500. Geburtstag von Johann Calvin - Vater der reformierten Kirche und der Arbeitsmoral
Protestanten feiern Johannes Calvins 500. Geburtstag
von Thomas Greif
Es klingt eingängig: Wittenberg + Luther = Reformation. Tatsächlich aber bedurfte es eines genialen Juristen und Theologen, um aus der Reformation ein Ereignis von globaler Nachhaltigkeit zu machen. Geboren wurde er vor 500 Jahren. Sein Name: Jean Cauvin, bekannt als Johannes Calvin.
Reformation als weltweites Ereignis
Ohne Calvins Einfluss wäre die Reformation eine deutsch-skandinavische Angelegenheit geblieben. „Er hat das städtische und das internationale Element in die Reformation eingebracht, die sonst schrecklich deutsch geblieben wäre“, so der Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies. Anders als Luther wird Calvin jedoch häufig kritisiert – als Diktator von Genf, starrsinniger Dogmatiker, strenger Sittenrichter.
Geboren wird Johannes Calvin am 10. Juli 1509 im nordfranzösischen Noyon. Mit 14 Jahren beginnt er seinen Studien, zunächst mit theologischen, dann mit juristischen Ambitionen. Bald wird er als scharfsinniger Intellektueller bekannt. Mit Luther stand er in regem Briefkontakt.
Flucht und Exil
In Paris lernt er Luthers Gedankengut kennen und erlebt die ersten Protestantenverfolgungen. Flucht und Exil bestimmen von nun an sein Leben. 1535 erscheint in Basel die erste Auflage seines wichtigsten Werks, der „Institutio christianae religionis“. Im Juli 1536 gelangt Calvin nach Genf. Er streitet mit dem Rat über Kirchenzucht und Abendmahl - und wird aus der Stadt gewiesen. Drei Jahre später kehrt er auf Bitten des neuen Stadtrats zurück. Er sorgt für die Trennung von geistlicher Gewalt und bürgerlicher Gerichtsbarkeit und führt das Prinzip der vier kirchlichen Ämter ein: Pastoren, Lehrer, Älteste und Diakone. Die Einführung radikaler Sittengesetze beschert Calvin bleibende Unpopularität.
Bildung für alle
Auf der anderen Seite schrieb ein italienischer Protestant begeistert aus Genf nach Hause: „Fluchen und Lästern kennt man hier nicht. Die Mildtätigkeit ist so groß, dass die Armen nicht zu betteln brauchen. Streitigkeiten sind aus der Stadt verbannt“. So sorgt Calvin für „Bildung für alle“, ob arm oder reich – lange bevor es eine Pisa-Studie gegeben hat.
1559 gründet er die Genfer Akademie, eine der ältesten öffentlichen Schulen der Welt. Von hier aus verbreitete sich der Calvinismus in die ganze Welt. Am 27. Mai 1564 stirbt Calvin in Genf. Nein, ein Diktator war Calvin nicht. Vieles, was wir heute als Engstirnigkeit verurteilen, war im 16. Jahrhundert gang und gäbe. Tatsächlich hat Calvin für viele Grundwerte der abendländischen Gesellschaft Fundamente gelegt. Seine Genfer Kirchenordnung weist in die Richtung der späteren staatlichen Gewaltenteilung und macht ihn zu einem „Erzvater der Demokratie“.