Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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Predigt zum Thema: „Keusch ins Himmelreich – Glauben mit Leib und Seele?!“

10.03.2002

(Zusammenfassende Thesen zur Predigtreihe: „Was bringt´s mit dem Glauben?“, 3. Teil)

 

  • 1. Teil: Wie es zu der Trennung von Leib und Seele kam – und ihre Folgen: Es gibt kein Buch, dass von Anfang an so positiv vom Leib, vom menschlichen Körper spricht wie die Bibel. Nach der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1 ist der Mensch mit Leib, Seele und Geist gut (!) geschaffen. Begriffe wie Herz, Seele, Fleisch, aber auch Ohr, Hand und Arm sind in der hebräischen Dichtung austauschbar – wie es z.B. in Ps. 84,4 heißt: „Meine Seele lechzt nach Gottes Vorhöfen, mein Herz und mein Fleisch jubeln dem lebendigen Gott“. Der Mensch ist Mensch mit Leib und Seele – oder er ist nicht.
  • Doch besonders im westlichen Kulturkreis und in der Geschichte der Kirche hat sich nur allzu oft ein sehr verkrampftes Verhältnis zur Leiblichkeit des Menschen entwickelt, besonders zur Sexualität. Selbst das Lachen galt als Gift für die Seele, weil man sich dabei gehen läßt und – so die Unterstellung – sich so von Gott entfernt, vom Eigentlichen abschweift (vgl. Umberto Eco, Im Namen der Rose).
  • Der Leib wurde mit all seiner Sinnlichkeit, Verletzlichkeit und Triebhaftigkeit das Gegenstück zu einer Seele, die unsterblich ist bei Gott. So erwuchs die Sehnsucht nach Erlösung der Seele vom Leib. In unserer Kultur ist diese Vergeistigung des Menschen allgegenwärtig spürbar. Der Abwertung des Körpers, des Leibes können wir uns kaum entziehen – das geht bis zu den Heils –Versprechungen der Gentechnik (Ankündigung der Ausrottung der Krankheiten mit dem Ziel der Perfektionierung des „unvollkommenen“ Leibes) und den Experimenten an Embryonen.
  • Die biblische Rede von der Einheit von Leib und Seele ging in unserem Kulturkreis weitgehend verloren. Grund dafür ist der Einfluß des griechischen Denkens auf unsere Kultur, insbesondere Platos Ideen. Für Plato war klar: Der Leib ist der Kerker der Seele. Die Seele muss vom Leib erlöst werden, um frei zu sein. (So trinkt Sokrates den Todesbecher im Bewußtsein zu gewinnender Freiheit). Körperlichkeit, Leiblichkeit wurde so radikal abgewertet. Geist und Seele waren das Eigentliche des Menschen.
  • Dieses griechische Denken hat auch in der Kirche nachhaltig gewirkt. So haben schon die Kirchenväter wie Augustinus im 3./4. Jht. den Menschen besonders zur „Zucht des Leibes“ ermahnt. Warum? Weil im Leib die Begierde wohnt (und der Trieb), und die Begierde richtet sich immer nach niedrigen Dingen (und wer sich selbst prüft, weiß: da haben die Kirchenväter gar nicht so Unrecht...), aber nie nach Gott. Der Leib gilt als Sitz der Sünde. Wer also zu Gott kommen will, muss seinen Leib unter Kontrolle haben. Aus Angst, den Begierden anheim zu fallen.
  • Das hatte Folgen: Priester dürfen nicht heiraten (Zölibat): sie sollen rein und unbefleckt leben und vor allem vor dem Altar stehen. Man soll nicht mit Lust, sondern mit Ernst Christ sein. Da die Frau Begehrlichkeit weckt, wurde sie ebenfalls vom Altar verbannt und durfte nicht Priesterin werden. Schöne Frauen wurden zu Hexen, die es zu verfolgen galt.
  • Diese Abwertung des Leibes und ihre Trennung von Leib und Seele ist platonisch, aber nicht biblisch. Nach der Bibel ist sogar gerade der Unterleib (also da, wo es für uns besonders heikel ist...) Träger des Seelenlebens. Die Nieren z.B. sind das Organ der feinsten seelischen Empfindungen (Ps.73,21) und der Sitz des Gewissens (Ps.16,7). Nicht der Kopf ist in der Bibel der Sitz des Lebens, sondern das Herz.
  • Mehr noch: Die Seele ist nicht ein übernatürliches Etwas im Menschen, sondern Ausdruck seines natürlichen Lebens, seiner Lebendigkeit. „Näphäsch“ ist das hebräische Wort, was wir oft mit Seele übersetzt in der Bibel finden: es bedeutet aber zugleich auch Leben, Mund, Kehle. Die „näphäsch“ schmeckt, riecht, fühlt. Der Mensch hat nicht nur einfach eine Seele, sondern er ist eine lebendige Seele. Die Seele ist nicht ein Teil des Menschen, sondern der Mensch selbst (1. Mose 27,25). In 1. Kön.20,32 heißt es: „Lass mich doch leben!“ Im hebräischen steht da: „Lass meine näphäsch doch leben!“.
  • Leib und Seele gehören folglich untrennbar zusammen (die Erkenntnisse von pyscho-somatischen, d.h. seelisch-leiblichen, Krankheiten belegen dies übrigens anschaulich). Die Seele wird nicht vom Leib erlöst wie bei Plato. Erlösung gibt es nur für Leib und Seele zusammen, eben für den ganzen Menschen. Der Leib ist ein „Tempel des Heiligen Geistes“ (1. Kor. 6,19). Paulus spricht daher auch von der „Auferstehung des Leibes“ (1. Kor.15).
  • Die Gegenüberstellung von Leib und Seele hat über Jahrhunderte dazu geführt, dass der Mensch seinen eigenen Körper tatsächlich nur als Körper ansieht und behandelt, als ob er ihn nichts anginge: Der Mensch als „Ersatzteillager“. Eine Medizin, die den Körper als Maschine ansieht. Eine Technik, die die Natur immer mehr der Verfügungsgewalt des Menschen unterwirft. Der werdende Mensch, der Embryo, als Verbrauchsware – entsinnlichte, entseelte Welt!

 

  • 2. Teil: Glauben mit Leib und Seele – wie können wir das wieder neu entdecken?
  • 1. Entdeckung: Glaubenshaltung ist eine Lebenshaltung: Die Kraft zum Menschsein zeigt sich in der Fähigkeit des Menschen zum Glück und zum Leiden, in der Annahme der Lebensfreude und der Trauer des Todes. Dazu gehört ein Abschiednehmen von der Wahnvorstellung der ewigen Jugend, gepaart mit der Verheißung, die Krankheiten aus dem Leben ausmerzen zu können.
  • 2. Entdeckung: Glaubenshaltung ist eine Sinneshaltung: Wir müssen wieder neu auf die Zusammenhänge achten, denn wir wissen: Vieles ist pychosomatisch bedingt. Wir brauchen eine neue Achtsamkeit unserem Körper gegenüber und auch gegen die Ausbeutung der Natur inklusive der Tiere, die unsere Mitwelt sind.
  • Die Bibel ist voll von Mahnungen: Sieh! Höre! Nimm wahr, was dir – Mensch – Gott schenkt, seine Liebe, seine wunderschöne Schöpfung, Gemeinschaft untereinander. Glaube ist auch nicht bloß privat, vergeistigt. Ohne leibliche Erfahrung trocknet er aus. Deshalb feiern wir Gottesdienst. Deshalb liegt viel daran, wenn wir uns mit unseren Sinnen, Gaben und Fähigkeiten in das Leben Seiner Gemeinde einbringen können.
  • 3. Entdeckung: Glaubenshaltung ist eine Leibeshaltung: Alles, was ich erfahre, alles Denken, Fühlen, Wünschen spricht sich leibhaftig aus. Mein Körper hat seine eigene Körpersprache. Es gibt Pfarrer und Gemeindeglieder, die am Morgen in die Kirche kommen, als hätten sie bereits 2 Stunden Steine geschleppt. Ist das Leben immer und überall furchtbar, ist mir der Sinn für die Feier, in der mir Gott dient, so abhanden gekommen?
  • Die Welt hat Echo-Charakter. Jede innere und äußere Haltung, alles Tun, Fühlen und Denken spiegelt sich im Ewigen und kommt ins Zeitliche zurück. Bleibe achtsam mit Lust und Liebe zu dem, was in dir und dieser Welt vorgeht! Wie das konkret aussehen kann, davon lesen wir in 1. Thess. 5, 14-24.
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Andreas Goetze

 

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