanatisch christlich. Seit der Eroberung durch Saladin im Jahre 1178 sind sie jedoch fanatisch muslimisch. Diesem Umstand zufolge hatten wir auch schon unsere Kleidung entsprechend gewählt. Die Menschen in Hebron haben unter den Palästinensern den Ruf ein besonderer Menschenschlag zu sein; vergleichbar mit dem Ruf der Ostfriesen in Deutschland. Sie gelten aber auch als sehr arbeitsam und mutig. Weil sie so fleißig sind, gibt es hier fast alles zu kaufen.
Eine weitere interessante Information war der Hinweis, dass wir durchaus auch hin und wieder blonde, blauäugige Palästinenser sehen könnten. Sie sind Nachkommen von Kreuzfahrern. Ich muss gestehen, dass ich während der folgenden Stunden aufgrund der auf uns einstürzenden Eindrücke nicht nach blonden Palästinensern Ausschau gehalten habe.
Das Ziel unserer Busfahrt war die Altstadt von Hebron. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto chaotischer wurde das Leben auf der Straße. Gefährte in allen Größen, vom Handkarren bis zum Eselskarren und natürlich auch Autos, versperrten uns den Weg. Zu beiden Seiten der Straße gab es größere und kleinere Geschäfte. Sie wurden mit Hilfe der Fahrzeuge beliefert oder es wurden Waren abgeholt. Wir bewunderten unseren Busfahrer einerseits für sein Geschick, andererseits aber auch für seinen Mut, sich mit seinem sehr gut erhaltenen Bus immer tiefer in die Altstadt vorzuwagen. Nach einigen Minuten schien sich das Chaos ein wenig zu lichten. Wir bemerkten, dass ein palästinensischer Polizist vor unserem Bus herlief und uns den Weg frei machte. So kamen wir wenigstens von Zeit zu Zeit einige Meter voran. An einer Kreuzung bemerkten wir einige europäisch wirkende Frauen, die uns zuwinkten. Sie trugen Westen, die auf dem Rücken mit „EAPPI“ in großen Buchstaben bedruckt waren. Diese Frauen waren zu fuß erheblich schneller als wir mit unserem Bus. Mit diesen Frauen waren wir verabredet. Sie wollten uns als ortkundige durch die Altstadt führen. Nach einiger Zeit hatten wir das Ende der für unseren Bus befahrbaren Straße erreicht. Jetzt kam noch größere Bewunderung für unseren Fahrer auf: Er blockierte erst einmal die Kreuzung, auf der wir standen. Dann zwängte er sich rückwärts fahrend in eine Seitenstraße und an hier parkenden Autos und Karren vorbei, um den Bus dann am Straßenrand zu parken. Lang anhaltender Applaus war der Lohn für seine großartige Leistung.
Nach dem Aussteigen fiel unser Blick auf einen israelischen Wachtturm, der fast in der Mitte der Kreuzung steht. Er ist der Eckpunkt einer
Befestigungsanlage, die israelisches Siedlungsgebiet mitten in Hebron schützen soll. Dieser Anblick und die verhältnismäßige Ruhe auf der Kreuzung, die in totalem Gegensatz zu dem bis vor ein paar Minuten gesehenen bunten Treiben steht, ließen schon ein eigenartig beklemmendes Gefühl aufkommen.
Hier warteten auch schon die EAPPI - Frauen auf uns. Wir erhielten die ersten Regeln für unser Verhalten während des Besuchs. Die wichtigste Regel: Fotografieren ja, jedoch nichts Militärisches! Wir folgten den Damen durch einige Gassen der Altstadt bis wir vor einer permanenten Straßensperre halten mussten.
Unmittelbar am Stacheldraht befand sich eine kleine Tür. Über eine Treppe führten uns die Damen in ein höher gelegenes Stockwerk. Hier waren wurden wir von Vertretern einer weiteren Organisation, nämlich HRC, in einem kleinen Raum empfangen. Zuerst stellten sich die beiden Organisationen vor:
EAPPI Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel
(ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel)
Das Programm wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen koordiniert und läuft seit August 2002. Ökumenische Begleitpersonen beobachten die Menschenrechtslage und dokumentieren und melden Verstöße. Sie gewähren Palästinenserkindern auf ihrem Schulweg durch ihre gewaltlose Präsenz Schutz vor Übergriffen radikaler jüdischer Siedler. Sie unterstützen auch Aktionen gewaltlosen Widerstands christlicher und muslimischer Palästinenser und israelischer Friedensaktivisten (die es auch gibt!). Einen tieferen Einblick in die Arbeit und die Dokumentationen dieser Organisation findet man im Internet unter www.eappi.org (auch in Deutsch).
HRC Hebron Rehabilitation Committee
Die Organisation 1996 gegründet um Hebrons kulturelles Erbe zu bewahren und die Altstadt vor der Ausbreitung jüdischer Siedler zu schützen. Dies geschieht indem sie die an jüdische Siedlungen grenzenden Häuser nicht verfallen lassen, sondern sie bewohnbar erhalten oder wieder herrichten. Die Ziele und Aktivitäten können im Internet unter www.hebronrc.org verfolgt werden.
Sie arbeiten auch eng zusammen mit
CPT Christian Peacemaker Team
Einer christlichen Organisation, die gleiche bzw. ähnliche Ziele wie EAPPI verfolgt. Auch ihre Aktivitäten sind unter www.cpt.org zu verfolgen.
Nachdem sich die Organisationen vorgestellt hatten, berichtete der Public Relation Director des HRC in einem Diavortrag über die Situation in Hebron und ihre Aktivitäten. Er führte aus, dass die ca. 5500 Jahre alte Stadt große Bedeutung für alle 3 Religionen hat. Die Religionen hätten miteinander kein Problem. Das Problem sei die Besatzung. Im Jahre 1968 mieteten sich radikale Juden in einem Hotel im Zentrum der Altstadt ein. Damals ein durchaus normaler Vorgang. Es wurde erst zum Problem als sie nicht mehr gingen. Hier entstand die Keimzelle der jüdischen Siedlung. Um die Siedler zu schützen kam dann israelisches Militär. Seitdem wächst sie wie ein Krebsgeschwür. Es gab alten jüdischen Besitz in Hebron, der wieder übernommen wurde. Damit hatte niemand ein Problem. Die Probleme entstanden erst als zur „Selbstsicherung“ gleich ein ganzer Umkreis im Schutze des Militärs besetzt wurde. So wuchsen die Zellen zusammen. Er berichtete, dass 400 sehr aggressive Siedler von etwa 1500 Soldaten „beschützt“ werden.
Um diesem Ausbreitungsdrang zu begegnen, wird die Altstadt von HRC und CPT unter größten Schwierigkeiten renoviert und wieder aufgebaut. Da die Besatzer den Verkehr mit Autos unterbinden, werden die Baumaterialien mit Eseln und Pferden transportiert. Mit den erneuerten Bauten kehrt wieder Leben in die Altstadt zurück. Die Zahl der Bewohner siedlungsnaher Häuser ist bereits von 900 auf 5500 gestiegen.
Am Ende des beeindruckenden Vortrags übernahmen die EAPPI – Damen wieder das Kommando. Sie führten uns auf das Dach. Von dort aus hatte man einen eindrucksvollen Ausblick auf die Altstadt und die Siedlung mitten darin. Man konnte nicht glauben, was man sah. Die Grenze der Siedlung war greifbar nahe auf der gegenüberliegenden Seite der schmalen Straße. Die oberen Stockwerke der Häuser hatten sich die Siedler bereits angeeignet, währen auf Straßenniveau noch ein palästinensischer Laden geöffnet hatte (siehe Foto oben) und Taschen zum Verkauf anbot. Ich befürchte, dass dort aufgrund der Lage keine großen Umsätze zustande kommen.
Die Damen wollten uns nun durch die Altstadt und falls heute möglich zur Moschee mit Abrahams Grab führen. Wir wurden belehrt, dass wir eng beieinander bleiben sollten, damit sie bei den Erläuterungen unterwegs nicht so laut sprechen müssen. Es wären überall Siedler, die auch englisch verstehen. Ebenso wären auch „undercover“ Soldaten unterwegs, die uns das Leben schwer machen könnten. So zogen wir dann los. In den Straßen der Altstadt, die an die Siedlung grenzten, waren die Geschäfte aufgrund militärischer Anordnung geschlossen. Angeblich aus Sicherheitsgründen. Wir gingen immer wieder an ganzen Zeilen von geschlossenen Geschäften vorbei. Manches mal konnte mein Kopf nicht erfassen, was ihm die Augen berichteten: Es gab Straßen, in denen unten beiderseits arabische Geschäfte geöffnet hatten, während die über den Geschäften gelegenen Stockwerke der Häuser von Siedlern besetzt waren. Oben auf den Dächern waren dann noch Soldaten zu sehen, die das alles beobachteten.
Die Siedler würden nun auch gern die palästinensischen Geschäftleute und die Menschen auf der Straße vertreiben, um dann auch die unteren Stockwerke besetzen zu können. Also bewerfen sie die unten lebenden Menschen (eigentlich doch Nachbarn!) mit allem Unrat, dessen sie sich entledigen wollen. Sogar Steine aller Größen sind dabei. Um nicht ständig alles auf den Kopf zu bekommen, haben Bewohner der unteren Wohnungen Netze über die Straße gespannt. Und von ganz oben schauen die Soldaten zu!
Nach einiger Zeit kamen wir auf eine relativ breite Straße. Früher war es mal die Haupteinkaufsstraße. Heute ist sie permanent gesperrt. Wir gehen auf einen Checkpoint zu. Jetzt wird sich entscheiden, wie die diensthabenden Soldaten heute gelaunt sind. Offenbar recht gut, denn wir können ohne größere Schwierigkeiten passieren. Diesen Punkt dürfen je nach Laune der Soldaten auch Palästinenser passieren. Wir gingen nun auf der einstmaligen Prachtstraße weiter. Hier sind alle Geschäfte geschlossen und die Türen von den Besatzern zugeschweißt worden. Es herrscht eine bedrückende Ruhe. Die Fenster der Wohnungen, die noch von Palästinensern bewohnt werden müssen engmaschig vergittert sein, damit „nichts aus dem Fenster geworfen“ werden kann. Einige hundert Meter nach dem Kontrollpunkt kamen wir an einen Punkt auf der Straße, ab dem sie kein Palästinenser mehr begehen darf. Wir sind privilegiert und dürfen weitergehen. Dabei sehen wir das Haus, in dem wir den Vortrag gehört hatten und die Straßensperre, vor der wir auf der anderen Seite schon standen. Auch der Laden mit den Taschen ist in Sichtweite. Da wird einem der Irrsinn noch bewusster und man fragt sich, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können. Ein weiterer Checkpoint versperrt uns den Weg. Hier ist der Zugang zur Moschee mit Abrahams Grab. Wir haben Glück. Wir dürfen passieren. Jedoch sind die Kontrollen der Tascheninhalte erheblich intensiver.
Otto Zeller
13. Tag - Donnerstag, 15. Juli - Nachmittag und Abend
Nach einem anstrengenden Vormittag in Hebron bei einer Präsentation mit einer Fülle von Informationen von Walid Alhalaweh beim Hebron Rehabilitation Committee machten wir uns auf den Weg zur Moschee. Wir wurden von drei Frauen, die für 3 Monate freiwillig bei der christlichen Hilfsorganisation EAPPI (The Ecumencial Accompaniment Programme in Palestine and Israel. Info unter www.eappi.org ) arbeiten, zu unserer Sicherheit begleitet.
Der Weg führte durch orientalische Basare zum Checkpoint. Mit sehr gemischten Gefühlen gingen durch ein von Israelis stark bewachtes palästinensisches Gebiet. Eine sehr bedrückende, ängstliche, unheimliche und traurige Stimmung! Danach wieder durch einen Checkpoint :
Schweizer Messer mussten zurückgelassen werden! Wir gingen in die Moschee um die Gräber von Abraham, Isaak, Rebecca und Sarah zu besichtigen. Viele Frauen aus unserer Gruppe waren den muslimischen Kontrolleuren nicht ausreichend bedeckt und mussten sich lange, graue Kapuzenmäntel überziehen! Es gibt davon schöne Fotos. Anschließend liefen wir wieder durch arabische Märkte und gingen zur Stärkung in ein Schnellrestaurant.
Endlich raus aus Hebron, dem Gewusel – " arabisch: "Fouda" (Chaos). Zwischenstopp für Getränkeeinkauf!
Dann ein Besuch in einer Glasbläserei und Stöbern bei den vielen Angeboten von Glas- und
Keramikwaren. Danach fuhren wir weiter vorbei an Tomatenfelder mit Tropfenberieselung und standen im Stau von wo aus wir das Flüchtlingslager mit 25000 Menschen sehen konnten, was reichlich Nährboden für Auseinandersetzungen gibt.
An Efrata vorbei zum Grundstück der Familie Nassar, dem „ Zelt der Völker“, wo wir zum Tee eingeladen wurden und eine ausführliche Information über die momentane Situation bekamen. Es gibt hier kaum Wasser, Strom und die Israelis haben viele Olivenbäume zerstört. „Zelt der Völker“ setzt alles daran, dass das Land, das auch „Dahers Weinberg“ genannt wird, vor Enteignung zu retten, indem dort ein Ort der Begegnung zwischen jungen Einheimischen und internationalen Jugendlichen geschaffen wurde. Das Ziel dieser Projekte ist, Jugendliche auf eine bessere Zukunft vorzubereiten und das Bewusstsein für ein Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken. Auf breiter Ebene Brücken der Verständigung, Versöhnung und des Friedens zu bauen. Denn ein Land ohne Menschen wie auch Menschen ohne ein Land haben keine Zukunft! „Zelt der Völker“ hat sich zur Aufgabe gemacht jungen Leuten aus der ganzen Welt, die mit Kulturkonflikten konfrontiert sind, inkl. dem Israel/Palästina Konflikt, Begegnungen zu ermöglichen um ihnen positive Erfahrungen zu vermitteln. „Zelt der Völker“ hat den Traum des palästinensischen Christen Bishara Nassar erfüllt, der sein ganzes Leben lang teils in Bethlehem und teils auf dem Land wohnte. Sein Wunsch war es, auf dem Familienbesitz ein Netzwerk von Jugendprojekten aufzubauen, sowie einen Raum für Jugendaktivitäten einzurichten. Bishara starb 1976, doch sein Familie setzte die Arbeit fort um die Vision aufrecht zu erhalten. Das Engagement, das positive Denken und die Hoffnung auf Frieden ist bemerkenswert und beispielhaft!!!!! Informationen: www.tentofnations.org
Wir fuhren zum Herodion Berg weiter – zum Duschen!
Wir sahen noch mal die Ausläufer von Efrata im Abendlicht. In den Außenbezirken ist überall Polizei präsent. Wir fuhren nach Talitha Kumi – kurze Pause zum Frischmachen und weiter geht es im Programm! Einladung bei Faten Mukarker und ihrem Mann, der uns wunderbar bekochte. Sie hatten ein mehrgängiges arabisches Menü für uns zubereitet und hatten für uns das ganze Wohnzimmer ausgeräumt und mit Tischen und Stühlen versehen!
Während wir das Essen genossen, erzählte uns Faten Mukarker als christliche Palästinenserin, der arabischen Kultur verpflichtet, über ihr Leben und das ihrer Familie in diesem Land. Sie haben vier erwachsene Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter und ein Enkelkind. Sie beschrieb den Alltag sehr eindrucksvoll und spannungsreich mit vielen lustigen Beispielen. Sie hört jeden Morgen den Mueezin und ist dann immer froh über „ihren Gott“. Bei den Arabern ist es üblich einen Rest im Teller zu lassen wenn man satt ist. Wenn der Teller leer ist, wird immer wieder nachgelegt! Sie war mit ihrer Tochter Eis essen auf der Strasse (was dort unüblich ist), ein Mann sagte zu ihr: „Ich wollte ich wäre ein Eis!“ Viele von unserer Gruppe haben Faten Mukarker schon bei ihrem Besuch in der Emmausgemeinde in Jügesheim erlebt. Sie ist in Bethlehem geboren, aber in Deutschland aufgewachsen. Mit 20 Jahren mit ihren Eltern zu einem Heimaturlaub zurückgekehrt und wurde dort nach ihrer Tradition verheiratet. Sie sagt sie habe Glück gehabt mit Nikola. Seit dem leben sie in Beit Jala bei Jerusalem. Hier durchlebten sie die Schrecken der Intifada und des Golfkrieges. Sie haben Angst vor einer 3. Intifada und der politischen Situation. Der Weg zum Frieden ist angekündigt, aber er scheint weiter denn je. Durch die Nachrichten, die uns in Deutschland aus Palästina erreichen, erfahren wir nichts über das Leben dort. Doch es gibt auf beiden Seiten der Mauer Menschen, die an einen gerechten Frieden glauben.
Satt und müde und frohen Herzens fuhren wir nach Talitha Kumi in unser Nachtquartier.
Lisa Bischoff und Maria Dries
14. Tag - Freitag, 16. Juli
„Vormittags im Israel-Museum mit ‚Schrein des Buches’, Nachmittag zur freien Verfügung in Jerusalem.“ Das war der offizielle Text für den Freitag in der Reiseplanung. Doch bevor wir uns mit dem Bus auf die Reise nach Jerusalem machten, kam bereits der erste Höhepunkt des Tages: der Shop in Talitha Kumi öffnete für uns seine Pforten. Bestseller war wohl das kalt gepresste Olivenöl. Nachdem eine Menge Schekel und Euro ausgegeben waren, bestiegen wir den Bus nach Jerusalem. Begleitet wurde die Busfahrt von der Tageslosung für den Tag:
Lobet Gott in den Versammlungen.
Psalm 68,27
Alle, die gläubig geworden waren, waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott.
Apostelgeschichte 2,44.46-47
So kamen wir am Israel Museum an, dass für uns zwei Höhepunkte enthielt: das Jerusalem-Modell sowie den Schrein des Buches.
Das Modell von Jerusalem (Maßstab 1:50) zeigte uns die Stadt im Jahre 66 nach Christus; dem Jahr, in dem der Aufstand gegen die Römer begann und der dann auch zur Zerstörung der Stadt und des Tempels führte. In dieser Zeit war die Stadt mehr als doppelt so groß wie die Altstadt Jerusalems heute. Das Modell zeigt daher Jerusalem in seiner Blütezeit vor der Zerstörung. Auffällig ist dabei die Dimension des Tempels, die das Modell sehr anschaulich wiedergibt.
Danach sahen wir zur Einstimmung auf die Ausstellung ‚Der Schrein des Buches’ zwei Filme. Der erste Film (Rebirth) schilderte die Wege der im Jahre 1947 gefundenen Schriftrollen. Deutlich wurde, dass die Rollen über den Verkauf auf dem Basar in Bethlehem bis zu einer Verkaufsanzeige im Wall Street Journal zum Teil abenteuerliche Wege zurücklegten, bevor sie nun der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Auch wurde in dem Film die Arbeit der Architekten Kiesler und Bartos gewürdigt, die für die Konstruktion des Museumsteiles ‚Schrein des Buches’ verantwortlich waren.
Der Schrein des Buches ist eine architektonisch sehenswerte Anlage. Der weiße Kuppelbau, in dem die Manuskripte aufbewahrt werden, ist inspiriert vom Deckel eines der Krüge, in dem die Schriftrollen entdeckt wurden. Der Kontrast zwischen der weißen Kuppel und der schwarzen Basaltwand davor spiegelt symbolisch an auf den Kampf zwischen Licht und Finsternis, eines der zentralen Themen in den über zweitausend Jahre alten Manuskripten.
Der Eingang des Museums gleicht einem dunklen Tunnel, der an die Höhlen erinnern soll, in dem sich die Schriftrollen ursprünglich befanden. Dabei führt der Weg unter der schwarzen Basaltmauer hindurch in das Innere der weißen Kuppel. Auf dem Weg werden Dokumente einer jüdischen Gemeinschaft gezeigt, die ein Leben in priesterlicher Reinheit führten und sich dem Studium der Schriften widmete. So konnte man zum Beispiel in dem oben beschriebenen Tunnel Schriften zu den Gemeinschaftsregeln lesen. Der zweite Film (A human sanctuary) sollte uns wohl das Leben dieser Gemeinschaft, wahrscheinlich der Essener, näher bringen. Denn die gefundenen Teile biblischer Bücher und Texte gehen auf diese jüdische Gemeinschaft zurück, die am nordwestlichen Ufer des Toten Meeres in Qumran lebte. Am Ende des Tunnels, flankiert von zwei Original Tonkrügen in denen die Schriftrollen aufbewahrt wurden, betritt man das Innere des weißen Kuppelbaus.
Dort ist die (Nachbildung der) Jesajarolle zu sehen. Dieses Schriftstück ist das älteste vollständige Manuskript eines Buches der Bibel, das Original wurde fast vollständig erhalten in den Höhlen von Qumran am Toten Meer gefunden. Die Jesajarolle ist das Herzstück des Schreins. Vor dem Zeitalter der Buchbinderei wurden Bücher als Rollen geformt, die Rolle entspricht folglich einem umfangreichen Buch (das Buch Jesaja hat 66 Kapitel). Um die Jesajarolle herum befinden sich in Vitrinen weitere wertvolle Handschriften aus den Höhlen von Qumran, überwiegend Originale, unter anderem auch der Codex von Aleppo. Der Codex von Aleppo stammt aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und ist das älteste vollständige und gebundene Manuskript der hebräischen Bibel (Altes Testament). Die Tatsache, dass die Jesajarolle, die in Qumran gefunden wurde und auf die Zeit um ca. 70 nach Christus zurückdatiert, weitgehend deckungsgleich mit dem Aleppo Kodex ist, gilt weithin als Bestätigung der hohen Qualitätsstandards bei der Abschrift der biblischen Bücher.
Nach dem Besuch des Israel Museums wollten wir noch gemeinsam das Gartengrab in Jerusalem besuchen. Dieses war jedoch wegen Mittagspause geschlossen. Von daher gingen wir durch das Damaskus-Tor nach Jerusalem, den Nachmittag zur freien Verfügung. Hier hatte jeder die Möglichkeit sich entweder noch einige Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen oder im Suq die restlichen Schekel in Souvenirs zu verwandeln.
Zusammen mit Gisela und Manfred Ballüer besuchten wir nochmals die Klagemauer, trafen bei der Mittagsrast bei ‚Papa Andreas’ (das kleine Restaurant mit einem wunderschönen Blick über die Altstadt) einige andere Mitglieder unserer Reisegruppe um ihnen anschließend vom Turm der Erlöserkirche zuzuwinken.
Zum Abschluss besuchten wir die neue luxuriöse Einkaufsmeile Mamilla, vor den Stadttoren Jerusalems. Diese zeichnet sich neben zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants auch durch einige sehenswerte Gebäude aus. So ist zum Beispiel das Stern-Haus, in dem der Zionistenführer Theodor Herzl bei seinem Jerusalembesuch 1898 wohnte, vollständig abgetragen und im Rahmen des Neubaus der Einkaufsmeile wieder Stein für Stein aufgebaut worden. Um die originale und detailgetreue Arbeit des Wiederaufbaus zu dokumentieren wurde die ursprüngliche Nummerierung der Steine des Hauses beibehalten – was zu einem interessanten Äußeren führt.
Auf der Rückfahrt wollten wir dann noch das Herodion besuchen. Das Herodion ist eine von Herodes dem Großen errichtete Festungsanlage, zwölf Kilometer südlich von Jerusalem. Der imposante Berg sieht ein wenig wie ein Vulkan aus und wurde von dem unter Verfolgungswahn leidenden Herodes offensichtlich als sicherer Rückzugspunkt gewählt. Auch soll Herodes hier begraben worden sein. Als wir gegen 17 Uhr am Eingang des Herodion erschienen, mussten wir feststellen, dass die Öffnungszeiten bereits vorbei waren. Wer jedoch gedacht hatte, dass wir unverrichteter Dinge wieder abziehen würden, hatte sich getäuscht. Die Verhandlungen zwischen Andreas und den örtlichen Behörden dauerten geschlagene 25 Minuten und mündeten in den arabischsten aller Kompromisse. Beide Seiten bewahrten das Gesicht, denn wir durften auf das Herodion, jedoch aus versicherungstechnischen Gründen nicht auf den offiziellen Wegen. So machten wir einen kleinen Spaziergang mit Blick auf die Wüste, das Tote Meer und Jordanien und genossen die Strahlen und die Wärme der langsam untergehenden Sonne.
Wenngleich dieser Tag durch einige Unwägbarkeiten geprägt war (Teile des Israel Museums waren wegen Renovierung geschlossen, das Gartengrab hatte Mittagspause und das Herodion war bereits geschlossen), so bleibt die Intensität der Erlebnisse dieses Tages doch ungebrochen.
Gabi und Jürgen Mack
15. Tag, Samstag - 17. Juli
Zum letzten Mal weckt uns der Sonnenaufgang in Talitha Kumi. Unsere Reise nähert sich langsam dem Ende. Viele Eindrücke und Erkenntnisse über Israel und Palästina, ihre Bewohner und die verschiedenen Religionen haben wir gewinnen dürfen. Wir haben die verschieden Landschaften mit Quellen, Wasserfällen, Seen, Meeren bis hin zu fruchtbaren Ländereien, Dörfern, Städten und Wüstengegenden gesehen.
Die persönlichen Begegnungen und Gespräche mit Menschen die hier leben waren sehr vielseitig, interessant, aufschlussreich aber auch verwirrend. Wir werden noch einige Tage brauchen um die vielen Eindrücke zu verdauen bzw. zu verarbeiten.
Nach unserem letzten gemeinsamen Frühstück in Talitha Kumi hieß es zum letzten Mal „Koffer packen“. Die am Vorabend verteilen Olivenholzfiguren, Krippen, Kacheln und Gläser sollten ja auch alle eingepackt werden. Felix Otto stellte uns eine Waage zur Verfügung um zu prüfen, dass unsere Koffer die 20 kg nicht überschreiten. Jetzt wurde es lustig: Mein Koffer hatte 28 kg, also 6 kg mussten wieder raus. Der nächste Koffer hatte 17 kg, hier konnte noch was rein. Es ging zu wie auf dem arabischen Basar, rein, raus, hin, her. 37 Koffer wurden überprüft und umgepackt. Es war ein Heidenspektakel. Nachdem endlich alle Koffer wieder verschlossen waren, hätte so mancher von uns noch `mal duschen gehen können. „Salim“ unser Busfahrer verstaute die Koffer zum letzten Mal im Bus.
Unser letzter Gesprächstermin fand unmittelbar vor unserer Abreise statt. Herr Dr. Dürr, noch Schulleiter von Talitha Kumi erzählte uns, wie er seine 22 jährige Schulleitertätigkeit in Namibia, Pretoria und Palästina mit viel Verantwortung und Kraftaufwand gemeistert hat. Seine Vision Mauern zu durchbrechen um die Menschen auf der anderen Seite zu erreichen versucht er über seine Schulleitertätigkeit und besonders über die Musik umzusetzen. Damit werden neue Dimensionen eröffnet, über Musik lernt man hören. In Talitha Kumi gibt es einen Posaunenchor und ein Orchester. Dass die Emmaus-Gemeinde eine Spende von 2000€ überreichen konnte, hat ihn besonders gefreut und laut seiner Aussage bei ihm „zu weichen Knien“ geführt. Für dieses Geld wird die Schule ein neues Klavier kaufen. Vor 4 Jahren wurde die Schule behindertengerecht umgebaut, damit diese Kinder auch schulische Abschlüsse erreichen können. Nach einem sehr persönlichen Gespräch verabschiedete Herr Dürr sich von uns.
Bevor wir uns zum Gruppenfoto auf der Treppe versammelten, konnten Interessierte schöne Handstickereien von palästinensischen Frauen erwerben. Um 10.45 Uhr fuhren wir los, es hieß Abschied nehmen von Talitha Kumi und von Felix Otto, der noch 1 Woche sein Volontariat ausüben durfte.
Eine Passkontrolle an dem Checkpoint vor Jerusalem durften wir auch erleben! Wir mussten alle aus dem Bus raus, durch die Drängelgitter an der Passkontrolle vorbei ging es wieder zurück in den Bus. Dieser wurde in der Zwischenzeit auch von Soldaten inspiziert. Mittlerweile hatten die Israelis die Einfahrt nach Bethlehem gesperrt, was zu einem großen Stau führte. Zu den ganzen Geschehnissen sagte Salim nur: “fouda“ („Chaos“).
Weiter ging es Richtung Emmaus/Latroun.
In Emmaus angekommen erklärte uns Andreas Goetze die geschichtlichen und religiösen Hintergründe dieses Ortes. In den Ruinen der römisch-byzantinischen Kathedrale feierten wir einen ergreifenden Abschlussgottesdienst mit Abendmahl.
Wir setzten unsere Fahrt zum Flughafen Tel Aviv fort. Im Bus hat uns unser Reiseleiter auf die Besonderheiten beim Einchecken vorbereitet. Wenn uns jemand fragen sollte, waren wir auf einer Pilgerreise und haben nur selbstgekaufte Geschenke für zu Hause dabei. J J
Vor dem Einchecken wurden unsere Koffer durchleuchtet, der eine oder andere Koffer musste auch geöffnet werden. Unser Pulsschlag stieg doch etwas an, zum Glück gab es keine Beanstandungen. Jetzt mussten wir nur noch durch die Passkontrolle.
Wilhelm Lott wurde vom Aufsichtspersonal nicht durchgelassen!
Er hat versehentlich den Pass von Eli, seiner Frau, vorgelegt. J Nach einem kurzen Lacher war auch dieses Problem behoben.
Unser Flug zurück in die Heimat verlief angenehm. Nachdem wir unsere Koffer wieder hatten, ging es ohne Kontrollen ab durch den Zoll. Mit dem Bus wieder in der Emmaus-Gemeinde Jügesheim angekommen, waren wir alle froh gesund in unserer vertrauten Umgebung zu sein. Wir verabschiedeten uns alle von einander und freuten uns jetzt schon auf unser gemeinsames Nachtreffen.
Erna Krestel und Heike Pfaff
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