Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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Massenauswanderung der Christen

von Ulrich Sahm, KNA Jerusalem, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Der Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem heißt jetzt "Omar-Platz", entsprechend der Omar-Moschee gegenüber der Geburtskirche, wo gemäß der Tradition die Krippe Jesu stand. Über zehntausend Christen (exakt 10.754) haben seit der Ankunft Arafats in Bethlehem, einen Tag vor Weihnachten 1994, die palästinensischen Gebiete verlassen. Moslems verdrängen zunehmend die Christen aus der Geburtsstadt Jesu. Als Bethlehems christlicher Bürgermeister Chanan Nassar heimkehrte von einer Visite bei Arafat, wo er sich über Grabschändungen, Morde und Überfälle beschwerte, musste er erst einmal sein brennendes Auto löschen.

Diese Angaben stammen von zwei namentlich nicht genannten Christen, die seit 1994 Buch führen zum Zustand der Christen in den Palästinensergebieten. Ihren Report haben sie anonym nach Israel geschmuggelt, wo das israelische Militär eine "vertrauliche" Zusammenfassung schuf. Die wurde israelischen Ministern und dem lateinischen Patriarchen vorgelegt. "Unter der Hand" gelangte sie auch an die KNA in Jerusalem. Die darin enthaltenen Details über Christenverfolgungen, Morde, Vergewaltigungen und Friedhofsschändungen entsprechen voll den Informationen, die christliche Sprecher immer wieder der KNA mitgeteilt haben. Mangels konkreter Bestätigungen und umfassender Berichte wurden sie nie veröffentlicht.

Der lateinische Patriarch bestätigte nach mehrmaligen Anfragen der KNA eine Abwanderung von etwa 2000 Christen, spielte aber die Bedeutung herunter. Eine "Flucht" von über zehntausend Christen entspricht voll dem "Eindruck" bei Gesprächen mit Christen in der Gegend von Bethlehem, wurde aber von den Kirchen dementiert. Patriarch Sabbah weigerte sich, zu dem neuen Report Stellung zu nehmen.

Gemäß der Zusammenfassung des Reports wuchsen die Spannungen zwischen Christen und Moslems wegen der Stärkung islamistischer Strömungen. Problematisch sei das soziale Gefälle zwischen wohlhabenden Christen und eher ärmlichen Moslems. Den Christen wurde vorgeworfen, mit Israel "kollaboriert" zu haben, weil sie sich nicht aktiv an der Intifada beteiligten. Das Chaos in den Palästinensergebieten führte zu einer Zunahme der Überfälle auf Christen. Mindestens drei bekannte Christen wurden ermordet. Gleichzeitig litten die Christen unter einem wirtschaftlichen Niedergang wegen dem Ausbleiben von Touristen. Dennoch gerieten die Spannungen "nicht völlig aus der Kontrolle", wegen Arafats Rücksicht auf die christliche Minderheit. Aber es wurden Friedhofsschändungen verzeichnet, physische Überfälle auf führende Christen, Zerstörung und Brandschatzung christlicher Läden, Beschlagnahme von Grundstücken ausgewanderter oder gestorbener Christen, darunter sogar Grundstücke der Orthodoxen Kirchen.

Christliche Frauen seien beleidigt worden. Christliche Mädchen "verschwanden". Für Christen gespendete Hilfsgelder aus dem Ausland wurden beschlagnahmt und an Moslems verteilt. Weiter heißt es in dem vertraulichen Report, dass die Christen über Israel empört seien, weil im Rahmen des Kampfes gegen den Terror unschuldige Christen und ihr Eigentum zum Opfer gefallen seien. Die Zäune und Mauern in Abu Dis bei Jerusalem und entlang der Grenze zu Bethlehem würden die enge Verflechtung der Christen aus Bethlehem mit den Gemeinden in Jerusalem empfindlich treffen. Die im Bau befindliche Mauer beim Grab der Erzmutter Rachel werde von den christlichen Gemeinschaften gar als "Todesstoß" empfunden. Christen in Bethlehem und Bethanien befürchten, von Israel abgespalten zu werden.

Beigefügte Statistiken ergeben, dass im Januar 1994, wenige Tage nach der Übergabe Bethlehems an die palästinensische Autonomiebehörde genau 49.654 Christen in den palästinensisch-kontrollierten Gebieten im Westjordanland und in Gaza lebten. Seitdem hätten 10.754 Christen diese Gebiete verlassen, etwa die Hälfte von ihnen seit Ausbruch der El-Aksa-Intifada im September 2000. Allein in Bethlehem, der größten Konzentration von Christen, sank deren Zahl von 29401 auf nur noch 23.659.

Bild: Am Tag der Ankunft Arafats am 23. Dezember 1994 wurde auf dem Dach der Geburtskirche Bethlehems ein 4x4 Meter großes Modell des muslimischen Felsendoms aufgestellt.

Anmerkung: Die im Bericht erwähnten hebräischsprachigen Dokumente liegen dem "Jerusalemer Tagebuch" vor.

 

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