| Ihr himmlischen Wonnen
Überall ist es besser, wo wir nicht sind. Vor allem aber im Paradies: Die Religionen der Welt übertreffen einander in der Glorifizierung des Jenseits. Diese Wunschvorstellungen, die von einem schwierigen Diesseits erzählen, gehören seit jeher zum Inventar der Menschheit
VON MARTIN REICHERT
Wenn man stirbt, geht das Licht aus - eine wenig Trost spendende Weisheit des gelernten Atheisten, der mit Religion "nichts am Hut hat" - und dem es recht gleichgültig ist, ob an Pfingsten der heilige Geist über die Menschen kommt. Ist dann das Ende nah, hat einen der Tod womöglich kurz gestreift in Form einer Erkrankung oder eines Beinahe-Unfalls, keimt schließlich doch noch Hoffnung auf: Was, wenn es ein Leben nach dem Tod gäbe? Einen Garten der Lüste? Ein Paradies? Einen watteweichen Himmel für immer und ewig? Wenn es ernst wird und der Schmerz zu groß wird eben doch ganz gerne mal zum Opium fürs Volk gegriffen.
Die Jenseitsmythen der Menschheit - so der Titel eines im Patmos-Verlag erschienenen Bandes von Dietrich Steinwede und Dietmar Först - sind mannigfaltig und doch gleichen sie sich, unabhängig von der jeweiligen Religion oder Kultur. Es handelt sich um Träume, Wünsche von einem besseren Leben. Ohne Beschwernisse, ohne Krankheit, ohne Alter. Der Tod nicht als Ende des Ich sondern bloß Durchgang in ein anderes Dasein: In dieser Hoffnung sind sich alle Menschen gleich, auch darin, schlußendlich im Himmel und nicht in der Hölle zu landen. Ist es da nicht egal, welcher Religion man angehört? Und muß man sich ihretwegen die Köpfe einschlagen, mit denen man doch das gleiche träumt?
Über die exakte Beschaffenheit des Paradieses herrscht jedoch keine Einigkeit. Was den christlichen Glauben angeht, so zerbrechen sich Theologen bis heute die Köpfe darüber, ob das Paradies nur eine abstrakte Idee ist oder doch ein saftiger Garten, in dem Wolf und Lamm Hand in Hand miteinander spazieren gehen. Die islamischen Paradiesvorstellungen machten zuletzt eher negative Schlagzeilen, weil sie im Verdacht standen, Selbstmordattentäter auf den Plan zu rufen - und nun steht auch noch der Verdacht im Raum, die Hoffnungen auf im Jenseits wartende Huri auf womöglich auf einen Übersetzungsfehler zurückgehen.
Wem hingegen das buddhistische Nirvana bislang nicht attraktiv erschien - schließlich unterschiedet sich das große Nichts nicht wesentlich vom "Licht aus" des Atheisten - hat nur noch nichts vom "Großen Westlichen Paradies" gehört. Diese Vorstufe des Nirvana übertrifft in seiner Pracht alles anderweitig überlieferte.
Bescheiden hingegen nehmen sich die berühmten "Ewigen Jagdgründe" der Lenape-Indianer aus, ein recht irdisch anmutendes Paradies, wenn auch mit weniger Widrigkeiten ausgestattet. Allerdings ist es ja auch nicht jedermanns Sache, permanent mit "Hosianna" und "Heil"-Rufen beschallt zu werden. Auch die Gegenwart duftender Juwelenbäume und permanent liebesbereiter Jungfrauen kann längerfristig belastend sein.
Dann doch lieber das Paradies auf Erden? Einen japanischen Ziergarten anlegen, sich mit schönen Einrichtungsgegenständen aus dem Möbelparadies Sturzfluten der Wonne bereiten, den Kommunismus aufbauen? "This could be heaven for everyone" sang einst Freddy Mercury, der zu Lebzeiten in dem Bewußtsein lebte, ein gefallener (homosexueller) Engel zu sein. Und die Träume der Menschheit zeigen, was auf Erden alles schief läuft und worunter wir leiden. Wer will, kann sie als eine Handlungsanleitung für das Hier und Jetzt begreifen: Reine Luft und reines Wasser für unsere grüne Erde, freie Sexualität für die Muslime, Ruhe und Ausgeglichenheit für die Buddhisten, Frieden für die Juden, eine nachhaltige Existenz für die indigenen Völker dieser Erde.
Es lohnt sich, daran zu arbeiten. Denn wer weiß schon, ob nicht am Ende doch bloß das Licht ausgeht.
taz Magazin Nr. 7664 vom 14.5.2005, 98 Zeilen, MARTIN REICHERT
Pro Sünde eine Stunde Fegefeuer
Für Protestanten ist der Fall klar: Himmel oder Hölle. Katholiken sind da unentschiedener
"Unsere Heimat aber ist der Himmel", erklärt Paulus im Brief an die Philipper und schreibt damit die Jenseitssehnsucht des Christentums fest. Das irdische Leben ist nur eine Durchgangsstation für die frommen Christen. Egal wie arm und krank sie im Diesseits auch sein mögen, nach dem Tod wird alles gut. In den ersten Jahrhunderten nach Christi Tod und Auferstehung waren die Gläubigen überzeugt, das Ende der Zeiten stehe unmittelbar bevor. Bald werde Jesus über die Lebenden und die Toten richten, um dann mit den Auserwählten im Paradies zu leben.
Nachdem sich die Christenheit mehrheitlich von der Naherwartung verabschiedet hatte, sind es vor allem die Endzeitsekten, die genau wissen, wann das Jüngste Gericht beginnen wird. So versammelten sich am 22. Oktober 1844 mehr als 50.000 Anhänger von William Miller auf den Hügeln von Massachusetts und erwarteten das Ende der Welt. Die Zeugen Jehovas wiederum sind der Meinung, das Ende der Zeiten und die große Schlacht zur Bezwingung des Bösen habe schon längst begonnen - und zwar im Jahr 1914. Auch das Millennium bot Anlass für mancherlei Mutmaßungen: Sind nicht auch Ereignisse wie der Tsunami oder der Tod des Papstes Zeichen für das Ende dieser Welt und das Kommen des Paradieses? Aber was erwartet die Gläubigen dort eigentlich? Und will man da überhaupt hin?
Heutige Theologen tun sich schwer mit konkreten Darstellungen eines Paradieses. Sie bevorzugen das Abstrakte: Unsterblichkeit sei nur der Fortbestand unseres Lebens im Gedächtnis Gottes. Dabei kleben im jahrtausendealten Fotoalbum des Christentums doch zahlreiche Schnappschüsse von jenem Paradies, in dem Wolf und Lamm Hand in Hand über grüne Wiesen wandeln. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde das Paradies immer wieder mit ganz konkreten Vorstellungen verbunden: Die amerikanische Autorin Elizabeth Stuart Phelps beschrieb in ihrem Roman "Beyond the gates" das Paradies als eine Kleinbürgeridylle mit Vorgarten, Ehebett und Volkshochschulen.
Wie auch immer es aussieht: Der Weg dorthin ist beschwerlich. Besonders für die Katholiken. Gleich nach dem Tod legen sie eine Zwischenstation im Fegefeuer ein - hier werden sie für kleinere Vergehen, die nicht schon zu Lebzeiten auf Erden gebüßt wurden, bestraft. Die Verweildauer im Fegefeuer wird unterschiedlich berechnet. So gibt der spanische Mönch Juan Maldonado pauschal zehn bis zwanzig Jahre Fegefeuer an, andere klerikale Zeitangaben sind jedoch differenzierter: Wenn ein Mensch durchschnittlich zehn Sünden pro Tag begeht, dann ergibt dies 60.000 Sünden in 20 Jahren. Vorausgesetzt, schon zu Lebzeiten wird die Hälfte durch Büßen erledigt, bleibt man bei einer ungefähren Verweildauer von einer Stunde pro Sünde ungefähr drei Jahre im Fegefeuer.
Protestanten nehmen - Luther sei Dank - den direkten Weg in Richtung Himmel oder Hölle. Aber wie eigentlich? Durch eine Seele? Und was geschieht mit dem Körper? Der Kirchengelehrte Tertulian war der Meinung, dass der gesamte Körper wieder auferstehe, schließlich bräuchte man noch alle Glieder für das Jüngste Gericht.
Der gesamte Körper? Haare und Nägel zum Beispiel sind eigentlich überflüssig, dennoch erhält man sie in einer "angemessenen" Länge und Fülle zurück. Denn nach Lukas heißt es "Kein Haar von euren Köpfen wird verloren gehen." Augustinus geht davon aus, dass alle, auch die in die entferntesten Atome zerlegten Körperteile, wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt werden. Im Himmel werden auch verschiedene körperliche Mängel wieder ausgeglichen, Verstümmelte erhalten alle ihre Glieder zurück, Geistesschwache werden klug, Dicke schlank und Magere ebenfalls auf ein annehmbares Gewicht gebracht. Alle haben diesselbe "angemessene" Größe und ein ähnliches Alter: um die 30, genauso alt wie Jesus, als er auf Erden wirkte.
Für Thomas von Aquin ist der irdische Körper zu prosaisch, als dass er ganz natürlich ins Paradies kommen könnte. Ein besonderes Problem stellen für ihn die Körpersäfte dar, denn Urin, Schweiß, Eiter und Ähnliches darf es im Paradies nicht geben. Dennoch dürfen die Gedärme nicht leer sein, da die Natur einen "horror vacui" habe, eine Angst vor allem Leeren - daher werden die Gedärme nur noch mit edlen, wohl riechenden Säften gefüllt sein. Das neue Jerusalem in der Offenbarung des Johannes ist 2.000 Quadratkilometer groß: "Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut, und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas." In dieser Welt braucht es keine Sonne, keinen Mond, da die Herrlichkeit Gottes alles erhellt. Andere sehen den Himmel in einer würfelförmigen Form aus 1.500 übereinander liegenden Ebenen, 28 Milliarden Auserwählte wohnen hier, jeder hat 64 Hektar Land zu seiner Verfügung.
In volkstümlichen Vorstellungen erscheint das Paradies als ein Garten voller Wohlgerüche, versehen mit einer angenehmen Temperatur, durchzogen von klaren Bächen und durchdrungen von feinen Melodien. Ernährt werden die Auserwählten durch einen Lichtstrahl, den Gott ihnen schickt.
Thomas von Aquin beschreibt das Paradies als etwas Statisches, Unbewegliches. In diesem Paradies gibt es keine Pflanzen, keine Tiere, keine Nahrung und keine Kleider. Die Zeit vergeht anders als auf Erden, meistens verbringt man sie damit, Gott zu preisen, Gott zu dienen und Gott zu schauen. Die Gottesschau, die "visio beatifica", macht selig und allwissend. Ansonsten kann man Harfe spielen, singen, tanzen und mit Moses und David sprechen. Der Jesuit Jeremias Drexel spricht von "Sturzfluten der Wonnen", jedes Gefühl sei wie auf Erden, aber nur intensiver. Jeder Strafe in der Hölle entspricht eine Wonne im Paradies, und darüber hinaus genießen die Himmlischen das Privileg, den in der Hölle Schmorenden bei ihren Qualen zusehen zu dürfen.
Während heutige Theologen den Himmel eher als Zustand begreifen, suchte man in früheren Zeiten den geografischen Ort. Auf mittelalterlichen Weltkarten ist er konkret eingezeichnet, irgendwo weit im Osten, in Indien oder im heutigen Irak gelegen, zwischen Euphrat und Tigris. Da der Irak auch in damaliger Zeit keine sonderlich friedliche Gegend war, legte man die Genesis so aus, dass das Paradies an den unterirdischen - und unbekannten - Quellen von Euphrat und Tigris verborgen sei.
Für andere Gläubige war das Paradies ein auf einem Berg gelegener Garten, umgeben von einer Steinmauer und bewacht von einem Engel mit einem flammenden Schwert. Die Mormonen wissen, dass das neue Jerusalem im US-Bundesstaat Missouri, genauer gesagt in Jackson County, errichtet werden wird. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wähnte Reverend Thomas Hamilton das Paradies in den Weiten des Alls, 500 Lichtjahre entfernt auf dem Stern Alykon. Das Paradies ist eben anderswo. DANIEL STENDER
taz Magazin Nr. 7664 vom 14.5.2005, 184 Zeilen, DANIEL STENDER
Goldene Zeiten für die Gottesfürchtigen
Jahwe ist der Gott der Lebendigen. Das heißt Pech für die Toten
Das Volk Israel ist eines der wenigen Völker, welches nach eigener Ansicht sein Goldenes Zeitalter noch vor sich hat. Eingeleitet wird es durch die Ankunft des Messias. Diese Prophezeiung hat dazu geführt, dass sich immer wieder Menschen als Messias ausgaben, so ein gewisser Sabatti Zwi im 17. Jahrhundert, der dann jedoch seine Anhänger enttäuschte und zum Islam übertrat.
Wenn das Goldene Zeitalter naht, wird man es jedoch erkennen. Zuerst wird großes Elend über die Welt hereinbrechen. Am "Tag des Herren" wird man den Zorn Jahwes erfahren, Naturkatastrophen und Kriege leiten das Jüngstes Gericht ein.
Danach beginnt für die überlebenden Gerechten eine Epoche, die von spirituellem Glück, materiellem Reichtum und politischer Unabhängigkeit Israels geprägt ist. "Dann wohnt der Wolf beim Lamm, / der Panter liegt beim Böcklein", schreibt der Prophet Jesaja.
Im Goldenen Zeitalter werden die Menschen zwar nicht unsterblich, aber sie leben auf Erden erheblich länger. Die Schätzungen reichen von mindestens 100 Jahren (Jesaja) bis zu 400 Jahren (IV. Buch Esra). In der messianischen Zeit "springt der Lahme wie ein Hirsch, / die Stimme des Stummen jauchzt auf". Pech hatten älteren Auslegungen zufolge nur diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt schon gestorben waren, egal ob sie gottesfürchtig waren oder nicht: Sie fristen ihre jenseitige Existenz im Scheol. In einer finsteren und trübseligen Unterwelt, bevölkert von den Gestorbenen, den Rephraim. Sie sind nur noch Schatten ihrer vorherigen Existenz, sie können nur flüstern und murmeln, und auch wenn sie sprechen oder schreien könnten, würde sie Jahwe nicht hören, denn er ist ein Gott der Lebendigen. Wozu dann ein gottesfürchtiges Leben führen, wenn man die Ankunft des Messias vielleicht nicht mehr erleben würde? Um dieses Problem zu lösen, wurde im Laufe der Jahrhunderte eine dem Scheol entgegengesetzte paradiesische Gegenwelt aufgebaut. In dieser stehen die Toten wieder auf. Besonders die Pharisäer glaubten an die Auferstehung von Körper und Seele, ihre Gegenspieler, die Saduzäer, bestanden auf einer wortgetreuen Auslegung der Thora, in der nicht von einer Auferstehung die Rede ist. Erst nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 nach Christus setzte sich die Auffassung der Pharisäer weitgehend durch, sie beriefen sich auf den Talmud, einen umfassenden Kommentar zur eigentlichen Heiligen Schrift, der Thora.
Wer nun genau auferstehen wird, ist nicht ganz klar, besonders deshalb, weil der Talmud laut Israel Levi "ein wahres Chaos sei, in dem die disparatesten Auffassungen aufeinander prallen und sich () zugleich vereinbaren lassen". So sagen die einen, nur wer in Israel beerdigt sei, würde auferstehen. Anderen zufolge werde in der Hölle, der Gehenna, schmachten, wer nach einer Frau einen Fluss überquere oder wer beim Geldzählen einer Frau die Münzen so in die Hand legt, dass er sie dabei anschauen muss.
Drei Dinge würden einen Vorgeschmack auf die späteren Freuden geben: der Sabbat, die Strahlen der Sonne und der Geschlechtsverkehr. Die Zeit des Messias ist eine Zeit des Überflusses: "an einem Weinstock werden tausend Reben ranken", die Auserwählten werden von dem Fleisch des Fabelwesens Leviathan essen, die Bäume werden täglich Früchte tragen und die Frauen täglich Kinder gebären. Für den Philosophen Maimonides waren solche Vorstellungen aber allzu irdisch: Für ihn sei der jenseitige Lohn der Gerechten nichts Materielles, sondern rein geistig-spirituell. Ein solches Jenseits hat für die Seele eines Kutschers wenig zu bieten, wie der Rabbi Izhak Meir von Ger in einem Gleichnis zu erzählen pflegte. Denn der einfache Kutscher konnte mit den paradiesischen geistig-kulturellen Genüssen wenig anfangen und wurde erst glücklich, als er eine imaginäre Kutsche fahren durfte.
Eine andere Erzählung von elsässischen Juden berichtet von einer Frau, die auch im Paradies nicht aufhört zu weinen. Von Jahwe nach dem Warum gefragt, sagt sie: "Ach, ich bin so traurig, weil mein einziger Sohn ein Christ geworden ist." Daraufhin Jahwe: "Mein einziger Sohn ist auch ein Christ - und ich heule doch auch nicht den ganzen Tag." DANIEL STENDER
taz Magazin Nr. 7664 vom 14.5.2005, 120 Zeilen, DANIEL STENDER
Im Buddha-Land duften die Juwelenbäume
Vor dem Eingang in das große Nichts des Nirwana liegt das prächtige "Westliche Paradies". Im Glücksland gilt: noch einmal mit Gefühl!
Der historische Buddha (560-480 v. Chr.) hat keine Vorstellung eines paradiesischen Jenseits hinterlassen, denn für ihn führte der innerweltliche Kreislauf der Wiedergeburten hin zum Nirwana: dem Ort des endgültigen Erlöschens aller Leidenschaften, jeglichen Leidens. Im Nirwana endet die Leiblichkeit, das Leben, der Tod und die Wiedergeburt. Hingegen entwickelte der in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten aus der Lehre Buddhas entstandene Mahayana-Buddhismus, heimisch in Tibet, Zentralasien, China und Japan, auch die Vorstellung, dass vor dem Eingang ins Nirwana das so genannte Westliche Paradies "Sukhavati" (Glücksland) liege.
Ananda, der im Text immer wieder Angeredete, war der Lieblingsjünger des historischen Buddha. Amitabha ist der Buddha des unendlichen Lichtglanzes und der mitfühlenden Spiritualität. Tathagata ist die Selbstbezeichnung eines Buddha, eines Erleuchteten.
Die Welt Sukhavati, o Ananda, die die Welt des erhabenen Amitabha ist, ist reich und blühend, behaglich, fruchtbar, entzückend und angefüllt mit vielen Göttern und Menschen. Und in dieser Welt, Ananda, gibt es keine Höllen, keine Tiergeburten, keine Gespenster, keine Dämonen und überhaupt keine unheilvollen Wiedergeburten. In unserer Welt erscheinen nicht solche Edelsteine, wie sie in der Welt Sukhavati existieren.
Und jene Welt Sukhavati, Ananda, lässt viele köstliche Düfte ausströmen, sie ist reich an einer großen Vielzahl von Blumen und Früchten, geschmückt mit Juwelenbäumen, die aufgesucht werden von Scharen verschiedenster Vögel mit süßen Stimmen, die die Wunderkraft des Tathagata hervorgezaubert hat. Und diese Juwelenbäume, Ananda, haben verschiedene Farben, viele Farben, viele hunderttausend Farben. Sie sind verschieden zusammengesetzt aus den sieben Pretiosen: aus Gold, Silber, Beryll, Kristall, Korallen, Perlmutt und Smaragd. Solche Juwelenbäume und Massen von Bananenbäumen und Reihen von Palmen wachsen überall in diesem Buddha-Land. An allen Seiten ist es von goldenen Netzen umgeben und bedeckt mit Lotosblumen aus allen diesen Pretiosen. Einige der Lotosblumen haben einen Umfang von einer halben Meile, andere bis zu zehn Meilen. Von jedem Edelsteinlotos gehen sechsunddreißighunderttausend Millionen von Strahlen aus. Und am Ende eines jeden Strahls gehen sechsunddreißighunderttausend Millionen von Buddhas hervor, mit goldfarbenen Körpern, die die zweiunddreißig Merkmale des Übermenschen tragen und die nach allen zehn Richtungen in zahllose Welten gehen, um dort die Lehre zu verkünden.
Und weiterhin, o Ananda, gibt es in diesem Buddha-Land keinerlei Gebirge, - keine schwarzen Berge, Edelsteinberge, Sumerus [Weltenberg, d. Red.], Rundgebirge. Sondern dieses Buddha-Land ist überall eben, entzückend wie die Fläche einer Hand, und überall besteht der Boden aus einer großen Vielzahl von Edelsteinen und Pretiosen.
Und viele verschiedenartigen Flüsse fließen in dieser Welt Sukhavati. Dort gibt es große Flüsse, eine Meile breit und bis zu fünfzig Meilen breit und zwölf Meilen tief. Und diese Flüsse fließen ruhig dahin, duftend in den verschiedensten angenehmen Wohlgerüchen, in ihnen sind Blumensträuße mit verschiedenen Edelsteinen, und sie tönen in verschiedenen süßen Lauten. Und der Klang, der von diesen großen Flüssen ausgeht, ist so lieblich wie derjenige eines Musikinstruments, das aus hunderttausend Millionen von Stimmen besteht und das, kunstvoll gespielt, eine himmlische Musik von sich gibt. Sie ist tief, eindrucksvoll, deutlich, klar, angenehm für das Ohr, das Herz rührend, entzückend, süß, angenehm, und niemand wird müde sie zu hören, und jeder hört, was er zu hören wünscht, so die Worte "beständig, friedvoll, ruhig und Nicht-Ich". Solcherart ist der Klang, der die Ohren jener Wesen erreicht.
Und, Ananda, die Ufer dieser großen Flüsse sind von verschiedenartig duftenden Juwelenbäumen eingefasst, und von ihnen hängen Bündel von Blumen, Blättern und Zweigen aller Art herab. Und wenn jene Wesen sich an jenen Flussufern himmlischen Vergnügungen hingeben möchten, dann, nachdem sie in das Wasser getreten sind, steigt das Wasser in jedem Fall so hoch, wie sie es wünschen - bis zu den Knöcheln oder den Knien oder den Hüften oder beiden Körperseiten oder ihren Ohren. Und himmlische Wonnen entstehen.
Außerdem, wenn Wesen das Wasser kalt wünschen, dann wird es für sie kalt; wenn sie es heiß wünschen, dann wird es für sie heiß; wenn sie es heiß und kalt wünschen, dann wird es für sie heiß und kalt, ganz nach ihrem Belieben. Und jene Flüsse fließen dahin, voll von Wasser, duftend nach den feinsten Wohlgerüchen und bedeckt mit wunderschönen Blumen, widerhallend von den Lauten vieler Vögel, leicht zu durchschreiten, frei von Schmutz und mit goldenem Sand im Flussbett. Und alle Wünsche, an die jene Wesen denken mögen, sie werden erfüllt, wenn sie rechtmäßig sind.
Und was den lieblichen Klang betrifft, der aus dem Wasser kommt, so erreicht er alle Teile des Buddha-Landes. Und jedermann hört, was er als lieblichen Klang zu hören wünscht; so hört er von Buddha, von der Lehre, vom Orden.
Und wenn er dies hört, erlangt er edle Lust und Freude, die verbunden ist mit Losgelöstsein, Leidenschaftslosigkeit, Ruhe, Stillstand, mit der Buddha-Lehre, die jenen Geisteszustand schafft, der zur vollkommenen Erleuchtung führt. Und nirgendwo in dieser Welt Sukhavati hört man etwas Schändliches, nichts von Hindernissen, nichts von Bestrafungen, von Elend und schlechtem Geschick, nichts von Leiden. Selbst von Gefühlen der Leidlosigkeit und Freudlosigkeit hört man nichts. Und deshalb, o Ananda, wird diese Welt "das Glücksland" (Sukhavati) genannt. Doch all dies beschreibt es nur in Kürze, nicht im Einzelnen. Ein Weltzeitalter möchte wohl zu Ende gehen, während die Gründe zum Glück in der Welt Sukhavati verkündet werden, und doch würde man nicht alle Gründe für das Glück nennen können.
Sukhavati-vyuha 15-18
Aus: Steinwede/Först
Heiß liebende Huri
Die muslimische Vorstellung vom Paradies ist recht diesseitig: Wein, Weib und Gesang
"Und das irdische Leben ist nur ein trügerischer Genuss" - so steht es in der dritten Sure des Korans. Mohammed (570-632 n. Chr.) hat sich häufig mit dem Jenseits beschäftigt und dabei durchaus auf jüdisch-christliche Überlieferungen zurückgegriffen. Die Privilegien der "Vorangegangenen" erreichten durch Mohammed Atta traurige Berühmtheit.
Wenn der unvermeidliche Gerichtstag eintrifft, dann wird keine Seele mehr sein Eintreffen leugnen. Er erniedrigt und erhebt. Wenn die Erde heftig erschüttert wird, die Berge in Stücke zerschmettert und zu dünnem, umherfliegendem Staub werden, dann werdet ihr in drei Klassen eingeteilt: Gefährten der rechten Hand - wie glücklich sind die Gefährten der rechten Hand! -, Gefährten der linken Hand - wie unglücklich sind die Gefährten der linken Hand! - und diejenigen, die anderen im Guten vorangegangen sind; die werden ihnen auch im Paradies vorangehen.
Sie werden Gott am nächsten sein und in wonnevollen Gärten wohnen. Die meisten kommen aus früheren Zeiten, nur wenige aus den späteren. Sie werden auf Kissen ruhen, die mit Gold und edlen Steinen ausgeschmückt sind, wo sie sich gegenübersitzen. Jünglinge in ewiger Jugendblüte werden die Runde machen mit Bechern, Kelchen und Schalen voll von Wein, der keine Kopfschmerzen verursacht und den Verstand nicht trübt, und mit Früchten, die sie auswählen, und Fleisch und Geflügel, wie sie es nur wünschen können. Sie bekommen Jungfrauen mit großen schwarzen Augen, die Perlen gleichen, die noch in Muscheln verborgen sind. Dies ist der Lohn für ihr Tun. Weder eitles Geschwätz noch Anklagen wegen Sünden werden sie dort hören, sondern nur den Ruf: "Heil! Heil!".
Und die Gefährten der rechten Hand - wie glücklich sind die Gefährten der rechten Hand! - sitzen an dornenlosen Lotusbäumen und schön geordneten Akazien, unter ausgebreitetem Schatten, an immer fließendem Wasser und mit Früchten im Überfluss, die nie vermindert oder verboten werden. Sie liegen auf erhöhten Kissen, und Huri stehen zu ihren Diensten, die wir durch eine besondere Schöpfung geschaffen haben. Wir haben sie zu Jungfrauen gemacht, die ihre gleichaltrigen Gatten stets heiß lieben werden. Dies widerfährt den Gefährten der rechten Hand, von denen viele aus der früheren und viele aus der späteren Zeit sein werden.
Die Gerechten sollen im wonnevollen Paradies wohnen, auf Ruhekissen sitzen und umherblicken. Auf ihren Gesichtern kann man die freudige Heiterkeit wahrnehmen. Zu trinken bekommen sie vom reinsten versiegelten Wein, dessen Siegel aus Moschus besteht und der mit Wasser aus Tasnim vermischt wird. Dies ist eine Quelle, aus der diejenigen trinken, die Gott nahe sind.
SURE 56, QUELLE: STEINWEDE/FÖRST
Volkslied aus Georgien
Im Paradiese des Propheten hausen die schönsten Frauen, welche Allah schuf, um die Erwählten würdig zu belohnen, die auf der Erde seiner Lehre folgten. Und Huri werden diese Frau'n genannt.
An jedem Tage, unermüdlich, bieten den Männern sie in seliger Umarmung den Atem ihres jungfräulichen Wesens mit aller Liebe, aller Sehnsucht dar.
An jedem Tage, wenn die Morgenröte kommt, haben sie für ihre Liebsten durch Allahs große Gnade eine neue Jungfräulichkeit zu neuem Glück bereit.
Sie sind so unberührt an jedem Morgen, als ob ihr Herz noch niemals Liebe fühlte, als ob ihr Sinn nicht wüsste, was denn Liebe bedeuten will; - und die Erinnerung an vergangener Nächte Lust schwand ihnen ganz.
Vor kurzem hatt' ich einen holden Traum von jenem Paradiese Mohammeds. Und meine Augen sahen - wie im Traum von einem Traum - die schimmernden Gestalten der jungen Mädchen, die man Huri nennt.
Wie herrlich waren sie! Waren es wirklich nur Mädchen? Sie erschienen mir wie Blüten des Apfels.
taz Magazin Nr. 7664 vom 14.5.2005, 110 Zeilen,
Wie auf Erden, nur viel besser
Die glücklichen ewigen Jagdgründe der Lenape-Indianer
Die hier wiedergegebene Schilderung der "ewigen Jagdgründe" in den Vorstellungen der so genannten Delaware basieren auf der Darstellung des Lenape Watomika - Sohn eines indianischen Vaters und einer französischen Mutter -, die er 1855 an den Jesuitenmissionar De Smet weitergab.
Wie die Lenape erzählen, ist das Land des zukünftigen Lebens eine Insel von hinreißender Schönheit und großer Ausdehnung. Ein hoher Berg erhebt sich majestätisch im Zentrum, und auf dem Gipfel dieses Berges befindet sich die Wohnung des Großen Guten Geistes. Von dort überschaut dieser sein weites Reich, die Läufe der tausend Ströme, die sich klar wie Kristall dort hinziehen, die schattigen Wälder, die mit Blumen übersäten Ebenen, die stillen Seen.
Vögel mit schönstem Gefieder erfüllen die Wälder mit ihren süßen Melodien. Büffel, Hirsche, Eichhörnchen, Kraniche und viele andere edle Tiere in unzählbaren friedlichen Scharen finden sich auf den üppigen Ebenen. Die Seen werden niemals von Stürmen gepeitscht. Der Schlamm mengt sich niemals mit dem klaren Wasser der Flüsse. Otter, Biber, Wasservögel und Fische aller Arten gibt es dort im Überfluss.
In diesem Land des Lebens herrscht ewiger Frühling. Die seligen Seelen, die dort zugelassen sind, erhalten alle ihre Kräfte, die sie als Menschen besaßen, zurück. Vor jeglicher Krankheit sind sie bewahrt. Sie fühlen keine Ermüdung, weder bei der Jagd noch bei anderen angenehmen Übungen, die der Große Geist ihnen gewährt. Niemals haben sie das Bedürfnis, Ruhe suchen zu müssen.
Unausdenkbar lange leben die Seelen in diesem wahrhaft glücklichen Jagdgrund, einem Land, wo das Leben ähnlich wie auf Erden verläuft, ausgenommen, dass Schmerz, Krankheit und Sorge unbekannt sind und unangenehme Arbeit und Mühe dort keine Stätte haben.
Dort werden Kinder ihre Eltern wieder treffen und die Eltern ihre verstorbenen Kinder. Alles dort ist allezeit neu und glänzend. Die Sonne aber ist nicht wie auf Erden. Der Schöpfer lässt ein viel helleres Licht leuchten. Alle Menschen, die auf Erden starben, ob jung oder alt, schauen hier gleich alt aus. Und die Blinden und Krüppel sind vollkommen gesund. Nur das Fleisch wurde geschädigt, nicht aber der Geist.
Dieses Paradies ist jedoch nur für die Guten, diejenigen, die gütig zu ihren Mitmenschen waren und ihre Pflichten gegenüber ihrem Volk erfüllt haben. Von den Bösen der Welt wird wenig gesagt, außer dass sie von dem glücklichen Land der Seelen ausgeschlossen sind. QUELLE: STEINWEDE/FÖRST
taz Magazin Nr. 7664 vom 14.5.2005, 77 Zeilen
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