Christen in Gaza: "Hoffnung nicht aufgeben"
Unsicherheit über künftiges Verhalten der nun allein regierenden Hamas - Bislang nur vereinzelte Übergriffe zu verzeichnen
Wien/Gaza - Die Christen im Gaza-Streifen sind angesichts der Machtübernahme der radikal-islamistischen Hamas stark verunsichert. Man könne derzeit nicht abschätzen, wie sich die nun allein regierende Hamas gegenüber den Christen verhalten wird, berichtete Hannes Eder von der österreichischen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem am Montag nach einem Telefongespräch mit dem katholischen Pfarrer von Gaza, Manuel Musallam. Der Pfarrer habe sich stets um eine gute Gesprächsbasis zu beiden Palästinensergruppen, zur Fatah wie zur Hamas, bemüht. Er hoffe, dass diese Kontakte auch jetzt den Christen helfen, so Eder im Gespräch mit "Kathpress".
Die österreichischen Grabesritter unterstützen seit Jahren das katholische Gymnasium und den Kindergarten, der vom lateinischen Patriarchat von Jerusalem in Gaza-Stadt betrieben wird. Mit den Hilfsgeldern werden die Löhne der Lehrkräfte und teilweise die Erhaltung der Gebäude finanziert. Das Gymnasium wird von mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern besucht, davon kommen rund 800 aus muslimischen Familien.
Laut Musallam, der die Aufsicht über die Schuleinrichtungen hat, läuft der Schulbetrieb weiter. Die führenden Leute der Hamas hätten versichert, sie schätzten die Tätigkeit von Kindergarten und Schule sehr und seien an deren Fortführung interessiert. Auch die Kinder untereinander hätten keine Probleme, und die muslimischen Eltern wüssten sehr wohl, was sie an dieser renommierten Schule haben. Der Pfarrer predige selbst in Moscheen und werbe für ein befriedetes Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen.
Sorgen
Manche Entwicklungen bereiten den Christen allerdings Sorgen. So ging in der katholischen Schule von einer islamistischen Gruppe eine Beschwerde darüber ein, dass Buben und Mädchen im Unterricht nebeneinander sitzen; mit solchen "Vorwürfen" heizen die Islamisten üblicherweise in aller Welt ihre Agitation an. Vor rund vier Wochen war das Haus eines Pfarrgemeinderatsmitglieds in Gaza von Hamas-Milizen in die Luft gesprengt und der Vater verletzt worden.
Die Ordensfrauen der palästinensischen "Rosenkranz-Kongregation" haben wegen der anhaltenden israelischen Luftangriffe auf ihr Viertel ihr Haus verlassen müssen; die von ihnen betriebene Schule und ihre Kapelle ist von Hamas-Aktivisten inzwischen teilweise beschädigt worden.
Pfarrer Musallam verurteilte dieses Vorgehen scharf. Es handle sich um eine blindwütige Tat fanatischer Islamisten, die offenbar einen Keil zwischen Christen und Muslime treiben wollten, sagte der Priester.
Der Konvent der "Rosenkranz-Kongregation" war am vergangenen Donnerstag im Zuge der blutigen Unruhen im Gazastreifen von Hamas-Milizen beschädigt worden: Kreuze und eine Jesus-Statue wurden vernichtet, Gebetbücher verbrannt und mehrere Computer aus der von den Ordensfrauen geleiteten Schule gestohlen.
Konvent entweiht
Hamas-Kämpfer hätten zudem das Dach des Konvents während der Straßenkämpfe benutzt und das Gebäude dadurch entweiht, bedauerte Msgr. Musallam. Von den Vorgängen im Konvent hatte im allgemeinen Chaos der vergangenen Woche zunächst niemand Notiz genommen, da die Ordensfrauen bereits vor Ausbruch der Unruhen nach Jerusalem geflohen waren und seitdem nicht mehr nach Gaza zurück können.
Er habe sich persönlich bei "Hamas"-Führer Ismail Haniyeh über den Vandalismus beschwert, so der Priester, der sich in der Vergangenheit als Vermittler zwischen den verfeindeten palästinensischen Gruppierungen engagiert hatte. Haniyeh habe sich ihm gegenüber von der Tat distanziert und versprochen, die Schäden wieder zu beheben, erklärte Musallam. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz hätten Hamas-Politiker am Montag diese Zusagen öffentlich bestätigt.
Nur vereinzelte Übergriffe
Mussallam betonte, er wolle durch Dialog mit den radikalislamischen Politikern verhindern, dass es zu einem systematischen Vorgehen gegen die Christen komme. Bisher kämen Übergriffe auf Christen und ihre Einrichtungen nur vereinzelt vor und seien "nicht von den politisch Verantwortlichen getragen".
Die humanitäre Lage in Gaza sieht der Geistliche kurz vor dem Zusammenbruch: Die Menschen litten bereits jetzt Hunger, die Regale in den Geschäften leerten sich zusehends. Die Zivilbevölkerung fürchte neben weiteren Angriffen von Hamas-Anhängern nun auch das Ausbrechen eines "neuen Krieges mit Israel".
Laut Eder wäre es dennoch ein großer Fehler, die regierende Hamas von Seiten des Westens zu boykottieren. Damit würden auch jene Muslime, die nicht der Hamas anhängen, aufgebracht und das genaue Gegenteil einer Mäßigung erreicht.
"Hoffnung nicht aufgeben"
Wesentlich sei, den Menschen im Gaza-Streifen zu vermitteln, dass man die Hoffnung nie aufgeben darf. Das große Problem sei derzeit, Hilfe in den Gaza-Streifen zu bringen. Die Grabesritter seien bemüht, eine Sonderhilfe auf den Weg zu bringen, besonders für die rund 150 katholischen Familien. Schwierig sei es derzeit auch, den Aufbau des Zentrums für traumatisierte Kinder in Beit Hanoun, einem Ort in der Nähe von Gaza-Stadt, zu unterstützen, da es in einem schwer zugänglichen Teil des Gaza-Streifens liege.
Die psychotherapeutische Station mit angeschlossenem heilpädagogischem Kindergarten war von Pfarrer Musallam iniitiert worden, die Gemeinde Beit Hanoun stellte für das Projekt ein Grundstück sowie eine Startfinanzierung bereit. Viele Kinder im Gaza-Streifen litten schon im Kleinkindalter an den Folgen von Gewalt, Zerstörung und Krieg. Symptome der Traumatisierung seien unter anderem eine hohe Gewaltbereitschaft sowie Bettnässen. (APA)
Hamas: Christenverfolgung im Gaza-Streifen
Der christlichen Minderheit im Gaza-Streifen stehen nach der Machtübernahme der Hamas unheilvolle Zeiten bevor. Nachdem am Sonntag eine katholische Kirche und die dazugehörige Schule der Brandschatzung zum Opfer gefallen waren, hat sich nun der Islamistenführer Sheik Abu Saqer gegenüber „WorldNetDaily“ zur Zukunft der etwa 2000 Christen in Gaza geäußert...
nach einem Bericht in Rescheth Beth und in Yedioth Ahronot am 19.06.07
Der Kopf der Bewegung „Jihadia Salafiya“ hat dabei betont, dass Christen von nun an nur dann sicher in Gaza leben könnten, wenn sie das islamische Gesetz akzeptieren. Darin eingeschlossen sei etwa der Verbot von Alkohol und die Kopftuchpflicht für Frauen.
Wörtlich verkündete Abu Saqer: „Ich erwarte von unseren christlichen Nachbarn, dass sie verstehen, dass die neue Hamas-Herrschaft einen radikalen Wandel bedeutet. Sie müssen bereit sein für die islamische Herrschaft, wenn sie weiterhin in Frieden in Gaza leben wollen.“
Der radikal-fundamentalistische Muslim will auch gegen westliche Vergnügungseinrichtungen vorgehen. Aktivitäten von Internetcafés, Billardhallen und Bars müssen gestoppt werden, so Abu Saqer: "Sollten diese verwerflichen Entgleisungen nicht von selbst eingestellt werden, so wird unser Zorn hereinbrechen und diese Dinge mit aller Härte vernichten".
Auch im folgenden Hintergrundbericht für inn / KEP rechnet Johannes Gerloff mit mehr Druck auf Christen:
..."maskierte Banditen haben in Gaza-Stadt die lateinische Kirche und ein Kloster in Brand gesteckt. Danach wüteten sie noch in der Schule der Rosenkranz-Schwesternschaft. Das berichten palästinensische und israelische Medien. Pater Manuel Musallam selbst war telefonisch nicht erreichbar und seine Mitarbeiter wollten sich zu dem Anschlag nicht äußern. Seit die Hamas die Macht im Gazastreifen übernommen hat, ist dies der erste Übergriff auf Christen, der bekannt wurde.
Die englisch-sprachige Zeitung "Jerusalem Post" zitiert christliche Führungspersönlichkeiten, die sich tief besorgt über die Zukunft der christlichen Gemeinde in Gaza unter der Herrschaft der radikal-islamischen Hamas-Bewegung äußerten. Die meisten der schätzungsweise 2.500 Christen wollten diesen Quellen zufolge den Ort verlassen.
Ein evangelikaler Pastor bestätigte, dass die meisten Christen langfristig kaum Hoffnung für eine Zukunft im Gazastreifen sehen: "Wenn sie die Möglichkeit haben, gehen sie weg." In der islamischen Welt ist es, wie allgemein bekannt, kaum möglich, offen ein christliches Zeugnis zu leben. Auch wenn die Lage jetzt nach der Machtübernahme der Hamas deutlich ruhiger ist, haben die palästinensischen Christen Angst, dass Druck und Schwierigkeiten unter einer radikal-islamischen Regierung zunehmen werden. Hinzu kommt, dass die meisten Regierungen weltweit die Hamas-Regierung in Gaza nicht anerkennen wollen.
Insgesamt zeigt sich aber auch im Blick auf die Lage der Christen ein eher verwirrendes Bild. Bei einem Treffen mit Vertretern der palästinensischen Bibelgesellschaft, nachdem deren Geschäftsstelle im April durch eine Bombe zerstört worden war, zeigte sich der als radikal geltende Hamas-Führer Dr. Mahmud as-Sahar verständnisvoll für die Lage der Christen. Grundsätzlich behaupten Hamas-Vertreter, sie seien nach islamischem Recht verpflichtet, die christliche Minderheit zu schützen.
Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, verurteilte den Anschlag auf die katholische Einrichtung als "barbarisch" und machte die Hamas verantwortlich. Er bezeichnete die Brandstiftung in einer Kirche als "eine der Früchte des blutigen Putsches" der Hamas im Gazastreifen.
Infolge der Äußerungen von Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr in Regensburg bedrohten radikale Muslime in Gaza alle Christen in der Region. In einem Flugblatt stand: "Wir werden alle Kreuzfahrer im Gazastreifen verfolgen, bis sich der Papst offiziell entschuldigt hat." Weiter hieß es in dem Pamphlet: "Alle Zentren, die Kreuzfahrern gehören, sind von jetzt an Ziele. Wir werden die Kreuzfahrer selbst dann noch angreifen, wenn sie betäubt in ihren Häusern sitzen."
Auch das Gesicht des Standbildes des unbekannten Soldaten im Zentrum von Gaza-Stadt wurde von Unbekannten verunstaltet. Die Statue - im Volksmund kurz als "Dschundi" bekannt - steht auf einem Platz vor dem palästinensischen Parlamentsgebäude in der Omar al-Muchtar Straße und ist eines der ganz wenigen palästinensischen Nationalsymbole, das auf seinem Sockel die Zwei-Staaten-Lösung, das heißt, die so genannten Grenzen von 1967 verzeichnet. Der Grund für diese in der palästinensischen Gesellschaft ungewöhnliche Darstellung ist vermutlich, dass das Denkmal in den 50er Jahren von den Ägyptern aufgestellt wurde. Nach einer Zerstörung durch die Israelis im Krieg wurde die Statue von Jasser Arafat renoviert.
Der palästinensische Informationsminister und Menschenrechtler Dr. Mustafa Barghuti verurteilte die Tat als "barbarischen Akt, der das Image des palästinensischen Volkes und seines Schicksals verzerrt". Laut Barghuti steht "die Statue für den Kampf von Tausenden von Märtyrern, die ihr Leben im Kampf für das Vaterland und für die gerechte Sache in Jahrzehnte langem Widerstand gegen die israelische Besatzung gegeben haben".
Den Angriff auf die katholische Kirche und das Kloster in Gaza-Stadt bezeichnet er gegenüber der palästinensischen Nachrichtenagentur "Ma´an" als "sündig". Die Vorfälle gegen Christen und gegen die Darstellung eines Menschen in Form einer Statue sind Indizien dafür, dass sich im Gazastreifen die Herrschaft radikaler Extremisten durchsetzt. Der Islam duldet die Darstellung von Menschen in künstlerischer Form nicht.
Christenverfolgung im Gaza-Streifen
Der christlichen Minderheit im Gaza-Streifen stehen nach der Machtübernahme der Hamas unheilvolle Zeiten bevor.
Nachdem am Sonntag eine katholische Kirche und die dazugehörige Schule der Brandschatzung zum Opfer gefallen waren, hat sich nun der Islamistenführer Sheik Abu Saqer gegenüber "WorldNetDaily" zur Zukunft der etwa 2000 Christen in Gaza geäußert.
Der Kopf der Bewegung "Jihadia Salafiya" hat dabei betont, dass Christen von nun an nur dann sicher in Gaza leben könnten, wenn sie das islamische Gesetz akzeptieren. Darin eingeschlossen sei etwa der Verbot von Alkohol und die Kopftuchpflicht für Frauen.
Wörtlich verkündete Abu Saqer: "Ich erwarte von unseren christlichen Nachbarn, dass sie verstehen, dass die neue Hamas-Herrschaft einen radikalen Wandel bedeutet. Sie müssen bereit sein für die islamische Herrschaft, wenn sie weiterhin in Frieden in Gaza leben wollen."
Abgesehen von der christlichen Missionierung führt der radikal-fundamentalistische Muslim auch einen Feldzug gegen westliche Vergnügungseinrichtungen: "Auch die Aktivitäten von Internetcafés, Billardhallen und Bars müssen gestoppt werden. Wenn es weitergeht, werden wir diese Dinge mit aller Härte angreifen."
(Yedioth Aharonot, 19.06.07)
(Quelle: die juedische, Österreich)
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