Zweite Pfarrstelle besetzt!
Herzlich willkommen, Sabine Zielsdorf!

Mit einem Leuchtturm verbindet man in der Regel Vorstellungen von Ruhe und Abgeschiedenheit. Bei Sabine Zielsdorf ist es anders: Die neue Pfarrvikarin, die am vergangenen Sonntag in der Evangelischen Emmausgemeinde Jügesheim ordiniert und in ihr Amt als Jügesheimer Pfarrerin neben Andreas Goetze eingeführt wurde, übernimmt eine so genannte „Leuchtturm-Stelle“ – und mithin einen Dienstauftrag, in dem sie sich vorrangig um Gemeindeaufbau-Projekte kümmern wird.
Als Leuchtturm-Stellen bezeichnet die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eigens eingerichtete Pfarrstellen in Kirchengemeinden, die sich besonders rührig darum kümmern, neue Zielgruppen zu erreichen und mit besonderen Angeboten und Veranstaltungen anzusprechen. Von Ruhe und Abgeschiedenheit also keine Spur.
Daneben wird Sabine Zielsdorf aber auch den pfarramtlichen Alltag der Jügesheimer Gemeinde mitgestalten: Gottesdienst und Konfi-Arbeit, Taufen, Schulunterricht und die Mitarbeit in Gremien und Gruppen gehören zu jedem Gemeindepfarramt.
Mit 29 Jahren blickt Zielsdorf schon auf ein buntes Theologinnenleben zurück: Kindergottesdienst und 13 Jahre im Posaunenchor ihrer Heimatgemeinde Herrnhag, ein Praktikum in der evangelischen Auslandsgemeinde in Budapest, Vikariat in Naunheim und Spezialvikariat im Projekt „Familienleben“ vier evangelischer Dekanate in Nordhessen, dazu Studium in Marburg, Heidelberg und Tübingen. Ihren Weg ins Pfarramt aber „verdanken Sie auch Ihrer Hartnäckigkeit“, so Pröpstin Gabriele Scherle, die die Ordinationszeremonie im Beisein von über 400 Gästen durchführte. Denn auf Grund der Pfarrstellensituation in der EKHN war es zunächst ungewiss, ob und wann die „Berufung in den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung“, wie es in der
Ordinationsformel heißt, erfolgen würde.
Deswegen lagen zwischen Ausbildung und erster Pfarrstelle auch noch einige Jahre Schuldienst: evangelische Religion, aber auch Mathe und Kunst an einer Gesamtschule forderten das pädagogische und didaktische Talent der Pfarrerin und weckten ihre Begeisterung für den Unterricht, von der nun auch Konfirmanden und Rodgauer Reli-Schüler profitieren werden.
In ihrer ersten Predigt vor der Jügesheimer Gottesdienstgemeinde fragte Sabine Zielsdorf nach dem Verhältnis zwischen Wort und Tat in der Kirchengemeinde: Nur beides in Kombination ermöglichten es, die christliche Botschaft nach draußen zu tragen und der Kraft des Heiligen Geistes Spielräume zu bieten.
Ganze elf Grußworte wurden im Anschluss an den Festgottesdienst bei einem Sommerfest unter strahlend blauem Himmel gesprochen und verlesen: Neben vielen Lebwohl-Grüßen aus der Vergangenheit begrüßte Kirchenvorsteher Jürgen Mack die neue Pfarrerin in Jügesheim und lud sie ein, entsprechend dem Leitbild der Emmausgemeinde „mit uns gemeinsam auf dem Weg zu sein und die Liebe Gottes den Menschen in dieser Stadt näher zu bringen“. Dem schloss sich auch Joachim Keller an. Der Vorsitzende des Jügesheimer Gemeindeaufbauvereins erinnerte noch einmal an den Beitrag vieler Freunde und Förderer der Gemeinde zum dauerhaften Erhalt der zweiten Pfarrstelle.
Der Rodgauer Dekanatspräses Joachim Fleiss grüßte im Namen des evangelischen Dekanats: „Das soziale Klima im Lande scheint kälter zu werden; für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie alle anderen Mitarbeiter der Kirche heißt es ‚Gegenhalten’“, ermunterte Fleiss die neue Pfarrerin und machte ihr Mut: „Die Menschen hier im Rodgau sind kritischer und fordernder, aber herzensgut und hellwach.“
Weitere Grüße überbrachten Kinder und Erzieherinnen aus der Emmaus-Kita sowie Nadine Halli und Julia Wiegand für die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde. Für die städtischen Gremien grüßten Bürgermeister Alois Schwab und Stadtverordnetenvorsteherin Annette Schweikart-Paul.





Liebe Jügesheimer,
die Kartons sind ausgepackt, die Möbel gerückt. Die alte Wohnung in Büdingen ist leer und wir fühlen uns hier in Jügesheim schon fast heimisch.
Anfang August bin ich zusammen mit meinem Mann hierher nach Jügesheim gezogen und bin jetzt Pfarrvikarin in Ihrer Gemeinde. Mein Name ist Sabine Zielsdorf, ich bin 29 Jahre alt und verheiratet.
Vielleicht waren Sie bei meiner Ordination oder haben schon in der Zeitung etwas über mich gelesen und Sie fragen sich immer noch, wie kommt so eine junge Frau eigentlich dazu in Jügesheim Pfarrerin zu werden.
Mein Konfirmationsspruch Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12) hat mich in all den Jahren meiner Ausbildung begleitet, gestärkt und mir den Weg gewiesen.
Ich bin überzeugt davon, dass Jesus Christus das Licht der Welt ist. Und trotzdem war Pfarrerin nicht mein Traumberuf. Aus Interesse und nur für ein Semester habe ich angefangen Theologie zu studieren. Es hat mir gefallen und ich bin geblieben. In Marburg, Heidelberg und Tübingen an den Universitäten habe ich studiert.
Aber das Bücher wälzen allein ist zu wenig zum Christ-Sein. Das Tun gehört auch dazu. Jesus sagt: Wer mir nachfolgt, der... Ich begann mir neben dem Studium auch praktische Arbeit in Gemeinden zu suchen. So besuchte ich im Heidelberger Uniklinikum Patienten der Chirurgischen Klinik. In Tübingen hatte ich viel Spass und Freude mit und an den Jungscharmädchen. Zurück in Heidelberg arbeitete ich in einer Gemeinde hinter Gittern. Mit den Frauen in der Justizvollzugsanstalt gestaltete ich die Sonntagsgottesdienste, wir lasen in der Bibel, sprachen über die Texte und den Glauben. Manchmal schwatzen wir auch einfach.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. Dass unser Gott lebendig ist und Leben gibt, durfte ich immer wieder erfahren und weitergeben. Letztendlich auch im Vikariat in Wetzlar-Naunheim, einer ganz rührigen Gemeinde in Nord-Nassau. Zwei Jahre arbeitete ich dort und lernte alles, was eine Pfarrerin als Handwerkszeug braucht. Mit Gottesdiensten, KV-Sitzungen, die bis in die späten Abendstunden dauerten, über Schulunterricht, einer Gemeindewoche mit Chagallausstellung, Geburtstagsbesuche bis hin zu Taufen und Beerdigungen war die Zeit gut ausgefüllt.
Im Anschluss daran ging es zum Projekt "FamilienLeben - Generationen gemeinsam" in die vier nördlichen Dekanat von Nord-Nassau. Dort sollten Menschen und Kirchengemeinden in der Region angesprochen werden, sich mit dem Miteinander der Generationen und Familie auseinanderzusetzen. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus der Auseinandersetzung mit dem Thema „Familie“ ist für viele Menschen gewesen, dass es das biblische Familienbild nicht gibt, sondern, dass es in der Bibel immer um die Gestaltungvon Beziehungen geht, zu der auch die Familienbeziehungen gehören.
In dieser Zeit bekam ich zum ersten Mal Kontakt mit der Emmausgemeinde ganz unverhofft rief mich Pastor Goetze an und fragte, ob ich Interesse hätte meinen Dienst als Pfarrerin nicht in Jügesheim beginnen zu lassen. Ich sagte zu.
Doch dann kam alles anders. Die Landeskirche übernahm mich nicht sofort, sondern erst nach einem Jahr in ihren Dienst, weil sich zu viele Theologen bewarben. Es wurde im wahrsten Sinne des Wortes finster. Was nun? Doch nicht Pfarrerin werden? Noch eine Ausbildung machen?
Ich bewarb mich an einer Gesamtschule und so kam es, dass ich im letzten Jahr an einer Schule arbeitete. Dort unterrichtete ich neben Religion auch Mathematik und Kunst.
So, nun haben Sie einiges über den Weg einer "neuen" Pfarrerin gelesen.
Aber jetzt bin ich hier angekommen und freue mich darauf Sie kennenzulernen. Einige von Ihnen habe mich schon freundlich auf der Straße begrüßt, Hilfe beim Eingewöhnen angeboten und mir Fragen beantwortet. Dafür danke ich an dieser Stelle!
Mit dem Spruch aus Johannes 8,12 grüße ich Sie herzlich
Ihre Sabine Zielsdorf
Jesus Christus spricht: Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.