Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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theologie
 

"Alles was extrem ist, läuft einer Integration zuwider"

Vertreter der wichtigsten Religionen in Österreich im Interview: Welche Rolle spielt der Glaube bei Integration, kann Religion Integration auch erschweren?

Welchen Stellenwert nimmt Integration und der Umgang mit Fremden für die einzelnen Glaubens-Gemeinschaften ein, wann kann Religion den Integrationsprozess gefährden: Im derStandard.at-Interview mit Thomas Bergmayr erklären Vertreter der wichtigsten Kirchen in Österreich, wie die religiösen Auffassungen ihres Glaubens und Integration zusammen passen, welche Maßstäbe sie anlegen und unter welchen Umständen Religion ein Hindernis für den Integrationsprozess sein kann.

Römisch-Katholische Kirche
Michael Landau
Caritasdirektor der Erzdiözese Wien

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Kirche im Zusammenhang mit Integration?

Österreich – und auch die katholische Kirche in diesem Land – hat eine lange und positive Tradition im Umgang mit anderen Religionen, das gilt auch für den Islam. Die Grundhaltung des Miteinanders, der gleichen Würde des und jedes Menschen ist hier spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil für die Katholische Kirche bestimmend: Es gibt nur ein Maß, die Maßeinheit Mensch. Da geht es um den Respekt vor den kulturellen Unterschieden, aber auch den Schutz der gemeinsamen unverzichtbaren Werte, die auf der gleichen Würde und den universalen Menschenrechten gründen.

Der Angst vor fremden Religionen muss Information und Aufklärung gegenüber gestellt werden. Es geht um einen Dialog, der Respekt vor und Kenntnis der eigenen Identität hat, aber ebenso Respekt vor der Identität der anderen. Ich bin überzeugt: Es geht darum zu verstehen, was dem anderen heilig ist! Dazu müssen wir einander zuhören, miteinander ins Gespräch kommen, den Verstand, aber auch die Herzen bilden.

Als Caritasverantwortlicher weiß ich: Integration ist möglich, und gelungene Integration ist für alle Beteiligten ein Gewinn. Es würde Österreich große Vorteile bringen, wenn auch gesehen würde, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die eine Fülle an Talenten und Kompetenzen einbringen. Das zu unterschätzen heißt, diese Fähigkeiten und damit Chancen ungenützt zu lassen.

Hier appelliere ich an den Innenminister, die im Regierungsprogramm vorgesehene Integrationsplattform möglichst rasch einzurichten. Da geht es um deutlich mehr als um den Sicherheitsaspekt, der heute dominiert. Gelungene Integration braucht ein Gesamtkonzept, das auf sechs Säulen beruht: Recht auf Familie, Zugang zum Arbeitsmarkt, soziale Absicherung, Bildung, vertretbare Wohnverhältnisse, politische Partizipation.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Glaube ersetzt nicht das Denken, er gibt zu denken. Integration wird oft missverstanden als "Anpassung", bis hin zur Assimilation. Aber Integration ist ein Prozess auf Gegenseitigkeit, der beide Seiten verändert und bereichert. Es geht um das Einhalten einer "gemeinsamen Hausordnung", nicht um eine Monokultur, die allen gleichsam übergestülpt wird. Wo das anders gesehen und vielleicht sogar religiös behauptet wird – im Widerspruch zur Religionsfreiheit, die notwendig und wechselseitig gefordert ist – dort kann Religion Integration erschweren.

Glaube kann sich als Hindernis erweisen, wo er zur Ideologie verkommt. In kirchlichen Begriffen: wenn also nicht mehr die umfassende und befreiende Liebe Gottes, die allen Menschen unterschiedslos gilt, Maß ist, sondern nachgeordnete und menschenbedingte Ausformungen religiöser Einstellungen Dominanz gewinnen.

Hier ist auch an Kardinal Christoph Schönborn zu erinnern, der bei der internationalen Konferenz "Islam in einer pluralistischen Welt" 2005 in Wien gesagt hat: „Als Religionen mit Missionsauftrag sind wir … vor Gott und der Welt verantwortlich dafür, dass wir die Gemeinsamkeiten unserer Missionsaufträge suchen und sie auch gemeinsam praktizieren (…) Und wir werden darüber Rechenschaft geben müssen, ob wir den vielen Menschen, die nicht an Gott glauben können, ein glaubwürdiges Zeugnis über den Glauben an Gott gegeben haben oder ob wir durch unsere Konflikte den Atheismus verstärkt haben." Daran ist immer wieder zu erinnern – nach innen und außen.

 

 

Evangelische Kirche
Herwig Sturm
Bischof der Evangelischen Kirche A.B. und Vorsitzender des Evangelischen Oberkirchenrates A.u.H.B. in Österreich

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Kirche im Zusammenhang mit Integration?

Grundsätzlich ist die evangelische Kirche barmherzig: Wenn wir sehen, dass Menschen in Not sind, helfen wir. Dies sind ja vielfach Menschen, die aus verzweifelten politischen oder wirtschaftlichen Situationen kommen. Deren Sorgen möchten wir uns anhören, wir wollen erfahren, welche Probleme sie haben und sie aufnehmen.

Ich bin der Meinung, dass unsere Bestimmungen grundsätzlich zu streng sind. Österreich ist ein Zuwanderungsland, wir nehmen jedes Jahr MigrantInnen auf und brauchen diese Migration auch aufgrund der demographischen Situation. Dies sollte endlich auch politisch anerkannt werden.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Integration ist nur interkulturell und interreligiös möglich, wir sind dankbar über die Ökumene, aber im Umgang mit Muslimen braucht es mehr. Es ist ein gegenseitiges Lernen, wir lernen auch, wie andere Menschen leben, fühlen, essen, riechen. Beide Seiten müssen dazu lernen, damit Integration funktioniert. Es ist wie eine Reise in ein fremdes Land, nur halt zu Hause.

Gerade Kirchen sind nicht dazu da, sich mit sich selbst und den eigenen Gläubigen gut zu fühlen. Die Herausforderung ist in der Bibel immer der Fremde. Im Alten Testament sagt Gott: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott". Und auch das Neue Testament ist voll von Grenzüberschreitungen: Jesus hat immer Grenzen überschritten und war für Fremden, Kranke da.

 

 

Israelitische Kultusgemeinde
Paul Chaim Eisenberg
Oberrabbiner der der Israelitischen Kultusgemeinde

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Religionsgemeinschaft im Zusammenhang mit Integration?

Die Bibel beginnt ja mit der Schöpfung eines Paares, Adam und Eva. Auch wenn das nicht streng wörtlich zu nehmen ist, so ist eine Aussage dieser Stelle diese, dass alle Menschen gleichwertig sind, weil sie quasi von einem Paar abstammen und daher gleiche Rechte beanspruchen können.

In diesem Sinn ist die Bibel durch ihre ethische Komponente sehr hilfreich und ganz aktuell, indem sie sozusagen zur Integration mahnt. Sie sagt uns, dass die Menschen als gleichwertig zu betrachten sind. Es gibt auch noch viele andere Stellen in der Bibel, die davon handeln, dass Fremde nicht benachteiligt, sondern unterstützt werden sollen.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Ich habe im Zusammenhang mit Fundamentalismus folgende Definition: Alles was zu intensiv und extrem ist, läuft einer Integration und einem friedlichen Miteinander zuwider. Ich bin der Meinung, dass eine richtig verstandene Religion mit der ausgewogenen Auswahl der Lehren nicht störend ist für Integration.

Aber es kann sehr wohl passieren, dass ein extrem verstandener Glaube die Integration gefährdet. Da ist es aber nicht die Religion selbst, sondern eine übertrieben und einseitige Auslegung des Glaubens. Wobei ein persönlich streng Gläubiger noch kein Fundamentalist ist.

Fundamentalistisch ist für mich jemand, der darauf beharrt, dass auch die anderen den Glauben so praktizieren, wie man selbst es für richtig hält. Und zwar richtet sich dieser Fundamentalismus weniger gegen Mitglieder anderer Religionen, sondern gegen die Angehörigen des eigenen Glaubens. Richtig gefährlich wird es, wenn dies auf politischer Ebene und mit Hilfe von Gewalt herbeigeführt werden soll. Hier kann Religion Integration sehr wohl gefährden.

 

 

Islamische Glaubensgemeinschaft
Carla Amina Baghajati
Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Religionsgemeinschaft im Zusammenhang mit Integration?

Islam und Integration werden verstärkt miteinander verknüpft. Da vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit einer Identität als Muslim/in und Österreicher/in mitunter auch Unterstellungen vorgenommen werden, der Islam "passe nicht nach Europa", sehen wir hier großen Aufklärungsbedarf. Der Diskurs ist dabei auch nach Innen zu führen, denn als Muslime tragen wir gemeinsame Verantwortung durch unser Auftreten in der Gesellschaft die Absurdität solcher Thesen zu veranschaulichen.

Religion kann dem Leben Halt und Sinn geben und so die Orientierung gerade in einer Phase der Veränderung erleichtern. Im Islam ist es religiös geboten, sich aktiv und positiv für die Gemeinschaft einzusetzen und zwar allgemein, also ungeachtet dessen, ob dies vorwiegend Muslime sind. Der Begriff „Integrationstheologie“, der bei der Europäischen Imamekonferenz 2006 in Wien geprägt wurde, zeigt welches Potential darin liegt, Motivation zur Integration aus der Religion zu schöpfen und wie daraus konkrete Forderungen, etwa nach Spracherwerb erwachsen.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Unreflektiertes Festhalten an eher traditionellen als religiösen Verhaltensmustern kann dazu führen, dass mehr eine Form als der Inhalt der Religion gelebt wird und es zu einer problematischen Abkapselung kommt. Dies ist auch eine Frage der Bildung, weshalb der islamische Religionsunterricht so wichtig ist. Hier kann ein Bewusstmachen stattfinden, wo Traditionen vielleicht sogar im Widerspruch zum Geist der Religion stehen. Dies betrifft zum Beispiel die Rolle der Frau, die als Muslimin nicht "Dienerin des Mannes", sondern gleichberechtigte Partnerin sein soll, ausgestattet mit Rechten, die etwa eine Zwangsheirat oder andere Gewalt gegen sie verbieten.

Dass in Europa verschiedene Konfessionen, auch die christlichen, eher räumlich getrennt lebten, hatte immer auch einen (macht)politischen Hintergrund. In der Moderne erleben wir zwischen den Glaubensgemeinschaften in Österreich eher einen ausgleichenden Faktor gegen jene Stimmen, die populistische Ab- und Ausgrenzungen vornehmen möchten. Tatsächlich bietet der ethische Hintergrund der Religionen eine Basis gemeinsamen verantwortlichen Handelns.

 

 

Griechisch-Orthodoxe Kirche
Metropolit Erzbischof Dr. Michael Staikos

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Religionsgemeinschaft im Zusammenhang mit Integration?

Die orthodoxe Kirche in der Diaspora spielt eine große Rolle im Leben ihrer Angehörigen, nicht zuletzt weil sie das Bindeglied zur Heimat und die Hüterin Muttersprache und der religiösen bzw. nationalen Identität ist. Aus diesem Grund ist der Beitrag der Kirche zur Integration sehr wichtig, wenn sehr schwierig, weil sie Tradition und neue Gegebenheiten verbinden muss.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Natürlich kann Kirche und Religion die Integration erschweren, nur soll sie das keinesfalls tun, denn Kirchen und Religion drücken Glaubensüberzeugung aus und sie sollen keine Grenzen darstellen oder setzen, wenn man keine Isolierung oder Ghettoisierung haben will, die wiederum Angst und Unsicherheit verursachen mit allen negativen Folgen.

 

 

Serbisch-Orthodoxe Kirche
Erzpriester Djordje Knezevic
Bischofsvikar für Österreich

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Religionsgemeinschaft im Zusammenhang mit Integration?

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche in Österreich ist die zuständige Kirche für die, vor allem, gläubigen Serben und somit spielt Sie eine große und sehr bedeutende Rolle bei ihrem geistlichen und kulturellen Leben. Unsere Kirche hat leider keinen großen Einfluss an allen hierortigen Serben, weil viele keinen besonders großen oder gar keinen Kontakt zur Kirche haben. Den einzigen Kontakt mit vielen serbischen Familien haben wir durch den orthodoxen Religionsunterricht in den vielen öffentlichen Schulen Österreichs erreicht. Der Orthodoxe Religionsunterricht ist somit im ureigenen Interesse unsere Kirche, und nach meiner persönlichen Meinung, die beste Möglichkeit wo unsere Kirche auch intensiv und integrativ mitwirken kann.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Wir leben heute in Diaspora, bzw. in einem Land wo multikonfessionelle und multikulturelle Verhältnisse sehr bedeutsam sind. Deswegen soll die Kirche heute und hier in unserer neuen Heimat neben ihrer innerkirchlichen Mission auch eine integrative Politik durchführen. Anders gesagt: Religion darf auf keinem Fall die Integration erschweren, die Kirche muss sie im Gegenteil unterstützen.

 

 

Buddhistische Glaubensgemeinschaft
Gerhard Weißgrab
Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft

· Welche Rolle sehen Sie für Ihre Religionsgemeinschaft im Zusammenhang mit Integration?

Die Rolle der Religion besteht darin, helfende Einsichten für alle Fragen des Lebens zu geben. Das Wesen der Lehre des Buddha wird besonders durch den Gedanken der Toleranz geprägt – der Buddhismus versteht sich und alle Religionen als gleichwertige Wege zum "Heil werden" jeder und jedes Einzelnen. Aus den tragenden Säulen "Mitgefühl" und "Weisheit" leitet sich die Einsicht der Verbundenheit mit allen Wesen ab, was zwangsläufig zu gegenseitigem Respekt führt. Dies fördert eine integrative Haltung.

· Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

Ein übertriebener Dogmatismus kann Dialog und Integration erschweren und zwar sowohl von der Seite der Immigranten als auch der aufnehmenden Gesellschaft. Dialog bedeutet Auseinandersetzung mit dem "anders-sein" des Gegenüber – es zu akzeptieren und anzunehmen ohne einzunehmen oder sich einnehmen zu lassen. Ein Beharren auf einer "einzig gültigen Wahrheit" stellt ein weiteres Hindernis für einen fruchtbaren Dialog dar.

 

 

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