Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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"Feindliche Übernahme" durch Strohmänner

 

Mit zweifelhaften Methoden erobern jüdische Siedler sukzessive arabische Viertel in Ost-Jerusalem

VON INGE GÜNTHER (JERUSALEM)

Auch diesmal geschah der Einzug im Dunkel der Nacht. Es war kurz nach zwei Uhr am Dienstagmorgen, als acht Siedlerfamilien und ein Dutzend jüdischer Religionsstudenten ihre Habseligkeiten in zwei Wohngebäude im arabischen Viertel Silwan in Ost-Jerusalem schleppten. "Wir kehren nach Hause zurück", meinte Muaschar Omessi, sich auf alte Rechte berufend. Aus Sicht der Palästinenser handelte es sich dagegen um eine feindliche Übernahme. Auch wenn manche der Älteren sich noch daran erinnern, dass hier einst, bis vor 66 Jahren, ein jüdisch-jemenitisches Dorf stand. Und so flogen zur Begrüßung die Steine.

Doch viel mehr zählen die Fakten, die die rechtsideologische Siedlerschaft schafft. Fakten, die, so der "Peace Now"-Aktivist Dror Etkes, "eine politische Lösung für Jerusalem blockieren sollen". Fakten, in denen der linke israelische Anwalt Dany Seidemann den Versuch einer "Hebronisierung" Jerusalems erkennt. Denn nicht nur in der Westbank-Stadt Hebron sorgen rund 400 Siedlerextremisten dafür, dass die Stadt Abrahams ein Dauerbrennpunkt bleibt. Auch in Ost-Jerusalem haben sich über die Jahre hinweg 1700 nationalreligiöse Israelis inmitten arabischer Stadtteile wie Silwan, Ras el-Amud, Scheich Dscharrah oder im moslemischen Viertel der Altstadt einquartiert. "Sie sind nicht mehr als eine radikale Minderheit", sagt Seidemann, "aber sie unterminieren die Stabilität Jerusalems."

Ihre Methoden ähneln sich und sind auf den ersten Blick nicht mal gesetzeswidrig. Millionenbeträge investieren Gruppen, die sich "Ateret Cohanim", "Elad" oder wie im jüngsten Fall "Komitee zur Erneuerung des Jemenitischen Viertels in Schiloah" (hebräisch für Silwan) nennen, um auf legalem Weg palästinensische Wohngebiete sukzessive zu erobern.

 

Finanzkräftige Auslandssponsoren

Meist werden Strohmänner vorgeschickt, die den Eigentümern verlockende Angebote unterbreiten. Mittels Geld, das großteils von finanzkräftigen Auslandssponsoren stammt. Als besonders spendabel gilt der kanadische Multimillionär Irwin Moskowitz, der schon Unsummen lockermachte, damit Silwan, wo vor 3000 Jahren König David residierte, "wieder jüdisch dominiert wird". Der Meretz-Abgeordnete Mossi Raz sieht darin das eigentliche Problem. "Ich lehne das Rückkehrrecht der Palästinenser nach Israel ab, wie kann ich da eine jüdische Ansiedlung in palästinensischen Gebieten akzeptieren." Erst recht nicht, wenn die Siedlergeschäfte alles andere als koscher sind.

 

Seltsame Geschäfte

Kein Einzelfall etwa dürfte die palästinensische Familie Adschlun aus Silwan sein, deren Hab und Gut in einer Februarnacht auf die Straße flog. Der Kaufvertrag, den die "Elad"-Anwälte bei der Zwangsräumung der Wohnung vorlegten, trug die Unterschrift ihres alkoholkranken und Tage zuvor bei einem mysteriösen Autounfall getöteten Sohnes. Ein anderes Mal reichte der Siedlerschaft für den Erwerb eines Apartments die Unterschrift eines an Schizophrenie leidenden Palästinensers. "Elad ist gut darin, Schwachstellen in palästinensischen Familien auszunutzen", glaubt nicht nur "Peace Now"-Mann Etkes. Auch der jüngste "Erfolg" der Schiloah-Siedler weist eine Eigenart auf. Eines der beiden Gebäude, in das sie bei Nacht und Nebel einzogen, wurde ungenehmigt errichtet. "Die Stadtverwaltung kann sich kaum erlauben, hier ein Auge zuzudrücken", glaubt Jerusalem-Experte Seidemann. "Verfügt sie doch sonst sofort den Zwangsabriss, wenn Palästinenser in illegal gebauten Häusern wohnen."

 

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