Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt
(Konfirmationspredigt 2004 zu Mt. 5,13-16)
A: (kommt von hinten und läufelt eine Suppe) Uaaah, schmeckt die fad. Da ist ja nichts drin. Schmeckt furchtbar. Da fehlt ´was.
B: Na, da hast du wohl was vergessen, da fehlt bestimmt das Salz. (kommt mit Salzstreuer und salzt)
A: (probiert) Ah, natürlich, das war´s, das Salz hatte ich vergessen. Wie kann man nur so dumm sein.
B: Ja, Essen ohne Salz ist fad – ohne Geschmack, das weiss jedes Kind. Aber Salz kann noch viel mehr. Früher, vor der Erfindung des Gefrierschranks, wurde Fleisch gepökelt, also mit Salz eingerieben, um es haltbar zu machen.
A: Und Salz taut auf. Es hat die Kraft, Eis zum Schmelzen zu bringen. Salz reinigt und hat heilende Wirkung.
B: Salz ist wertvoll. Früher wurde Salz mit Gold aufgewogen, man nannte es sogar das „weiße Gold". Salz war ein so kostbares Gut, dass Städte wie Salzburg ihren Reichtum dem Handel mit Salz verdanken. Salz ist wirklich ´was Wertvolles.
A: Bei all dem ist nicht die Menge des Salzes das Ausschlaggebende – im Gegenteil: zuviel Salz macht Nahrung ungenießbar oder zerstört Leben. Nicht die Menge macht das Salz zu etwas Besonderem – sondern seine Wirksamkeit. Ein kleine Prise genügt, um das Essen schmackhaft zu machen!
B: Salz hat also viele Gesichter. Und Jesus sagt in der Bergpredigt, Matthäusevangelium Kapitel 5, 13: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“
A: Und es geht noch weiter: Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
B: Licht der Welt: Licht macht hell, und wer im Dunkeln schon einmal selbst ein kleines Teelicht angezündet hat, konnte die Erfahrung machen, dass solch ein kleines Teelicht einen ganzen Raum erleuchten kann.
A: Ein Licht ermöglicht Orientierung. Licht wärmt. Ja, Licht ist lebensnotwendig. Klar, dass man solch ein Licht nicht unter einen Stuhl stellen soll, dann sieht es ja keiner.
B: Aber von wem redet Jesus da, wenn er sagt: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“? Salz sein – Licht sein: wie soll das gehen? Und überhaupt: wer ist mit dem „Ihr“ gemeint?
A: Vielleicht die Politiker oder Prominente, Wirtschaftsleute oder so. Menschen eben, die ihren Einfluss geltend machen können, die eben Wirkung haben wie das Salz und das Licht.
B: Bloss – Jesus spricht diesen Satz „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ zu seinen Jüngern. Und diese Jünger waren ganz einfache Menschen. Sie gehen gewöhnlichen Berufen nach, viele von ihnen waren beispielsweise Fischer, und sie hatten keine politische Macht.
A: Aber sie vertrauten auf Gott. Das ist es vielleicht: Sie glaubten Gott und dann ging von ihnen eine Kraft und eine Leidenschaft aus, die verändernd wirkte, die Einfluss hatte – dann ist es gerade toll, dass das ganz gewöhnliche Leute sind. Eben Menschen wie du und ich. Wir sind eingeladen als Christen in dieser Welt zu leben. Und uns sagt Gott zu, dass wir Salz und Licht für die Welt sind.
B: Schön und gut. Aber vielfach sind die Christen in den Gemeinden doch ein ganz schön lascher Haufen, da spüre ich nichts von Ausstrahlung und Leidenschaft.
A: Ich meine, dass liegt daran, dass die meisten Menschen noch gar nicht angefangen haben, wirklich mit Gott in ihrem Leben zu rechnen. Die haben oft so ein Bild von einem „erhabenen Gott“ oben im Himmel, der mit der Welt nichts zu tun hat. Doch solch ein ferner, hochheiliger Gott stößt mich von Jahr zu Jahr mehr ab. Solch ein Gott hoch über dem Sternenzelt,abgehoben von unserer Wirklichkeit, der kann mir gestohlen bleiben.
B: Solch ein erhabener, ferner Gott ist auch genau das Gegenteil von dem, was Jesus von Gott erzählt und was er vorgelebt hat!
A: Eben! Das ist es ja, was die meisten nicht kapieren. Die meisten von uns wissen natürlich längst, was sie in der Kirche zu hören bekommen: Der Pastor redet von der Sünde – und ist dagegen. Ich wünschte mir, du könntest einmal all deine Vorstellungen, deine Vorurteile und deine Ängste ablegen – sozusagen deinen Speicher ganz leer machen und dein vorhandenes Verständnis von „G-O-T-T“ abstürzen lassen. – und so wärst du in der Lage, die frohe Botschaft noch einmal ganz neu und unvoreingenommen zu hören.
B: Versuchen wir doch ´mal, damit ernst zu machen, nicht nur ein bißchen „bla-bla“. In allen Religionen sitzen die Götter irgendwo im Sternenhimmel. Und genau so ist es im christlichen Glauben nicht. Gott ist nicht weit oben im Himmel, er ist ein Gott bei uns Menschen. Die neuen Religionen, die im Augenblick auf den Markt drängen – vor allem die fernöstlichen Religionen – beten erhabene, ferne Gottheiten an, die die Menschen entrücken sollen, so dass sie mit dem Elend auf dieser Welt nichts mehr zu tun haben müssen.
A: Das ist bestimmt nicht der Gott, von dem ich rede und der uns in der Bibel offenbart wird. Mein Gott sitzt nicht wie Buddha in sich versunken da und weltabgewandt – das Zeichen meines Gottes ist ein Kreuz, ein Zeichen menschlicher Erfahrung. Wieviel Kreuze mußten wir schon tragen!
B: Mein Gott, von dem ich hingerissen bin, ist ein Gott, der leidenschaftlich an mir interessiert ist, der an dieser Welt lebendig, liebevoll und heilbringend Anteil genommen hat und immer noch nimmt. Ein Gott, der alles, was dich in dieser Welt bedrückt und ängstigt, längst selbst erlitten und kennen gelernt hat. Ein Gott, der Mensch geworden ist, um unser Schicksal zu teilen, um bei uns sein zu können.
A: Mit einem solchen persönlichen und menschenfreundlichen Gott können Sie tatsächlich einen ganz innigen Kontakt knüpfen. Das ist ein Gott, der aktiv in all ihren Lebensbereichen wirken kann – ein Gott, der mit meinem Alter und mit jeder Phase meines Lebens etwas zu tun hat. Das finde ich toll. Dieser Gott, der mir ganz nahe kommt, dessen Hauch ich spüre, den ich heute erfahren kann : Das ist der Gott, von dem ich rede!
B: Ihr werdet Salz und Licht für diese Welt sein, wenn du dich auf diese lebensspende Kraft Gottes einlässt, wenn du diese Liebe Gottes in dir aufnimmst. Ja, wenn du wirklich mit dem Wirken Gottes in deinem Leben rechnest.
A: Und das meint: mit allen Konsequenzen. „Wenn das Salz seine Würze verliert, sagt Jesus, dann ist es zu nichts mehr nütze. Wir erleben allzu häufig, dass Menschen zwar grundsätzlich von Gottes Existenz überzeugt sind, sich aber gar keine Gedanken darüber machen, ob er auch heute noch in ihrem Leben lebendig wirken kann.
B: Glauben ist nicht denkbar ohne die Gewissheit, dass Gott in dieser Welt mit seiner Liebe und Macht erfahrbar ist. Könnte es sein, dass wir bisweilen so wenig von Gottes Handeln spüren, weil wir ihm das gar nicht mehr zutrauen - und deshalb auch nicht wirklich damit rechnen?
A: Gott leidet an den falschen Bildern, die wir von ihm haben. Er leidet darunter, dass wir Menschen ihn als einen fernen Gott sehen, der mit unserem Leben nicht wirklich ´was zu tun hat und der nicht wirklich eingreifen kann.
B: Was wäre das für ein Vater, über den der Sohn oder die Tochter sagen müßte: „Ja, ich habe zwar einen Vater. Aber der lebt herrlich und mit Freuden in seinem Wolkenschloss, doch in dem Dreck, in dem ich jetzt stecke, da kann und will er nicht helfen“. Könnt ihr euch vorstellen, wie weh ein solches Denken dem Vater tut, der seinen Kindern ganz nah sein möchte und dann nur so gesehen wird?
A: Wenn die Welt vor 2000 Jahren ein richtiges Bild von Gott gehabt hätte, dann hätte dieser Gott auch nicht seinen Sohn senden müssen. Jesus kam auf die Welt, um das Bild Gottes zu korrigieren. Um ihr, um dein, um mein Bild zu korrigieren. Und ich glaube, dass jede Zeit, jede Generation dis noch einmal neu erleben muss.
B: Als Konfirmanden hattet ihr die einmalige Chance, diesen Gott zu entdecken – den Gott, der leidenschaftlich an jedem von euch interessiert ist. Er liebt dich. Er will dein Leben begleiten und ihm eine Richtung geben, bei dem du dein Gaben und Talente entfalten kannst. Nicht so, wie euch das immer wieder vorgemacht wird – nach dem Motto: wie komme ich einmal groß raus? Wie kann ich andere übertrumpfen?
A: Wieviele Sorgen und Ängste haben wir unter euch gespürt: komme ich gut an? Werde ich akzeptiert? Ich kenne das gut von mir selbst. Solange ich mir darüber Gedanken gemacht habe, war ich wie ein Hampelmann. Ich habe mich pausenlos präsentiert, um Anerkennung gebuhlt und die Menschen danach beurteilt, wie nützlich sie meinem Vorankommen sein könnten. Wisst ihr, wie anstrengend und wie falsch das ist? Ich kenne viele solcher Hampelmänner und –frauen – und jedesmal, wenn ich sie sehe, tut mir dies richtig weh – weil ich selbst einmal so war und weil ich weiß, dass die Gier nach Erfolg und Anerkennung Menschen nicht glücklich und zufrieden macht.
B: Jesus sagt dir zu: „Vertraue dir mich an. Ich sorge für dich.“ Gott will dein Leben groß und weit machen. Warum Gott das tut? Ich weiß es nicht. Warum sorge ich für meine Kinder? Manche sagen: „Du bist verrückt“. Ich kann nicht anders. Ich bin verliebt: in meine Frau, in meine Kinder, in dieses Leben. Und das, was ich liebe, das ist mir wertvoll.
A: Und so ist es auch beim Glauben: Gott ist in dich verliebt. Und er möchte sich gerne um dich sorgen. Lass dir von ihm doch einmal etwas Gutes tun. Als Gott mich gefunden hatte, da war ich endlich an der Stelle, an die ich gehörte. Und das heißt nichts anders, als dass ich seither wirklich authentisch bin. Du darfst leben, du brauchst keine Masken, keine Rollen, keine Ängst mehr um Äußerlichkeiten, keine Zweifel mehr an deinem Sein: du bist unendlich geliebt. Das heißt Glück. Ich hatte wahnsinniges Glück, dass mir dies vor ______ Jahren passiert ist. Du bist jetzt 14 oder 15, Sie sind 40 oder 60. Das Alter spielt keine Rolle.
B: Gebt euch nicht mit etwas Schmalspur-Glauben zufrieden. Werdet nicht Scheinchristen – ihr wisst, was ich meine? – das sind Leute, die kriegen einen Taufschein, dann den Konfirmationsschein, womöglich noch den Hochzeitsschein und auf alle Fälle den Totenschein. – Eben Scheinchristen: die sieht man sonst nicht mehr. Aber die erfahren auch nichts von dem Gott, der sie so leidenschaftlich liebt. Und von denen geht auch keine Kraft aus, die können dann auch nicht Salz und Licht für die Welt sein.
A: Echter Glaube ist etwas, was mit deinem Willen und deinem ganz persönlichen Ja zu tun hat. Wenn du das nicht irgendwann einmal laut und vernehmlich vor Gott, vor der Gemeinde und vor dir selbst gesagt hast: „Ja, ich will dazugehören. Ja, ich mache einen bewußten Anfang. Ich bin ab jetzt dabei!“, dann wirst du ewig zweifeln. Ein Glaube braucht einen Anfang. Und deine Konfirmation kann solch ein Anfang sein, wenn du sagst: „Jetzt geht es erst richtig los!“
B: Man kann über Jesus Vieles sagen – und vielleicht glaubst du nur die Hälfte von dem, was über ihn in der Bibel steht. Doch wenn nur die Hälfte, ja, wenn nur ein Viertel wahr wäre, würde dieser rest ausreichen, ein stimmiges Bild von Jesus von Nazareth zu bekommen; diesem Mann, von dem ich glaube, dass er Gottes Sohn war. Wann immer er Kranke, Bedrückte oder Ängstliche sah, wollte er ihnen Gutes tun. Selbst seine Gegner mußten das eingestehen. Er hat allen wohlgetan. Das ist das Bild, das Gott der Welt von sich vermittelt hat. Er ist ein Gott, der uns hinterherläuft, der an die Türen klopft und sagt: „Ich möchte bei dir etwas heil machen!“ Dein Leben hat ein Ziel: es ist aufgehoben bei Gott – nichts ist mehr ohne Sinn.
A: (stellt das Salzlicht auf den Altar) „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ – versteht ihr den großen Zuspruch in diesen Worten Jesu? Nicht: „Ihr sollt sein“, sondern: „Ihr seid!“ Mut will Jesus dir und uns machen und neue Kraft geben. Wie Gott dich liebt, so kannst du diese Liebe weitergeben. Wie Gott nicht von oben herab kommt, brauchst du auch nicht deinen Mitmenschen von oben herab zu behandeln.
B: Salz lässt Eis schmelzen – wo immer du bereit bist, nach einem Streit einen kleinen Schritt der Versöhnung aufeinander zuzugehen, da beginnt das Eis zu schmelzen.
A: Salz heilt. An vielen Punkten krankt diese Welt! Wenn du bereit bist, nicht zu schweigen, wo Unrecht geschieht, dem Außenseiter beizustehen, sich für den Schwächeren einzusetzen, da wirst du Würze für unser Land und das gibt Sinn.
B: Salz und Licht sind Symbole der Hoffnung, die uns Halt geben können, wenn wir meinen, es habe doch sowieso alles keinen Sinn, oder wenn wir das Gefühl haben, all unser Tun habe doch ohnehin keine Auswirkungen. Dagegen sagt Jesus: Schon ein kleines Zeichen kann große Wirkung entfalten. Ein Brief, den ich schreibe, der tröstet, eine Geste der Liebe, ein ermutigendes Wort, das heilt.
A: Seid nicht lasche Schein-Christen, sondern würzige Typen. Wir alle können das Leben erträglicher, geschmackvoller machen. Weil die Liebe Gottes in dir wirkt, deshalb kannst du nach außen wirken: in der Familie, in der Schule, hier in der Emmausgemeinde als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter. Weil sein Licht in dir brennt, deshalb kannst du Licht für andere sein.
B: Liebe will sich verschenken und weitergeben – sonst stirbt sie ab. Salz, das nicht mehr salzt, wird nutzlos. Ein Licht, das unter dem Scheffel steht, wird nicht gesehen. Wir sollen uns verstreuen in die Welt und ausstrahlen in diese Gemeinde, in unseren Alltag, in diese Gesellschaft – als Botschafter, Botschafterinnen der Liebe Jesu Christi, als Salz und Licht. Nehmt diesen Anfang des Glaubens heute am Tag der Konfirmation mit: „Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt!“
Andreas Goetze und Denis Wöhrle |