Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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Die Kunst der Nähe – wie erfahre ich Gottes Gegenwart ? (Joh. 13, 1–15)

 

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu auf einem Esel in Jerusalem. Die Menschen begrüßten ihn freudig mit Palmenzweigen als König des Friedens. Die Stimmung in dieser Woche kippt jedoch. Die Gottesdienste der Karwoche nehmen diese einzigartige Dramaturgie in verschiedenster Form auf.

Mit dem Gründonnerstag beginnen die sogenannten „Heiligen drei Tage“, in denen das Gedächtnis an das Leiden und Sterben Jesu seinen Höhepunkt erreicht.
Die liturgische Farbe ist „Weiß“ wie an Ostern. Das Licht umrahmt alles, was sich dazwischen an Finsterem auftut.

An diesem Abend geht es um etwas Besonderes. Bevor das Licht erlischt, demonstriert Jesus, wie das Reich Gottes in der Welt aufscheinen kann. Jesus zeigt sich seinen Freunden zugewandt, obwohl er weiß, dass sein Leben in Gefahr ist.
Er steht zu der Gemeinschaft, die er ins Leben gerufen hat.

 

Jesus saß mit seinen Jüngern beim Mahl. Da stand er plötzlich auf, legte das Obergewand ab und begann, seinen Jüngern die Füße zu waschen.
Als er zu Petrus kam, begehrte dieser auf. Für den Jünger war, was hier geschah, verkehrte Welt. Er hatte Recht.
Einem Gast die Füße zu waschen war im Israel jener Tage ein Sklavendienst. Mehr noch: lediglich ausländische Sklaven wurden zu diesem wenig ehrenhaften Dienst herangezogen. Ansonsten waren nur Kinder verpflichtet, ihren Eltern, und Schüler ihrem Lehrer, die Füße zu waschen.
Jesus stellte mit seinem Verhalten tatsächlich alles auf den Kopf. Es ist kein Wunder, dass Petrus protestiert. Petrus wird angst und bange.

Jesus wäscht ihm die Füße. Was Sklaven ihren Herren tun, gewährt Jesus seinen Freunden. Da ist ein Funken des Reiches Gottes zu sehen: wenn Menschen sich einander hingeben und nicht an Standesschranken Halt machen. Petrus hält das kaum aus. Er spürt, dass er von solche einer Hingabe weit entfernt ist.

 

Es könnte aber sein, dass er in diesem Augenblick etwas begreift. Es ist möglich, dass er – und sei es nur von ferne – erkennt: Was Jesus hier tut, hat mit seiner Liebe zu mir zu tun. Er macht sich nicht einfach erbärmlich. Er tut dies für mich. Bei alledem wusste der Apostel freilich noch nicht, dass die ganze Fußwaschung nur ein leichtes Vorspiel der noch viel tieferen Erniedrigung war, die auf den Meister wartete.

 

Jesus fiel in die Hände der Menschen – und er blieb darin. Er befreite sich nicht.
Ich habe mich schon manches mal gefragt: Wo waren damals eigentlich die, denen Jesus geholfen hatte? Wo war der römische Hauptmann, dessen Sohn geheilt worden war? Wo waren die, die davon wussten? Wo waren all jene, als man Jesus durch die Straßen trieb, warum liefen die geheilten Lahmen nicht mit? Wo waren die Aussätzigen, die er gesund gemacht hatte, die Blinden, die Tauben? Warum kamen deren Familien nicht, um für Jesus Partei zu ergreifen? Und wenn er doch soviel Macht über Krankheit und Tod besaß, warum musste er derart erbärmlich enden?

„Anderen hat er geholfen und kann sich selbst nicht helfen“, heißt es in der Passionsgeschichte. Da ist wieder dieser Widerspruch. Er wird auch hier auf unserem Bild sichtbar. Der Hintergrund ist rot – wie Blut, aber auch wie das glutvolle Leben.

Und Jesus? Er wird später verhaftet an diesem Abend, dann gegeißelt und steht dennoch aufrecht. Man wird ihm eine Krone aus Dornen flechten und krönt ihn doch zum König. Wie bringen wir das zusammen: Die Ohnmacht und die Stärke, das Leiden und den Sieg, das Ende am Kreuz und die Botschaft von der Auferstehung?

Mit dieser Frage rühren wir an das tiefste Geheimnis Jesu. Es ist das Geheimnis der Bosheit der Menschen und der Liebe Gottes – das Geheimnis unserer Erlösung.

 

Ich kenne eine Geschichte, die für mich in eindrucksvoller Weise versucht, dieses Geheimnis zu erklären.

Sie erzählt von einem König, der ebenso gerecht wie liebevoll war.

Aus der Kasse des Königs wurde viel Geld gestohlen. Eine schlimme Tat! Sie ist so schwer, dass sie mit mindestens hundert Peitschenhieben bestraft werden soll.
Als man den Schuldigen entlarvt, ist es sein Freund, den er so sehr liebt.
Der Gerichtstag ist gekommen. Die Menschen drängen sich um den Richtplatz. „Er kann das nicht tun“, so sagen die einen, „wo bliebe denn seine Liebe“. „Er muss ihn verurteilen“, meinen andere. „Wir würden sonst aufhören, an seine Gerechtigkeit zu glauben“. Als sich der Fürst auf den Richterstuhl setzt, wird es totenstill. „Er kann es nicht tun“, denken diese, „er muss es tun“, flüstern jene. Das Urteil wird gesprochen, der Stab gebrochen. Schuldig.

Doch dann geschieht etwas Eigenartiges. Der Fürst erhebt sich. Er geht zu dem Pfahl, an dem der Verurteilte steht. Er bindet ihn los und begibt sich an dessen Stelle. „Tut euer Werk“, sagt er zu den Prügelknechten, „die Peitschenhiebe auf meinen Rücken“.

Die Geschichte versucht darzulegen, inwiefern Jesu scheinbare Ohnmacht in Wahrheit Stärke war. Die Stärke des gerechten und des erbarmenden Gottes.
Denn der lässt diese Welt bestehen wie sie ist. Und lässt sie dennoch nicht an ihrer eigenen Bosheit zugrunde gehen.

Aus diesem Grunde mutet Jesus dem Petrus und den anderen Jüngern zu, zu erkennen, dass Gott sehr tief steigen musste – in Tod und Tränen hinein.

Er wäscht seine Hände nicht in Unschuld wie Pilatus, Jesus wäscht wie ein Sklave den Jüngern die Füße.

Für jeden, der gern eine hohe Meinung von sich behalten will, ist es hart, dies zu begreifen.

Aber Gott hat sich in Jesus tatsächlich so weit zu uns hinab begeben, um uns zu erwecken. Nun kann keiner mehr so tun, als ob es ihn nicht gäbe und als ob alles beim alten bleiben müsste.

Er steht da und fragt, ob wir seine Liebe annehmen wollen oder nicht – das zeigt er im Zeichen der Fußwaschung. Wer das entdeckt, der erfährt das andere, wovon ebenfalls in dieser Geschichte die Rede ist. "Ein Beispiel habe ich euch gegeben", sagt Jesus, "dass ihr einander tut, wie ich euch getan habe".

 

So feiern nun auch wir Abendmahl. Wir erinnern uns an die Nacht der Gefangennahme und an Jesu Tod. Im Brot und im Wein wird uns gezeigt, was ihn seine Liebe zu uns gekostet hat. Wir erfahren jedoch zugleich, dass er lebt und dass wir aufleben können durch ihn. Denn es ist wahr: "Er trug unsere Krankheit. Er lud auf sich unsere Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt".

 

 

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