Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
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Predigt zum 30.03.2003:

„Gericht und Hölle – gibt es ewige Verdammnis?“
(2. Thess. 1, 3-12)

 

A: Also, dieser zweite Thessalonicherbrief, von dem wir eben in der Lesung gehört haben, der ist ganz schön krass: Hier wird einfach eingeteilt in die, die Gott rettet, und die, die Gott ins ewige Verderben stürzt. Die einen kommen in den Himmel, die anderen in die Hölle. Das kann ich nicht glauben.

 

B: Ja, dieser Brief hat über die Jahrhunderte die Höllenphantasien von Menschen beflügelt und die Kirche hat mit solchen Texten die Gläubigen immer wieder in Angst und Schrecken versetzt.

 

A: Also, wenn ich da an Jesus denke, der hat doch ganz anders von Gott gesprochen. Der hat uns Gott ganz anders nahe gebracht. Durch Jesus habe ich Gott als einen barmherzigen, vergebenden, ja, einen liebenden Gott erfahren. Das kriege ich nicht zusammen. Was soll denn da die Rede von der Hölle und der ewigen Verdammnis?

 

B: Ja, du hast recht. Dieser Thessalonicherbrief ist ein sehr später Brief im Neuen Testament. Und schon viele haben sich gefragt, wie der überhaupt in das Neue Testament gekommen ist.

 

A: Wie dem auch sei, er steht jetzt drin. Willst du ihn wieder rauswerfen, bloß weil er zu anstössig für dich ist?

 

B: Nein, das nicht, aber ich möchte die Aussagen von Gericht und Hölle im Gesamtzusammenhang sehen, nicht so isoliert wie es der zweite Thessalonicherbrief tut. Auch wenn ich verstehen kann, dass eine kleine Minderheit wie damals, die am Rande der Gesellschaft steht, die verfolgt wird von den mächtigen Römern, hofft, gerettet zu werden und gleichzeitig erwartet, dass die Verfolger selbst ins Gericht müssen. Aber dennoch glaube ich, dass dieser Brief auf diese Weise die Botschaft Gottes an uns ganz schön verkürzt.

 

A: Was meinst du denn mit „Gesamtzusammenhang?“

 

B: Na ja, ich sehe das wie du: Durch Jesus habe ich Gott als einen barmherzigen, vergebenden, ja, einen liebenden Gott erfahren. Das ist das erste Wort Gottes an uns: er schenkt uns seine Liebe, vorbehaltlos. Und von daher fällt ein Licht auf den Sachverhalt, den die Bibel „Sünde“ nennt.

 

A: Okay, Sünde meint keine moralische Fehlleistung, nicht einfach „falsches Tun“. Sünde meint erst ´mal überhaupt keine Tat, sondern beschreibt eine Lebenshaltung. In der Bibel meint Sünde diese Lebenshaltung: Ich gönne mir das Gute nicht, das Gott mir in seiner Liebe und Gnade zugedacht hat.

 

B: Ich lasse mich eben nicht auf Gott ein und lebe, als ob es ihn nicht gäbe.

 

A: Genau. Und wie ich heute lebe, das hat Auswirkungen auf die Zukunft. Ich kann mich als Mensch nicht bloß mit diesem Leben allein zufrieden geben. Da werden für mich die biblischen Aussagen über die Ewigkeit und das ewige Leben wichtig.

 

B: Und dann wird alles Irdische, all unser Verhalten unwichtig, weil es ja ewiges Leben gibt?

 

A: Nein, das sage ich doch gerade: für die christliche Hoffnung ist es nicht egal, wie du heute lebst. Wenn doch Jesus Christus bald wiederkommt, dann ist jeder Augenblick einmalig – und einmalig wichtig. Ich habe nur dieses einzige Leben, das ich verfehlen oder gewinnen kann.

 

B: Der Mensch ist ein stark gefährdetes Wesen und kann sich leicht verfehlen. Es kann keine Rede davon sein, dass das Christentum eine Vertröstungsreligion sei. Vielmehr wird der Mensch direkt aufgefordert, sein Leben verantwortlich in die Hand zu nehmen, ehe es zu spät ist.

 

B: Ich verstehe: wenn ein Mensch seinen Leib ruiniert, dann ist das Lebensverneinung. Wer immer nur seine Sinne maßlos befriedigen will, wer seinen Leib mit Genußmitteln kaputt macht, der verfehlt gerade sein Leben. Und wer sich und andere kaputt macht, der hat auch keine Ewigkeitshoffnung.

 

A: So geht es bei der Rede über Himmel und Hölle, über Ewigkeit und Verdammnis um die Wertschätzung des Lebens! Mein Leben ist auf Ewigkeit ausgerichtet. Ja, ich kann mich nicht damit zufrieden geben, dass mit dem Tod alles aus ist.

 

B: Mein Leben kann doch auch mit dem Tod nicht einfach verschwinden: Wenn schon in der Physik der Satz gilt, dass Energie im Kosmos nicht verloren geht, dann kann doch auch ich nicht einfach spurlos verschwinden. Ich bin doch ein einzigartiges Wesen!

 

A: Bei der Rede vom „Jüngsten Gericht“ geht es also um die letzte Instanz: wer verdient es, über mein Leben zu bestimmen oder gar zu richten.

 

B: Hoffentlich sind das nicht die anderen Menschen: denn deren Urteile sind doch nur Vor- urteile, Verleumdungen und meistens Fehleinschätzungen.

 

A: Siehst du, da ist es gut, wenn es eine letzte Instanz gibt, nämlich Gott, der am Ende über mein Leben befindet. Das Neue Testament ist sehr sparsam mit dem Ausmalen von Hölle und Verlorengehen. Das Neue Testament stellt nur fest, dass es so etwas gibt. Es geht aber nicht um einen zusätzlichen Höllenglauben, das ist Quatsch, auch wenn´s in der Kirche oft so gelehrt worden ist.

 

B: So geht es bei allen Aussagen über das ewige Leben, die Hölle oder das Gericht nicht um irgendwelche Wahrsagerei, sondern der Ton liegt auf der Gegenwart, die verändert werden soll, weil sie verändert werden kann.

 

A: Dann reden wir, wenn wir über Himmel und Hölle reden, über die letzte Instanz, die unser Leben bestimmt. Sage mir, was deine letzte Instanz ist, und ich sage dir, wie du lebst.

 

B: Wenn jemand keine letzte Instanz hat wie Gott, dann muss er sich selbst zur letzten Instanz machen. Da man sich aber selbst nie vertrauen kann, wird man auch seinem eigenen Reden nie trauen. Wenn also ein Mensch an sich selbst glauben muss, weil er keine letzte Instanz hat und Gott nicht kennt, dann hat er einen ganz schön begrenzten Horizont: Und er ist deshalb auch so misstrauisch gegenüber sich selbst und anderen, oft zeigt sich das in seinem Neid, seinem Egoismus und seinen Aggressionen gegenüber anderen.

 

A: Gibt es aber für mich einen Himmel, das heißt auf deutsch: ewige Geborgenheit, dann werde ich von dieser Geborgenheit her auch hier auf Erden mein Leben gestalten. So haben alle Aussagen der Bibel über die Zukunft zwei Aspekte: das gegenwärtige Leben und die Hoffnung. Beides gehört zusammen.

 

B: Ich verstehe: Und bei denen, die diese von Gott gereichte Hand ausschlagen, bleibt alles beim Alten, bleibt alles in der Hölle. Die Hölle ist ja keine Erfindung der Bibel und keine Phantasie eines rachesüchtigen Gottes. Hölle ist ein Stück Wahrheit, sie bezieht sich auf das, was wir uns schon gegenseitig machen. Wenn man Heroinsüchtige erlebt hat oder kaputte Ehen oder Arbeitslose, die jahrelang dahinvegetieren, dann muss man die Hölle nicht erst erfinden – sie ist schon da.

 

A: Die christlichen Aussagen über die Hölle sind eine einzige Anfrage in dem Sinne: „Wollt ihr, dass das immer so bleibt? Und wollt ihr, dass dieses Unglück, diese Zerstörung des anderen und seiner selbst endgültig ist?“ Wenn ihr das nicht wollt, dann ergreift die frohe Botschaft, das Evangelium von Jesus Christus, nehmt Gottes Liebe an!

 

B: Aber wo landen Menschen, die die befreiende Botschaft Gottes ablehnen?

 

A: Das weiss niemand. Wir können nur sagen, dass die Aussagen über Hölle und Gericht eine anstachelnde Funktion haben. Es geht nicht darum, dem Menschen zusätzlich Angst zu machen. Vielmehr leben die meisten Menschen im Misstrauen und damit in der Angst.

 

B: Und deshalb bedürfen sie der Aufklärung. D.h.: nicht aus grausamer Phantasie redet Jesus vom Gericht, sondern aus Sorge um den Menschen. Denn wir sollen uns nichts vormachen, wie es um uns steht.

 

A: Wir sollten uns dann aber auch vor solcher Schwarz-weiss-Malerei wie im zweiten Thessalonicherbrief hüten. Jede derartige Phantasie ist davon getragen, dass man selber bitte schön nicht davon betroffen ist, sondern es nur die anderen sind.

 

B: Wer weiss, ob überhaupt jemand darin ist. Man kann sicherlich darum beten, dass niemand am Ende ganz unglücklich sein möge. Statt Hölle könnte man sagen: unglücklich, verzweifelt, isoliert, innerlich zu Eis erstarrt – auch das ist eine Art von Tod.

 

A: Das ist der normale Zustand der meisten Menschen. Und wir Christen möchten das gerne ändern.

 

B: Das stimmt. Es geht in der Bibel beim Gericht Gottes immer um unsere letzte Chance. Hölle heißt: man wird von Gott verlassen – so wie Jesus auf Golgatha, als sie ihn gekreuzigt haben: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Hölle heißt: ich bleibe mit mir allein, mit meiner Schuld, mit meinem Leid, mit der Anklage, die mich verfolgt und gegen die ich nicht ankomme. Ich habe in den vielen Jahren der Seelsorge erlebt und gesehen, wie das ist, wenn Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben, sich nach Leib, Seele und Geist ruinierten und nicht mehr wußten, wo sie hingehörten. Das muss die Hölle sein, wenn ich meinen Willen bekomme, mich an meiner Sünde festzuklammern. Wenn ich meine Ausreden weiterreden kann und mir keiner zeigt, wie verloren und verlogen ich vor dem ewigen Gott bin. Wenn mir keiner sagt, dass ich Vergebung brauche und mich stolz damit brüste, dass ich mit meiner Schuld alleine fertig werde – oder gar behaupte, gar keine Schuld zu haben.

 

A: Gericht heißt dann: ich bekomme von Gott noch einmal eine Chance. Wenn alles am Ende scheint, kommt Gott noch einmal auf mich zu. Gottes Gericht ist meine Chance, aus der Sünde herauszukommen, weil mir vor Gott die Verlogenheit meines Lebens klar wird. Wenn Gott richtet, wird offenbar, in wieviel Lügen ich mich verstrickt habe. Die Wahrheit kommt ans Licht – und ich kann frei werden von all dem, was mich belastet und bedrückt.

 

B: Gottes Gericht hat heilende Wirkung, wenn ich von tiefsten Herzen bereue und mein Leben wirklich ändern will. Und Gott sagt sein unverbrüchliches „Ja“ zu mir. So werde ich fähig zu uneingeschränkter Gemeinschaft mit Gott und den Menschen. Sich im Lichte Gottes sehen, heißt, sich als Geliebte sehen. Wer so bejaht ist, kann auch andere bejahen.

 

Andreas Goetze/ Denis Wöhrle

 

 

 

 

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