Verabschiedung Pfarrer Goetze und Familie am Pfingstmontag, den 28. Mai um 17 Uhr – herzliche Einladung zum Gottesdienst und anschließendem Zusammensein
• impressum
• kontakt
• vertraulich
 
• wir über uns
• gottesdienste
• predigten
• kindertagesstätte
• kinder und jugend
• konfirmanden
• musik
• gruppen und kreise
• gemeindeaufbauverein
• stiftung weitblick
• rat und hilfe
• partnerschaften
theologie und mehr
islam
christentum
judentum
• hintergründe nah-ost
• wegbeschreibung
• gästebuch
• links
• archiv
 
theologie
 

Die Herausforderung durch den Fundamentalismus

von Andreas Goetze

 

Nach unserem Gespräch möchte ich gerne noch andeuten, in welche Richtung meiner Ansicht nach eine Auseinadersetzung mit dem Fundamentalismus gehen könnte und müsste. Ich verstehe dies als eine ganz persönliche Sicht, wie ich eben auch von meinem Glauben nur persönlich reden kann, ohne nun alle mir wichtigen Punkte beleuchten zu können.

 

Um vom eigenen Kontext zu reden: Der christliche Fundamentalismus ist mit dem Programm aufgetreten, den Glauben an Jesus Christus wieder zu einer lebensgestaltenden Kraft werden zu lassen. Aber gerade sein Verhältnis zu Jesus Christus ist sein eigentliches Problem. Das bedarf einer Erläuterung. Grundlegend hat sich Paulus dazu in 1. Kor. 3,11 geäußert: „Einen anderen Grund (fundamentum!) kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“. Alles andere ist kein „fundamentum“ des Glaubens und für das Leben in der Gemeinde.

 

Der christliche Glaube ist für mich darin christlich, dass er an Jesus Christus glaubt und nicht an die Bibel oder die Kirche. Die Kirche dient als Zeugin Gottes in der Welt, die Bibel gibt mir Zeugnis von dem Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Weder die Kirche noch die Bibel sind um ihrer selbst willen interessant, sondern allein um ihres Zeugnisses Willen heilig. (Das ist auch ein Grund dafür, dass es im Christentum von Anfang an niemals eine eindeutige Schriftüberlieferung gegeben hat, sondern immer ein Vielheit von Dokumenten, die ganz unterschiedlich vom Glauben an Jesus Christus zeugen – im Gegensatz zur muslimischen Koranüberlieferung).

 

Andere Fundamente, die nun nicht geglaubt, sondern bekannt und praktiziert werden sollen, sind in diesem Zusammenhang christlich nur sinnvoll und möglich, wenn sie den Charakter eines Experimentes, eines Versuches haben. Geraten sie selbst in den Rang der Wahrheit, bestreiten sie die Einzigartigkeit Jesu Christi.

 

Wenn Jesus Christus sich selbst „den Weg, die Wahrheit und das Leben“ nennt, kann ich das nur glauben – mit oder gegen den Zeittrend. Behaupten oder gar fordern lässt sich das nicht mehr. Der Fundamentalismus ist unter den derzeitigen Denk- und Lebensbedingungen selbst nur ein Teil in dem von ihm bekämpften Meinungspluralismus.

 

Ich kann mich aber auf den Weg machen, das Leben und die Wahrheit zu entdecken. Nicht ich „habe“ die Wahrheit, vielmehr nimmt mich die Wahrheit in Beschlag und setzt sich in meinem Leben durch: Das ist die Erschütterung, von der ich am Anfang sprach, die einen religiösen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes bewegt. Als Glaubender komme ich dabei nicht an der Zumutung herum, dass ich mich auf etwas einlassen und einen Vorschuss an Vertrauen wagen muss. Wenn ich Gottes gewiss werden will, muss ich – wie auch sonst im Leben – auf etwas setzen, was ich vorher nicht weiß.

 

Ich kann Menschen nicht zum Glauben an Jesus Christus „bringen“, ich kann es nur auf die Macht des Wortes und des Sakramentes ankommen lassen (vgl. Luthers Erklärung zum dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses). Es ist Gnade und unverfügbar für mich, wo, wie und wann Gott wirkt. Der Fundamentalismus kann meines Erachtens mit dem verborgenen Gott nichts anfangen, er kennt ihn gar nicht. Durch den Fundamentalismus wird mir neu deutlich, wie leicht ich in der Gefahr stehe, diese geschenkte Gnade zu einem Gesetz zu machen, wenn ich genau weiß, wo und wie jetzt der Geist Gottes sichtbar werden kann und will. Ich möchte dagegen im Vertrauen zu Gott getrost bestimmte Probleme an das Leben zurückgeben, die sich zunächst nicht bewältigen lassen.

 

Doch ist das alles, was wir sagen können? mag nun jemand fragen. Was können wir aber tun? Wird nun die Beliebigkeit letztlich das Feld behalten? Relativismus statt Wahrheit – auch im Glauben? Nein, aber bescheidener könnten wir reden – und ehrlicher. Es ist ohne Erfolgsaussicht, noch einmal „die endgültige Wahrheit“ mit Macht unter das Volk zu bringen. Ein desinteressiertes Christentum, das einer Art Unterwerfung unter eine bestimmte Moral oder Lebensgestaltung nahe legt, wird sich gegen das Leben nicht durchsetzen. Der Zweifel kann niemals mehr vergessen werden, wenn er sich einmal erhoben hat.

 

Es scheint mir aber aussichtsreich, unter drei Voraussetzungen so etwas wie ein experimentelles Christentum zu wagen.

 

(1) Ich glaube dem Herrn, dass er seine Kirche trägt, versorgt und baut. Die Kirche wird nicht erneuert durch Programme und noch so gut gemeinte (moralische) Redensarten. Natürlich, alle unsere Pläne und Ideen sind gut und wichtig, und wir brauchen begabte Leute in der Kirche. Ich rede nicht einem Fatalismus das Wort, sondern spreche von einer Gelassenheit, die das Leben allein von Gott selbst erwartet und von daher (!) mutig zu handeln vermag, weil keine Tat noch ein Bekenntnis über Heil und Unheil entscheidet.

So ärgerlich diese Feststellung ist: wie man „richtig“ mit der Welt und dem Leben umgeht, weiß auch der christliche Glaube nicht; was er weiß, ist etwas anderes: wie Gott mit uns und dieser Welt umgeht. Das macht erstaunlich lebenstüchtig, vor allem macht es froh und getrost.

 

(2) In diesem Glauben kann ich nun fragen, welche Lebensgestaltung möglich und hilfreich ist, so dass die Versöhnung und Barmherzigkeit wächst statt abnimmt.

 

(3) Dabei werde ich versuchen, das Gespräch und nicht die Belehrung als Mittel der Meinungsbildung voranzutreiben. Vielleicht vermag eine Gemeinschaft von Menschen, die nicht bereit sind, ihre Gedanken und Gefühle auf dem Altar irgendeines Fundamentalismus zu opfern, sondern den schwierigeren dialogischen Weg wählen, bereits eine gewisse Orientierung und Geborgenheit zu vermitteln. Geborgenheit meint ja nicht Sicherheit, sondern eine Erfahrung menschlicher Wärme und Solidarität, die uns im Wissen um Anfechtungen und offene Fragen dieses ohne Leidensdruck ertragen lässt. Gemeinsames Leben ermöglicht die Erfahrung, dass Konflikte nicht einsam machen müssen. Solch eine Begegnung wird uns darauf zurückbringen, dass Jesus uns trägt und dann auch Orientierungen gibt, um in dieser Welt zu bestehen. Das wird alles sehr menschlich sein, aber gerade darin „christlich“. Auf solche „Experimente“ wartet die Welt.

 

Zum Schluss: Ich kenne in meinem Leben beides: Die Sehnsucht nach Bewahrung und die Angst vor Neuem. Es ist sicher nicht gut, sich leichtfertig von Bewährtem zu verabschieden und seinen Reichtum nicht mehr zu Kenntnis zu nehmen. Deshalb ist nicht nur die Bewahrung der Schöpfung, sondern auch die Bewahrung des Glaubens an Jesus Christus und seiner Wahrheit aller Anstrengung wert. Wo sich allerdings die Angst um den Verlust dieses Fundamentes breit macht, wird aus einer lebendigen Bewahrung schnell nur ein konservatives Festhalten. Wo der Glaube nicht mehr erfinderisch wäre, phantasiereich und schöpferisch, würde aus der Kirche nur mehr ein Museum. Wir dürfen es aber dem schöpferischen Gott überlassen, die Welt und uns zu erneuern und in diesem Glauben fröhlich unseren Weg gehen: „Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und mein Heil… Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasst uns freuen und fröhlich sein, an ihm sein. O Herr, hilf, o Herr, lass wohl gelingen! .. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich“ (Ps.118,14.24.25.29)

 

 

  Wochenplan aktuell
  Veranstaltungshinweise
  Jahresplan 2012
  Bibelleseplan
  Spiritualität im Alltag
  Angebote der Gemeinde
  Jugendleiterstelle
  gefährdet
  israel/palästina
  taufe, kircheneintritt
  hochzeit, beerdigung
  Das Gemeindejournal
   Die aktuelle Ausgabe
  75 Ausgaben
  „Gemeindejournal“
  rückmeldungen
  Konten der Gemeinde
  Ökumene vor Ort