Kinder beten für den Frieden Jerusalems
Ernie --ISM
Am Freitag, den 6.Mai nahm ich an einem aufregenden Ereignis palästinensischer Kinder teil, das von der christlich-ökumenischen Stiftung des Heiligen Landes organisiert worden war. Die frohe Stimmung aller Kinder und ihrer Lehrer stand völlig im Gegensatz zum täglichen Leiden, das in diesem zerbrochenen und doch „Heiligen Land“ erfahren wird. Fast tausend christliche palästinensische Kinder aus 13 Orten der Westbank versammelten sich an den Heiligen Stätten Jerusalems, um zu beten. Die Kinder waren orthodox, katholisch, protestantisch und kamen von der Griechischen, Lateinischen, Syrischen, Armenischen und der Lutherischen Kirche, um nur einige aufzuzählen.
Sie kamen aus Städten und Dörfern: aus Taybeh, Zebabdeh, Nablus, Ramallah, Jifne, Aboud, Birzeit, Beit Sahour, Bethlehem und Beit Jala u.a.
Für viel von ihnen war es das erste Mal, dass sie in Jerusalem waren, obwohl manche nur wenige Kilometer davon entfernt leben. Hunderte von israelischen Kontrollpunkten und Straßensperren überall in den palästinensischen Gebieten behindern die Bewegungsfreiheit. Und die Identitätskarten, die jeder Palästinenser bei sich tragen muss, schränkt die Bewegung außerhalb der eigenen Stadt auch ein. Die meisten palästinensisch-muslimischen Kinder sind auf diese Weise auch daran gehindert worden, jemals zur Al-Aqsa-Moschee oder dem Felsendom, eine der heiligsten Stätten der muslimischen Welt in Jerusalems Altstadt, zum Beten zu kommen.
Als George Ghatas, einer der Organisatoren dieses Ereignisses, Hunderte von Kindern durch das Jaffator in das Christliche Viertel begleitete, sagte er: „Wir bringen eine Botschaft mit, dass Jerusalem uns allen gehört . Es ist eine heilige Stadt für Christen, Muslime und Juden. Es ist eine Botschaft des Friedens und des Wunsches, Jerusalem mit einander zu teilen.“
Kinder mit Hüten in leuchtenden Farben - jeder Ort hatte seine Farbe - liefen glücklich durch die Altstadt auf der Via Dolorosa, zündeten Kerzen in der Grabeskirche an, schauten in die Höhlen unter der St. Petruskirche hinunter, die von den ersten Christen benützt wurden und spielten in den privaten Gärten der St. Annen-Basilika.
Sie begannen den Tag oben auf dem Ölberg, wo die Busse aus allen Richtungen ankamen. Die Erwachsenen versuchten, den Kindern Lieder beizubringen, damit sie zusammen singen könnten. Dies war nicht besonders erfolgreich. Die Kinder waren zu aufgeregt. Dann gingen alle den traditionellen Pilgerweg hinunter zum Garten Gezemaneh. Die Kinder trugen Luftballons in den Farben des Regenbogens, aber auch Wimpel mit Worten aus der Bibel, in denen es um Frieden und Gerechtigkeit geht. Bei der Ankunft im Garten und der Kirche aller Nationen strömten die Kinder herein und versuchten ihr Bestes, nicht in ein vollständiges Durcheinander zu geraten.
Dann stellten sie sich in eine Reihe, um bei dem Stein, wo Jesus zu Gott gebetet haben soll, um ihn zu schonen, einer nach dem anderen niederzuknien, zu beten und den Stein zu küssen. Außerhalb der Kirche vollführte ein israelisches Kampfflugzeug fantasievolle Manöver. Die Kinder ließen Tauben aus Käfigen aufsteigen, die sie von zu Hause mitgebracht hatten, oder Luftballone, die nun den Himmel über dem Felsendom mit ihren Hoffnungen, Rufen und Liedern füllten.
Die Ernsthaftigkeit des Tages war bei all den kindlichen Spielen nicht verloren gegangen. Während sie rannten, spielten, erforschten und mit einander redeten, klang heraus, wie glücklich sie waren, dass sie nach Jerusalem zum Beten kommen und mehr über das Leben von Jesus Christus und die heiligen Stätten zu erfahren konnten. George, ein Kind mit rotem Hut aus Ramallah sagte: „Ich kam hierher zum Beten und um Gott Hallo! zu sagen. Ich habe ihn darum gebeten, uns in Palästina Frieden zu schenken.“
Vielleicht wird es eines Tages nicht mehr ungewöhnlich sein, dass christliche und muslimische Kinder die Freiheit haben, in ihrer Heiligen Stadt Seite an Seite mit ihren jüdischen Brüdern und Schwestern zu beten. So wie die kleine Maria aus Bethlehem ( in verzeihlich unvollkommenen ) Englisch sagte: „Es sind doch unsere Orte!“
(dt. Ellen Rohlfs)
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