Mensch, ich will doch nur Dein Bestes – Gentechnik zwischen Chance und Wahn
Das Thema der Gentechnik und des Verhältnisses von Glaube und Naturwissenschaft ist eine gute Gelegenheit, um zu fragen, was wir überhaupt unter Kranksein und Gesundsein verstehen, und zwar in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Diese Frage kann genutzt werden, um eine Atempause einzuschieben, in der über die Problematik der Veränderung des Menschen durch gentechnische Fortschritte nachgedacht werden kann.
Dazu möchte ich sie in diesem Gottesdienst einladen, indem ich zunächst (unter 1.) einige Überlegungen zum Verständnis von Kranksein in der Vergangenheit anstelle. Dann werde ich (unter 2.) den Umgang mit Krankheit in der Moderne skizzieren. Und schließlich werfe ich im dritten Schritt einen Ausblick darauf, welche Veränderungen sich durch die Errungenschaften der Gentechnik für unser zukünftiges Menschsein (3.) ergeben könnten. Dabei werde ich mich als Ethikerin auf die Sozialethik beziehen, denn diese nimmt bestehende gesellschaftliche Praxis wahr, um in konstruktiv-kritischer Distanz auf Problemlagen hinzuweisen, die sich in diesem Falle durch technische und naturwissenschaftliche Entwicklungen im Bereich der Biomedizin ergeben könnten. Insbesondere geht es um Veränderungen durch Gentechnik im Blick auf unser Menschenbild. Wollen wir in allem eine unendliche Verbesserung des Menschen durch Technik? Wollen wir den durch Gott geschöpften Menschen in allem durch einen gentechnisch geschaffenen Menschen ersetzen? Thematisiert werden sollen im Kommenden somit die Chancen und Gefahren, die im biowissenschaftlichen Fortschritt liegen könnten.
1. Zum Verständnis von Krankheit in frühen Zeiten: Kranksein als Mythos
In den frühen Zeiten herrschte eine Krankheitsdeutung vor, welche den Zusammenhang von Kranksein und moralischer Verantwortung betonte, sowohl bezogen auf das einzelne Individuum als auch bezogen auf Gruppen und Gesellschaften. Kranksein wurde mit einer Strafe für das Brechen eines Tabus zusammen gesehen. So erwähnt das Alte Testament die Vorstellung von Kranksein als Zustand der Unreinheit. Diese Deutung wird etwas später von der Annahme abgelöst, dass Kranksein auf das Begehen einer Sünde zurückzuführen sei. Diesen frühen Deutungen ist gemeinsam, dass sie das Kranksein auf einen Schuldzusammenhang zurückführen und noch kaum mit einem medizinischen Apparat, wie wir ihn heute kennen, in Berührung standen. Gleichwohl entwickelt sich in den biblischen Schriften auch eine Art „innerer Kritik“, etwa im Buch Hiob, die von einer direkten Verantwortung und Schuld für das Kranksein entheben will. Die biblische Überlieferung und die christliche Tradition zeigen uns daher, dass es verschiedene Deutungen des Phänomens Kranksein gibt. Aus diesem theologischen Grund werden in den biblischen Schriften die Tätigkeit der Medizin und das Entwickeln von alternativen Heilmethoden durchaus begrüßt. Das Lob an die Medizin, welches im Buch Ben Sirach überliefert wird, ist nach Ansicht der Alttestamentler mit dem Hellenismus aus dem benachbarten Ägypten eingeflossen. In der Bibel ist nach Alberto Bondolfi somit ein Lernprozess erkennbar, durch den das Phänomen des Krankseins zunehmend „entmythologisiert“ wurde. Im neuen Testament, insbesondere in den johanneischen Schriften, wird dieser Prozess noch deutlicher, so dass der Zusammenhang von Krankheit und Sünde von Jesus selbst aufgebrochen wird. Die Einstellung von Jesus zeigt sich in der Begegnung mit einem blinden Mann:
Jesus heilt einen Blindgeborenen
„Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: ’Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren?’ Jesus antwortete: ’Es hat weder dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm’. (…) Als Jesus dies gesagt hatte, spuckte der auf den Boden und rührte einen Brei mit seinem Speichel an. Er strich den Brei auf die Augen des Mannes und befahl ihm. ›Geh zum Teich Schiloach und wasche dir das Gesicht.‹ (…) Der Mann ging dorthin und wusch sein Gesicht. Als er zurückkam konnte er sehen.“
Jesus führt mit seiner Antwort auf die Jünger das Problem des Krankseins einer sachlichen Ebene zu. Er durchbricht den Mythos, dass dem Kranksein eine Sünde vorausgegangen sein müsse. Auf diese Weise verdichten sich in seiner Person die Hoffnungen und Träume der Unterdrückten und Ausgegrenzten. Die Heilung von Besessenen und Kranken nahm im öffentlichen Wirken Jesu einen großen Stellenwert ein. Der ganze menschliche Körper scheint in seinen Geschichten auf. Jesus heilt den Besessenen in Karfarnaum, die fiebrige Schwiegermutter des Petrus, einen Aussätzigen, einen Gelähmten, eine Frau, die an Blutungen leidet, einen epileptischen Knaben. Heilungs- und Vergebungsbedürftigkeit stehen im Zentrum seines Wirkens. Heilung geschieht über den menschlichen Akt der Liebe und der Freundschaft, er lässt das Göttliche und Heilende zwischen Menschen lebendig werden. Jesus wendet sich den Armen, Besessenen, Ausgegrenzten zu und holt sie in die heilende Gemeinschaft hinein.
Diese Haltung der Nächstenliebe bedeutet für die folgende Geschichte jedoch nicht, dass die christliche Tradition die mythologische Deutung des Krankseins vollends hinter sich gelassen hätte. Aber der direkte Zusammenhang von Krankheit und Sünde wird immer wieder durchbrochen. Im Mittelalter geschieht dies insofern, als Kranksein nun auf die Erbsünde bezogen wird. Damit kümmerte sich das Almosenwesen der Klöster um alle Kranken, Armen und Schwachen. Die kirchliche Fürsorgepraxis des Mittelalters ist um das Beste aller Menschen bemüht. Diese Haltung gehört von Anfang an zu den zentralen Kennzeichen des christlichen Handelns, vor allem weil Kranke und Schwache mit dem leidenden Christus assoziiert wurden. Arme, Kranke und Schwache werden der sozialen Stigmatisierung, der sie in der Antike unterlagen, im Verlauf der Geschichte des Christentums sukzessive enthoben.
Diese Haltung der Nächstenliebe wird in den nachkommenden Jahrhunderten durch die Erfahrungen der Epidemien (Lepra, Pest und Cholera) erschüttert. Die großen Epidemien, gegen die die Medizin machtlos war, reichten von 500 bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Auch das Armenproblem der frühen Neuzeit und der Zeit der Industrialisierung ging mit einem Siechtum der Betroffen einher. Diese historischen Phasen waren von Angstgefühlen (Pest galt als „Schwarzer Tod“) begleitet, was die Ausgrenzung und Unterdrückung der Betroffenen begünstigte.
Erst im 19. Jahrhundert kann sich der Kranke von den theologischen und medizinischen Deutungen und den sozialen Zuschreibungen emanzipieren und das Phänomen seiner Krankheit selbst thematisieren. Mit dem Kranksein gehen immer Wertungen und Zuschreibungen an Menschen einher. Das Phänomen der Krankheit provoziert Deutungen. Vor allem wenn sie schwer und tödlich ist, greifen Menschen auf mythische Deutungen zurück. Aber mit der Heraufkunft des Individuums gegen Ende der Neuzeit werden die mit dem Kranksein verbundenen Bedeutungsgehalte nicht mehr nur von außen an den Kranken herangetragen, sondern auch von ihm selbst ausgelegt. Die Krankheit eignet sich somit vorzüglich für das Bestätigen von Mythen und Ideologien, aber auch für deren Überschreitung. Die biblische Überlieferung macht uns deutlich, dass diese Ideologien und Mythen immer dann zu durchbrechen sind, wenn die Betroffenen einer Entlastung von Stigmatisierungen bedürfen. Man kann dies auch als ein Bilderverbot betrachten.
2. Zum Verständnis von Krankheit in der Moderne: Kranksein wissenschaftlich interpretiert
Das moderne Paradigma der Krankheitsauffassung kann als wissenschaftlich interpretiert werden. Es definiert Kranksein als eine Wirklichkeit, die erst dann vorliegt, wenn jemand diesen Zustand über das Verlangen nach medizinischen Leistungen bekundet oder wenn durch das Heranziehen naturwissenschaftlicher Feststellungsprozeduren (z.B. Laborwerte) ein sog. pathologischer Befund diagnostiziert wird. Das moderne Paradigma hat damit das Kranksein noch weiter entmythologisiert. Eine Krankheit fällt nicht vom Himmel, sondern die Ursachen für bestimmte Krankheiten lassen sich nun genauestens herausarbeiten. „Diese neue Objektivität konnte in den neu entstehenden Krankenhäusern der Industriegesellschaften angewendet werden. Die dort eingelieferten Patienten – in der Regel die Ärmsten der Armen (…) – waren hervorragende Studienobjekte für die neue `Objektivität` des medizinischen Betriebes. (…) Die Krankheitslehre wurde ausgeweitet und verfeinert und damit auch der mechanistische Ansatz. Mit der Entwicklung der Impfungen wurden viele der großen Infektionskrankheiten `unter Kontrolle` gebracht, ein nächster Schritt (…) war die Entdeckung der Antibiotika.“ Krankheiten konnten immer intensiver medizinisch angegangen werden. Mit diesen Fortschritten sind aber interessanterweise – und das soll uns im Folgenden interessieren – neue Zusammenhänge zwischen Krankheit und Schuld hergestellt worden. Kranksein kann auf Ursachen, wie einen ungesunden Lebensstil (mangelnde Ernährung, Missbrauch von Drogen) oder schlechte Arbeitsbedingungen zurückgeführt werden, so dass die Verantwortung für das Krankwerden den Einzelnen verstärkt zugeschrieben wird.
Das Paradigma der wissenschaftlichen Krankheitsauffassung bewirkt eine Veränderung der individuellen und sozialethischen Pflichten. Wenn Kranksein nicht `vom Himmel fällt`, dann sind wir verpflichtet, sie zu bewältigen und einzudämmen. Durch diese Verpflichtung ist Erstaunliches geleistet worden. Einige ´Geiseln der Menschheit`, etwa in Gestalt der Pest, gelten zumindest in den westlich-industriellen Ländern, als ausgerottet. Diese Auffassung nimmt aber die Ärzte und Ärztinnen verstärkt in eine ethisch-moralische Pflicht, da ihnen jedes Leiden und Sterben als ein fahrlässiges Unterlassen zugeschrieben werden kann. Und es nimmt die Betroffenen in die Pflicht, eine zunehmende Sensibilität für den eigenen Körper auszubilden. Ärzte und Betroffene müssen sich immer mehr Kenntnisse über die Ursachen von Erkrankungen aneignen, um den Zustand der Körper einer Verbesserung zuzuführen. Der Zusammenhang zwischen Kranksein und moralischer Schuld, der schon erledigt schien, wird auf vielfältigste Weise wiederbelebt.
3. Krankheit in der Zukunft: Kranksein im Lichte des biowissenschaftlichen Fortschritts
Besonders der dritte historische Schritt – der Blick in die Zukunft – ist für uns aufschlussreich. Mit dem biowissenschaftlichen Fortschritt erleben wir einen erneuten Paradigmenwechsel im Verständnis von Kranksein und Gesundsein. Gentechnische Technologien dringen immer deutlicher in den Alltag ein. Der menschliche Körper ist zur Zielscheibe dessen geworden, was der französische Philosoph Michel Foucault die „Biopolitik“ genannt hat. Nachdem die technische Macht zuvor, die äußere Natur intensiv bearbeitet hat, greift sie nun an den verschiedensten Stellen am menschlichen Körper und dessen Innenleben an. „Man erkennt (..), dass das kolonialisatorische (endokolonialisatorische) Projekt nicht mehr darin besteht, den Körper des Patienten zu pflegen, sondern ihn in eine ›Primärmaterie‹ zu verwandeln und aus dem (..) Menschen eine Laborratte zu machen.“ Alle Regungen des Körpers, seine Außen- wie seine Innenseite werden technisch erfasst. Während die Medizin der Moderne nur die äußerlich sichtbare Welt der ausgebrochenen Krankheit zu heilen versuchte, so wird mit den neuen medizinischen Möglichkeiten die bisher unsichtbare Innenseite des Menschen durchleuchtet. Der menschliche Körper wird auf jede erdenkliche Weise optimiert. Hier geht es vor allem um die sog. gentechnische Revolution, die neue Fragen nach dem individuellen und gesellschaftlichen Umgang mit deren biomedizinischen Möglichkeiten aufwirft.
Die Gendiagnostik stellt einen relativ neuen, schnell wachsenden Zweig der molekularbiologischen Medizin dar. Bei einer stetig wachsenden Zahl von Erkrankungen können Wissenschaftler heute anhand des Erbmaterials immer genauere Vorhersagen über dessen künftigen Verlauf treffen. Weit mehr als 10.000 Genveränderungen (Mutationen) können inzwischen mit Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Hinzu kommt eine Vielzahl an Varianten von Erbanlagen, die die Wahrscheinlichkeit einer genetischen Erkrankung deutlich erhöht. Zudem lassen sich immer deutlichere Zusammenhänge herstellen zwischen Genanlagen und den sog. großen Zivilisationskrankheiten, die durch eine ungesunde, bewegungsarme Lebensweise hervorgerufen werden, wie Diabetes, Übergewicht, Schlaganfall, Alzheimer, Darmkrebs, Bluthochdruck, Herzinfarkt etc. Die Allgemeinmedizin wandelt sich so gesehen in eine Biomedizin, da inzwischen fast alle Erkrankungen, auch solche, die zuvor auf soziale und äußere Bedingungen (Erziehung, Ernährung, Umweltfaktoren) zurückgeführt wurden, in den Kontext der Biomedizin gestellt werden. Der Nutzen der daraus hervorgehenden Daten ist derzeit noch kaum zu fassen, da sich nur relativ wenige Erkrankungen auf ein einziges Gen zurückführen lassen (sog. monogene Erkrankungen). Nach derzeitigen Schätzungen sind mindestens 100 verschiedene Gene etwa für die Gewichtsregulation verantwortlich. Auch unserer Anfälligkeit für Schlaganfall, Arthrose, Rheuma, Krebs geht eine Beschädigung mindestens eines Dutzends von Schutzgenen voraus. Die Fortschritte auf dem Weg zu einer individualisierten Medizin, die von jedem Menschen die Totalität seines Genoms erfasst und individuelle Profile über dessen Krankheitsrisiken erstellt, sind dennoch unverkennbar. Die Forscher erwarten, dass in etwa zehn Jahren das sog. `1000-Dollar-Genom` Wirklichkeit werden könnte. Gemäß dieser Vision sollen die persönlichen Gen-Daten für jeden Einzelnen erschwinglich werden. Ein ganzes Leben lang hätte man dann die Möglichkeit, die auf einer DVD gespeicherten Daten über das eigene Genom mit den aktuellen Fortschritten der Biomedizin abzugleichen. Damit entsteht eine neue Gruppe von Kranken, Personen mit einer sog. `riskierten` Gesundheit, die derzeit zwar noch nicht krank sind, es gemäß ihrer Daten, die auf einen Defekt hinweisen, aber werden könnten.
Die Vorstellung einer individuellen Verantwortung für die eigene Gesundheit und Krankheit, die Jesus hinterfragt hatte, nimmt `genetische` Gestalt an. Das medizinische Interesse an Umweltgefahren (Industriegiften, Schadstoffen) und sozialen Bedingungen als Ursachen für Erkrankungen nimmt demgegenüber ab. Das biogenetische Wissen, das in vielem sicherlich Heilungschancen für Betroffene mit sich bringen wird, entpuppt sich auf seiner Rückseite als ein neuer Mythos, der unter Umständen nicht nur zum Besten des Menschen gereichen wird. Welche Folgen das biogenetische Wissen mit seiner Zuschreibung individueller Verantwortung psychisch, familiär, gesellschaftlich etc. haben wird, ist bisher nur wenig durchdacht. Einzelne Stimmen weisen darauf hin, dass wir das Entstehen seiner „seitenverkehrten Verantwortungsethik“ erleben. „Bisher hatten Solidarität mit und Nichtdiskriminierung von Kranken/Patienten einen hohen Stellenwert. Jetzt geht es um die Verschiebung von Verantwortungslasten auf genetisch Vorbelastete.“
Durch das biogenetische Wissen werden wir zu einem biologischen Wesen transformiert, dessen Schicksal nicht ´vom Himmel` fällt, sondern in den Genen liegt. All unsere Geschöpflichkeit wird in eine technische Geschaffenheit überführt. Unser Verhalten ist nicht mehr durch die soziale und kulturelle Umgebung geprägt, sondern wir werden mehr und mehr durch naturwissenschaftliche Deutungsmuster bestimmt. Die Aspekte der Moralität, der Zuwendung und des Glaubens, die Jesus im Verhältnis zum Kranken zur Entfaltung gebracht hat, treten in den Hintergrund. Gefördert wird dieser neue Mythos der Herstellbarkeit des Menschen dadurch, dass der christliche Glaube in den Gesellschaften unseres Zuschnitts in den Hintergrund getreten ist. Je mehr dieser Glaube verblasst, desto mehr nimmt das Interesse am eigenen Körper zu. Descartes hatte schon bemerkt, dass in einer stärker am Diesseits orientierten Welt die Erhaltung der individuellen Gesundheit zur ersten aller Güter wird.
Was würde Jesus dazu gesagt haben? Zum einen hätte er die verstärkte Zuschreibung von Eigenverantwortung und den gleichzeitigen Zerfall von Solidarität mit den Schwächsten problematisiert. Dem Entstehen einer „seitenverkehrten Verantwortungsethik“, die etwa Eltern, die ein behindertes Kind geboren haben, vorwirft, ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl der Gesellschaft nicht nachgekommen zu sein: „Das muss doch heute, angesichts der technischen Möglichkeiten, nicht mehr sein“, wäre er entschieden entgegen getreten. Er hätte diesen neuen Schuldmechanismus, der aufgrund genetischen Wissens erst greifen kann, zu durchbrechen versucht. „Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: ’Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren?’ Jesus antwortete: ’Es hat weder dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm’.“ Die Eltern des behinderten Kindes haben nicht gesündigt; sie haben nichts unterlassen, sondern sie haben voller Vertrauen die Geburt ihres Kindes dem göttlichen Lauf überlassen. Die Würde des Menschen liegt nicht nur im Bereich des Wissens, sondern vor allem auch des Nichtwissens. Sie liegt in dem, was sich nicht naturwissenschaftlich definieren und gentechnisch durchleuchten lässt. Sie liegt in der uns entzogenen, nicht in genetische Daten übersetzbaren `göttlichen` Mitte.
Vgl. Alberto Bondolfi: Der kranke Mensch im 21. Jahrhundert, S. 2.
Die griechische Kultur wird historisch als diejenige betrachtet, in der Krankheiten gleichsam entmythologisiert und verweltlicht wurden.
Vgl. Alberto Bondolfi: Der kranke Mensch im 21. Jahrhundert, S. 2.
Johannes 9,3.
Vgl. Silvia Schroer, Thomas Staubli: Die Körpersymbolik der Bibel. Darmstadt 1998, S 38.
Vgl. Christa Schnabl: Gerecht sorgen. Grundlagen einer sozialethischen Theorie der Fürsorge. Freiburg/Schweiz 2005, S. 22.
Vgl. Alberto Bondolfi: Der kranke Mensch im 21. Jahrhundert, S. 4.
Christa Muths: Zur Philosophie der Krankheit, S. 6, ( www.treff-raum-espaciotime.com/de/articles/philosophie.html, Abruf: 11.02.07).
Vgl. Gerhard Gamm: Der unbestimmte Mensch. Die gebrochene Mitte des Selbst als irreduzible Lücke im Sein. In: Ders.: Der unbestimmte Mensch. Berlin 2004, S. 40.
Paul Virilio: Die Eroberung des Körpers. Vom Übermenschen zum überreizten Menschen. Frankfurt/M. 1997, S. 131f.
Vgl. Medizin nach Maß, in: Frankfurter Rundschau vom 17.10.2006.
Vgl. Thomas Lemke: Lebenspolitik und Biomoral. Dimensionen genetischer Verantwortung. 2004.
Vgl. Günter Feuerstein, Regine Kolleg: Vom genetischen Wissen zum sozialen Risiko. 2000.
Alfons Bora, Regine Kollek: Biomedizin – Gesellschaftliche Deutungsmuster und soziale Praxis. Allgemeine Darstellung des Promotionsschwerpunktes Biomedizin des Evangelischen Studienwerkes Villigst.
Vgl. Gerhard Gamm: Der unbestimmte Mensch, S. 41.
Johannes 9,3
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