
Ein Zuhause ohne Christen
Caritas-Baby-Hospital - Dezember 2005
Auch die Christen sind von den negativen Veränderungen in Palästina betroffen.
In Bethlehem leben heute rund 27.000 Christen. Damit gehört der Geburtsort Jesu zu den fünf Städten im Heiligen Land mit einer grossen Zahl christlicher Bewohnern. Doch die Mehrheit stellen sie auch in Bethlehem schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt heute bei rund 30 Prozent – 1948 waren es noch über 80 Prozent. Christliche Familien haben Bethlehem verstärkt nach der Jahrtausendwende den Rücken gekehrt und sind schweren Herzens ausgewandert.
Wie alle Einwohner Bethlehems sind auch die Christen von den Veränderungen der letzten Jahre betroffen. Täglich erleben sie, dass sie als Palästinenser in ihrer Heimat kaum eine Perspektive auf ein selbst bestimmtes Leben in Freiheit haben. Die immer wieder eingeschränkte Bewegungsfreiheit und die Isolation von anderen palästinensischen Gebieten führen zusammen mit dem wirtschaftlichen Niedergang im Westjordanland bei vielen Familien zu einer erstickenden Depression. Traditionelle gesellschaftliche Strukturen zerbrechen. „Früher hatten die verschiedenen Religionen eine wesentlich geringere Bedeutung“, sagt Islamwissenschaftler Dr. Edward Badeen, der gebürtig aus Nazareth stammt. Ob seine Nachbarn christlich oder moslemisch waren, hätte er früher kaum gewusst. Erst heute sei das Unterscheidungskriterium wichtiger geworden, um sich in der allgemeinen Not abzugrenzen.
All diese Veränderungen wirken sich nicht positiv auf Bethlehem aus. Früher kaum bekannte Probleme wie Drogenmissbrauch oder Diebstahl gehören heute zunehmend zum Alltag. Angesichts dieser Entwicklungen wird es verständlich, warum immer mehr Familien auswandern.
Doch wenn den Ursachen nicht entgegen gewirkt wird, ist Bethlehem eines Tages ein Ort ohne Christen.
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