Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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A beautiful mind – auf welche Stimme(n) höre ich?

Mk.10, 46-52

Konfirmationspredigt 4. und 11. Juni 2006

A: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde: Gnadenzuspruch.
Kennt ihr John Nash? – Also, das war einer der klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts. Seine Wirtschaftthesen waren revolutionär und er bekam sogar den Nobelpreis. Also, dieser John Nash war ein super Typ, einfach klasse. Doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere bekam John Nash einen totalen Zusammenbruch.

B: Was war passiert?

A: Der Film „A beautiful mind“ erzählt die Lebensgeschichte von John Nash. Da sehen wir, wir dieser kluge und totale Supertyp Stimmen hört – Stimmen, die nur in der Vorstellung von John Nash existieren.

B: Diese Stimmen hatten mit der Wirklichkeit nichts zu tun?!

A: Genau – diese Stimmen existierten nur in ihm, in seinem Kopf. Wenn er auf diese Stimmen hörte, zerstörten sie seine Beziehungen, verzerrten seine Wahrnehmungen, ließen ihn immer verrückter und ängstlicher werden.

B: Hatte er dann überhaupt eine Chance, ein richtiges Leben zu führen?

A: Besonders bemerkenswert an der Geschichte von John Nash ist, dass er im Laufe der Zeit tatsächlich in der Lage war, die Kunst der Unterscheidung zu lernen.

B: Du meinst, dass es ihm gelang, die Stimmen in ihm zu unterscheiden?

A: Ja, er lernte diejenigen Stimmen nicht mehr zu beachten, die ihn zerstörten, die sein Leben kaputt machten. Sie verließen ihn im Zuge seiner „Heilung“ zwar nicht ganz, aber ihr Griff um seinen Verstand lockerte sich mehr und mehr. Und dann erzählt er an einer Stelle im Film einem Freund, dass sein Kampf eigentlich auch nicht anders ist als der, den wir alle kämpfen: „Ich bin nicht so anders als du“, sagt er.

B: Du meinst: Wir alle hören Stimmen und müssen entscheiden, welchen wir unsere Aufmerksamkeit schenken?

A: Pass auf: Zwei Menschen leiden an Krebs. Einer verzweifelt, der andere strahlt Zuversicht aus. Die Krankheit ist dieselbe. Der Unterschied liegt in ihren Köpfen.

B: Ah, ich verstehe: zwei Menschen müssen mit wenig Geld auskommen. Einer wird vom Neid zerfressen, der andere strahlt Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft aus. Der Unterschied liegt in ihren Köpfen.

A: Zwei Menschen kommen auf der Karriereleiter weit nach oben. Einer benutzt seine Macht, um sich selbst darzustellen und Kontrolle auszuüben. Der andere bereichert seine Umgebung mit seinen Ideen und seinem Einfluss. Die Positionen sind dieselben. Der Unterschied liegt in ihren Köpfen.

B: Zwei Menschen leben im Universum, in dem Gott ständig präsent ist. Einer von ihnen beschließt, dass in seinen Gedanken kein Platz für Gott ist. Der andere erkennt Gottes Existenz an und will sein Leben nach Gottes Liebe und Willen ausrichten. Gottes Angebot ist dasselbe. Der Unterschied liegt in den Köpfen.

A: „Wir hören alle Stimmen!“. Also, ich kann das nur bestätigen. Ja, es sind eine Unmenge an Stimmen, die an mein Ohr dringen. Auf welche höre ich? Auf welche vertraue ich? Auf wen oder was kann ich mich verlassen?

B: Manche Stimmen, die an mein Ohr dringen, sind verzerrt, machen mich kaputt. Sie flüstern mir Gedanken des Neids, der Ablehnung und der Angst zu. Manche Stimmen sind aber auch gesund und stark, sie sprechen von Liebe und Wahrheit. Die, auf die ich höre, formen mein Leben.

A: Ja, liebe Konfis, auf welche Stimmen hört ihr? Wer oder was steht bei euch im Mittelpunkt eurer Gedanken? „Geiz ist geil“? „Hauptsache, ich komme durch“? „Ich darf ja nicht zu kurz kommen!“?

B: Auf welche Stimme du besonders hörst, das entscheidet über dein Leben. Was dich in deinen Gedanken prägt, das formt dein Leben. Du musst dich entscheiden.

A: Von Bartimäus haben wir in der Lesung aus der Bibel gehört. Bartimäus, der blinde Bettler. Der, der schon jahrelang am Straßenrand von den Resten lebt, die andere ihm hinwerfen. Seine Ohren sind geschult. Er hört ganz genau hin. Und er erkennt im Tonfall der Stimme, ob es jemand gut oder böse mit ihm meint. Er erkennt an der Art der Stimme, welchen Charakter der andere hat.

B: Dieser blinde Bartimäus ist nun ganz Ohr. Er hat gehört, dass Jesus in die Stadt kommt. Und von dem hat er schon viel gehört. Viele Stimmen sind an sein Ohr gedrungen. Und jetzt hört er ganz genau hin. Er hört Jesus kommen. Und das ist gar nicht so einfach.

A: Ja, denn es ist furchtbar laut um ihn herum. Viele Stimmen kreischen, schreien, sie schieben ihn weg und schimpfen. Irre Szenen spielen sich da ab in den Straßen von Jericho. Ich denke, ihr kennt das auch: ich weiß nicht, was ich tun soll, da sagt einer was, da rät eine andere mir, im Stimmengewirr wird mir ganz komisch. Wem soll ich glauben?

B: Und Bartimäus hat Angst, Jesus zu überhören; er hat Angst, dass Jesus einfach an ihm vorbeigeht. Denn er will wissen, was es mit diesem Jesus auf sich hat. Er lässt sich nicht abhalten von denen, die ihn wegschieben. Das habt ihr als Konfis auch nicht gemacht. Ihr seid ein gutes Jahr zum Konfirmandenunterricht gekommen, habt euch mit Gott und dem christlichen Glauben beschäftigt. Na, wer hat nicht in diesem Jahr gehört: „ was, du gehst in die Kirche? Geht´s dir schon so schlecht?“ – „Was willst du denn da? Is´ja uncool“. Ihr seid dabei geblieben, habt nicht aufgegeben.

A: Wie Bartimäus. Der blieb dran. Der ließ sich nicht von der Menge abdrängen. Er schrie: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“. Und als die Menge ihn erst recht wegschubste, rief er noch lauter: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Sich nicht abwimmeln lassen ist das eine.

B: Dranbleiben am Glauben, dranbleiben an Gott, das ist das andere. Bartimäus bleibt dran. Und Jesus hört die Stimme des Bartimäus – und er lässt ihn zu sich rufen. Und nun kommt etwas, was mich gänzlich umhaut: Jesus fragt Bartimäus: „Was willst du, das ich dir tun soll?“ Ich denk: sieht denn Jesus nicht, was der blinde Mann will? Der will wieder sehen können! Also, was fragt Jesus so blöd?

A: Moment, Jesus tut nichts Unbedachtes, er macht nichts leichtfertig. Wenn er den blinden Bartimäus so fragt, muss das einen Grund haben.

B: Du hast Recht. Darüber habe ich auch nachgedacht: Jesus fragt den blinden Mann, weil er wirklich von ihm persönlich erfahren will, was seine Not ist, was er echt will. Jesus tut nichts über die Köpfe der Menschen hinweg. Er hört Bartimäus zu, er nimmt sich Zeit für ihn, er fragt nach. Und dann kann Bartimäus sagen, was ihn bedrückt.

A: Ein erstaunlicher Mann, dieser Bartimäus. Er lässt sich durch die vielen Stimmen um ihn herum nicht verrückt machen. Alle hacken auf ihn ein. Und er hat nur einen Gedanken: er will Jesus treffen. Er ist bereit, seinen Kopf frei zu machen für Gott.

B: Dazu muss ich erst ´mal glauben, dass Gott zu mir spricht. Und lernen, auf Gottes Stimme zu hören.

A: Wie Bartimäus. Der hört in all den vielen Stimmen die eine Stimme Jesu heraus, die eine Stimme, die ihn zu sich ruft. Wenn Du dich konfirmieren lässt und es auch ein bisschen ernst meinst mit Gott und nicht bloß ´ne nette Fete willst, dann musst du auch weiterhin deinen Kopf frei machen – so frei, dass du die Stimme Gottes für dein Leben weiter hören kannst.

B: Du musst das Laute in dir und um dich herum ablegen. Dich frei machen davon, dass andere dich belächeln, dass du an Gott glaubst. Du musst einfach deinen Kopf frei machen für Gott. Dann kannst du lernen, auf seine Stimme zu hören. Gottes Stimme. Du bist gefragt von Jesus – wie Bartimäus.

A: Es gibt einen endlosen Strom von Gedanken, die durch deinen Kopf schießen. Deine Gedanken schweigen niemals. Ständig jagen in dir Gedanken, Beobachtungen, Annahmen und Ideen durch den Kopf – an das meiste kannst du dich noch nicht ´mal erinnern.

B: Aber unbewusst hat tatsächlich jeder Gedanke eine gewisse Macht in sich. Deshalb ist es alles andere als egal, welche Musik du hörst, welche Texte du liest, welche Feste du feierst, welche Freunde du hast, welche Gedanken du denkst: denn alles kann dich zu Gott führen oder es kann dich von ihm wegziehen. Kein Gedanke ist neutral!

A: Ein Gedanke ist entweder hilfreich und bestärkt dich darin, ein Leben im Sinne Gottes zu führen oder er führt dich davon weg. Mit der Zeit kannst du lernen, Gottes Stimme wahrzunehmen. Einen Anfang hast du gemacht in diesem Konfi-Jahr. Wenn du dran bleibst am Gebet, am Mitfeiern des Gottesdienstes, am Lesen in der Bibel, am Mitarbeiten in der Gemeinde – dann bleibst du dran an Gott – und in deinen Gedanken, in deinem Kopf hat Gott einen wichtigen Platz gefunden. Dann machst du dich mit Gott auf deinen Lebensweg - wie Bartimäus, von dem es heißt: „ und alsbald konnte er wieder sehen und folgte ihm nach auf dem Wege“.

B: Im Grunde gibt es drei Verhaltens-Alternativen für deinen Lebensweg. Du kannst Gott bewusst und durch dein Handeln dazu einladen, in deinen Gedanken präsent zu sein. Du kannst ihn ab und zu ´mal reinschauen lassen oder du kannst die Tür vor ihm verschließen. Es hängst davon ab, welche Art von Denken du pflegst. Wir nennen dir die drei Möglichkeiten.

A: Die erste Verhaltens-Alternative: Vielleicht ist dein Ziel Betrug und Selbstbetrug. Es ist nicht sonderlich schwer, ein solches Denken zu pflegen. Die meisten Erwachsenen tun das. Das schaffst du also auch! Pass einfach auf, was du in deinen Kopf hineinlässt und was nicht. Wenn du dich und andere betrügen willst, musst du nur in dieser Art denken: „Der ist erfolgreicher als ich, das gefällt mir nicht. Hoffentlich erlebt er bald eine Pleite“. – „Dieser Typ hat so schäbige Klamotten an. Das ist wohl ein ziemlicher Looser“ – Sie ist so klug und so beliebt. Ich fühle mich von ihr bedroht. Ich werde ´mal ein paar schlechte Dinge über sie loswerden, die kriege ich klein“.

B: Die Launen, die mit solchen Gedanken dein Leben bestimmen werden, entstammen der Angst, unbefriedigten Wünschen und Rachsucht. Es ist nicht schwierig, solche Gedanken zu pflegen. Du brauchst nur dafür zu sorgen, dass andere gute Gedanken keinen Platz haben.

A: Das Wichtigste bei dieser Verhaltens-Alternative, die ja - wie gesagt - die meisten Erwachsenen pflegen, ist: Meide die Bibel, meide weise und ehrliche Menschen, meide Gelegenheiten, einen Blick auf dein Inneres zu werfen. Meide Kontakt zu Leuten, die am Ende so etwas wie Mitgefühl haben. Vermeide es, nach Gott Ausschau zu halten.

B: Die zweite Verhaltens-Alternative: Wenn dein Ziel ist, ein mittelprächtiges Leben zu führen, kannst du einen „Halb-und-halb-Deal“ abschließen. Die Bibel nennt diesen Zustand „geteiltes Herz“. Dann am besten erst mal nach der Konfirmation abtauchen, sich bloß nicht gleich wieder in der Kirche sehen lassen. Ab und zu schaust du vielleicht `mal in die Bibel – aber bitte ohne die Absicht, dass sich dadurch dein Leben verändern könnte. Bete auch gelegentlich – am besten nur dann, wenn du Probleme hast. Wenn es dir gut geht, bist du stolz auf dich. Wenn es dir schlecht geht, schiebst du es Gott in die Schuhe.

A: Aber es gibt noch eine dritte Alternative, wir nennen sie die „Bartimäus-Alternative“: Mach deine Gedanken zu Gottes Aufenthaltsraum. Nimm dich und dein „Ja“ zu Gott durch die Konfirmation ernst. Lass es zu deinem Ziel werden, all deine Gedanken auf eine lebendige Beziehung zu Gott auszurichten, so dass er nach und nach all deine verzerrten Ideen, deine destruktiven und angstbesetzten Gefühle verdrängt. Und du wirst merken, wie sich deine Gedanken mehr und mehr auf Gott einstellen, wie die Gefühle, die dein inneres Leben bestimmen, aus Freude, Liebe und Frieden bestehen – den drei wichtigsten Eigenschaften, die der Heilige Geist Gottes an Pfingsten für uns alle bereitgestellt hat.

B: Wie wird das konkret? Z.B.: Ich stehe vor einem Problem. Ich erinnere mich daran, dass ich nicht allein bin. Das Wissen, das der Herr mein Hirte ist, ist Teil meines Denkens geworden. Ich muss mich nicht toller oder besser darstellen als ich bin. Ich lebe im Frieden mit Gott und mit mir selbst.

A: Jemand lobt mich. Ich denke nicht gleich: „Was bin ich für ein toller Hecht!“ Meine ersten Gedanken und Gefühle wenden sich Gottes Güte in meinem Leben zu. Ich lobe und preise Gott und bin dankbar für die Begegnung.

B: Jemand regt sich über mich auf. Ich denke daran, dass Gott bei mir ist und mich liebt. Ich muss mich nicht ducken oder gegen die Kritik lospoltern. Ich weiß mich wie mein Gegenüber von Gott geliebt. Das macht mich gelassen, kritikfähig und lebenstüchtig.

A: Merke: Gott ist nie weiter als einen Gedanken von dir entfernt. Damit meine Gedanken wirklich zu Gottes Aufenthaltsraum werden, muss ich die Stimmen an mich heranlassen, von denen Gott sagt, dass sie wichtig sind. Wir wünschen uns oft, dass doch Gott zu sprechen möge, dass wir die richtigen Entscheidungen für unser Leben treffen. Doch wir möchten uns gleichzeitig das Recht vorbehalten, unsere Köpfe mit allem Müll voll zu stopfen, der unseres Weges kommt.

B: Doch alles, was zum wiederholten Mal deine Gedanken füllt, besetzt sie schließlich, formt dich. Und wird sich dann darin zeigen, was du tust und wer du wirst. Die Ereignisse, bei denen du dabei bist; das Material, das du liest (oder nicht liest!); die Musik, die du hörst; die Bilder, die du siehst (auch im Fernsehen!) – sie formen dich. Letztlich machen sie dich, machen sie uns empfangsbereit oder taub für die leise Stimme Gottes.

A: Es geht daher in unserem Leben nicht um die Frage, ob wir uns Gedanken machen, sondern über was wir uns Gedanken machen. Es gibt Leute, die machen sich ständig Sorgen. Wenn Sie wissen, wie man sich Sorgen macht, dann wissen Sie auch, wie Sie sich Gedanken machen können.

B: In Psalm 16 heißt es: „Ich preise den Herrn, meinen Gott, der mir sagt, was ich tun soll; auch nachts erinnert mich mein Gewissen an seinen Rat. Er ist mir nahe, das ist mir immer bewusst. Er steht mir zur Seite, ich fühle mich ganz sicher“. Wenn das Wirklichkeit ist, verändert sich mein Leben.

A: Mein Leben verläuft anders, wenn Gott als unsichtbarer Dritter dabei ist. Bei der Arbeit oder in der Schule kann ich ständig im Zwiegespräch mit Gott sein und ihn um seine Führung und Hilfe bitten, statt die Lasten allein zu tragen. Er ist da! Er ist wirklich mit mir.

B: Konfirmation ist Einladung, den Sender auf Gott einzustellen und seiner Stimme im eigenen Leben Raum zu geben. Die Verhaltens-Alternativen sind klar: nach deiner Laune leben, einen „Halb-und-Halb-Deal“ machen oder sich wirklich auf Gottes leise Stimme einlassen und dein Leben bestimmen lassen von Liebe, Freude und Frieden.

 

 

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